Geschafft! Das Tipi steht.
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Geschafft! Das Tipi steht.

Kinder lernen spielend

Ein Erlebnistag auf dem Gronimushof

Da war handwerkliches Geschick gefragt.

Taufkirchen – Ein Tipi aufstellen, betonieren und Feuer machen, das waren einige Aufgaben, die beim Wildnispädagogik-Projekt auf dem Gronimus Pferdehof in Großschaffhausen in der Gemeinde Taufkirchen zu meistern waren. Genutzt werden kann diese „Holzhütte“ von Schülern, Lehrern und anderen Gruppen. Bis zu 20 Personen haben darin Platz.

Die Hütte in der eigenwilligen Tipiform stammt von Andi Götz von der mobilen Jugendhilfe. Er hatte sie vor rund zehn Jahren in Schwindegg am Bahnhof zusammen mit Jugendlichen errichtet, als Ersatz für fehlende Jugendräume. Weil dort immer öfter Menschen randaliert haben, entschied er sich dazu, für das Tipi einen anderen Standort zu suchen. Als er der Mittelschule Taufkirchen die Hütte anbot, griff Rektor Adi Geier gleich zu. Weil sie künftig für unterschiedlichste schulische Zwecke genutzt werden kann, aber auch um sie an Götz’ Arbeit anzugliedern, damit er besser in Kontakt zu den Jugendlichen kommt.

Die Wildnispädagogik gibt es am Gronimushof von Sozialpädagogin Barbara Sedlmair schon seit drei Jahren. Auch sie kann die Hütte für ihre unterschiedlichen Aktivitäten gut gebrauchen. Bei diesem Projekt halfen Wildnispädagogen von der Wildnisschule im Chiemgau mit. Vergangenes Schuljahr wurde mit dem damaligen Siebtklässlern der Taufkirchener Mittelschule, darunter zwei Mädchen, damit begonnen, erzählt sie.

Miteinander wurde immer wieder an dem Tipi gebaut. „Sie waren wirklich ein gutes Team. Dann kam uns Corona dazwischen“, erzählt sie. Daher wurde über den Sommer in zwei Schichten gebaut, und erst kürzlich konnte die Einweihung mit einem Grillfest mit den 20 Jugendlichen und ihren erwachsenen Betreuern gefeiert werden.

Mit den eigenen Händen draußen etwas zu bauen, war vor allem für die Burschen gut und eine schöne Erfahrung: „Das war für die Gemeinschaft gut.“ Es gehe in erster Linie darum, „gemeinsam herauszufinden, wie die Sachen gehen und was in den Jugendlichen steckt. Und in ihnen steckt sehr viel. Es hat total Spaß gemacht“, erklärt der 25-jährige Wildnispädagoge David Mühlbauer.

So hat er ihnen beispielsweise gezeigt, wie man durch die Reibung mit zwei Hölzern und Stroh Feuer macht. Der 15-jährige Stefan Wagner aus Velden war ganz begeistert: „Eigentlich braucht man es nicht, es geht um das Wissen. Wenn man sich mal im Wald verläuft und es dunkel ist, kann man es einsetzen.“ Er hat mit seinen Freunden auch ein großes Bild von dem Projekt gemalt.

Spaß hat es auch Andreas Mittermeier (14) aus Taufkirchen gemacht, der von Anfang an dabei war. „Ich war auch ein, zwei Mal privat da. Andi Götz hat uns erklärt, wie wir es aufbauen müssen. Er war immer dabei. Mit Holzarbeiten kenn ich mich schon gut aus.“ Manchmal wurden auch Tagesausflüge zum Gronimushof gemacht.

Götz, der früher im Messebau tätig war, hatte beim Abbau jedes Teil nummeriert, das ganze Konstrukt mit den Schülern aufgestellt und sogar das Grundfest mit ihnen betoniert. Auch der Hofvermieter Hans Pölsterl, seines Zeichens Maurer, half mit und gab seine Skills an die Jugendlichen weiter. Schließlich geht es bei dem Projekt auch „um alte Handwerkstechniken, Ressourcenorientierung, jenseits von jedem Handy und ohne schicke Turnschuhe“, so Sedlmaier.

Thorben Brauner (15) aus Taufkirchen fand das Projekt sehr abwechslungsreich. Er ist handwerklich schon versiert wie Andreas Mittermeier, ihre Väter sind Maurer beziehungsweise Heizungsbauer und sie haben ihnen schon öfter beim Arbeiten geholfen.

Das Tipi könne von allen Schülern und Gruppen sowie Lehrern genutzt werden, die auf den Hof kommen, theoretisch könne man darin auch übernachten, erklärt Pädagoge Benedikt Kiesel. Vier Arbeitstage habe das Aufstellen des Tipis gedauert. Pädagogisches Ziel sei gewesen, dass die Kinder als Gruppe etwas zusammen machen, um zu sehen, was man mit ein paar Handgriffen schaffen und was jeder leisten kann. „Die meisten haben hoch motiviert mitgearbeitet“, erzählt Kiesel. Spannend sei es auch, die Kinder anders zu erleben. „Die interessantesten Gespräche, die ich mit ihnen hatte, haben auf dem Hof stattgefunden, in aller Ruhe. Es waren sehr persönliche Gespräche, für beide Seiten förderlich“, so der Pädagoge.

Birgit Lang

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