2012 stand das Taufkirchener Kinocafé vor dem Aus. Kino-Lenze hat es davor bewahrt und bis heute seinen Idealismus nicht verloren. Ein Interview.
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Gemütlich wie im Wohnzimmer ist es im Kinocafé Taufkirchen. Die Idee mit den Sofas hatte Andreas vom Hofe selbst, der das Kino 2000 übernommen hat. 2012 hat er das Gebäude gekauft und das Kino vor dem Aus gerettet.

„Ich spiele nur Filme, die mich überzeugen“

Kinocafé-Leiter Andreas vom Hofe im Interview über Anspruch und Idealismus

2012 stand das Taufkirchener Kinocafé vor dem Aus. Kino-Lenze hat es davor bewahrt und bis heute seinen Idealismus nicht verloren. Ein Interview.

Taufkirchen – Das Kinocafé in Taufkirchen ist eine Institution. Seit 20 Jahren leitet es Andreas vom Hofe. 2012 hat er es vor dem Aus gerettet. Bis heute hat der Taufkirchener seinen Idealismus nicht verloren. Wir unterhielten uns mit dem Kino-Lenze, wie ihn seine Freunde nennen.

Herr vom Hofe, 2000 haben Sie das Kinocafé übernommen? Hatten Sie schon immer eine Affinität zum Kino?

Nicht wirklich. Ich war aber schon als Jugendlicher im Kinocafé, damals betrieb es die Familie Lechner aus Taufkirchen. Bei ihren Nachfolgern, den Jells, habe ich im Cinema Casablanca mit Rick’s Café, wie es damals hieß, bedient. Helmut Jell hat mir das Filmvorführen gelernt. Als meine Schwester Christine das Kino im September 1992 übernahm, fungierte ich vier Jahre lang als ihre rechte Hand und hab’ mich um die Kinotechnik gekümmert.

Durch Digitalisierung ist viel Flair verloren gegangen

Kinotechnik? Was war daran anders als heute?

Wir haben sehr lange noch analog mit 35mm-Filmrollen gearbeitet, die man manuell einlegen musste. Die haben schon ein bisserl Gewicht gehabt. Ein kompletter Film hat an die 25 bis 30 Kilo gewogen. Es war mehr Arbeit, aber es hat Spaß gemacht. Natürlich gab es auch einige lästige Sachen. Wenn der Film beispielsweise das letzte Mal gelaufen ist und es eine Spätvorstellung war, dann musste ich erst noch alles im Café fertigmachen und danach noch den Film abbauen. Da ist es schon ab und zu passiert, dass ich um 2 Uhr in der Früh noch mal in den Vorführraum rauf musste, weil der Film um 4 Uhr in Taufkirchen abgeholt wurde. Durch die Digitalisierung ist es heute deutlich weniger Arbeitsaufwand. Aber es ist natürlich auch viel Flair verloren gegangen.

Apropos Flair, davon sprüht das Kinocafé ja nach wie vor. Wo kann man im Kino sonst auf der Couch lümmeln?

Das war meine Idee, statt der fest installierten Kinostuhlreihen einige Sofas in den Kinosaal zu stellen. Wir haben regulär 75 Plätze, aber der Saal war so gut wie noch nie ausverkauft. Gut, einmal, als der Markus H. Rosenmüller seinen eigenen Film promotete, waren gut 108 Leute da. Aber der Raum ist groß genug, um provisorisch alle unterzubringen. Ich dachte mir, mit Couchen ist es gemütlicher, und wir sind außerdem variabler, vor allem bei Konzerten. Anfangs haben wir die Stuhlreihen raus- und nachher wieder reingeschraubt. Das war ein Riesenakt. Jetzt schieben wir die Sofas einfach auf die Seite und haben Platz zum Tanzen.

Veranstaltungen im Kino

Konzerte im Kino?

Ja, wir haben außer Filmen einige fixe Programmpunkte bei uns. Die KAB lädt einmal im Monat zu einer Sondervorstellung, ebenso das Forum links. Außerdem hält der örtliche Alpenverein Vorträge. Zwei, drei Mal im Jahr findet bei uns zudem die offene Bühne von Andrea Traber statt. Auch Andreas Konzerte aus Dorfen sind regelmäßig bei uns. Auch einige Musiker und Bands treten bei uns gerne auf, die Gnadenkapelle oder die Bavarian Immigrants, bei denen das Kinocafé rappelvoll war. Wir haben auch immer wieder Kabarettisten bei uns. Wir vermieten das Kino, treten dann nicht als Veranstalter, sondern als Dienstleister auf.

Auch inhaltlich setzt sich das Kinocafé von den großen Multiplex-Kinos ab.

Wir zeigen keinen Mainstream, sondern anspruchsvolle Filme. Das war bereits so, als ich 2000 das Kino mit Christian „Tschick“ Schikora übernahm. Er wollte es auch unbedingt Filmkulturhaus nennen. Wir haben die ersten sechs Wochen nur italienischen Neorealismus aus den 40er bis 60er Jahren gezeigt. Dieser enorme künstlerische Anspruch hat sich auf Dauer nicht halten lassen. Auf der Basis kann man sich auf dem Land nur ruinieren. In München wäre es eine Goldgrube gewesen. Von den früheren Ambitionen ist übrig geblieben, dass ich nur Filme spiele, von denen ich selber überzeugt bin. Es gibt ja auch massentaugliche, gute Filme wie Dampfnudelblues. Tarentino macht gewalttätige Filme, aber er ästhetisiert sie, das finde ich interessant, das muss man aber nicht gut finden. Wenn man nicht Mainstream-Kino spielen möchte, wird es schnell dünn mit aktuellen Filmen.

Viele Stammgäste

Sie haben viel Stammpublikum?

Ja, fast ausschließlich. Die Kinobesucher kommen aus einem relativ großen Einzugsbereich, was nicht nahe liegend ist. Viele Dorfener, Isener, Landshuter und Erdinger. Die Taufkirchener gehen eher ins Café. Bevor s’Kino in Dorfen aufgemacht hat, waren es bestimmt zwei Drittel Stammgäste aus Dorfen. Dass es in Dorfen ein Kino gibt, hab ich mir zum Teil auch selber zuzuschreiben. Die SPD- und Grünen-Stadträte waren immer bei mir und haben einmal gesagt, so was brauchen sie in Dorfen auch.

Kino ist ja auch für die Großen ein hartes Geschäft. Es gehört schon viel Idealismus dazu, oder?

Ja. Als wir 2000 das Kinocafé übernahmen, haben wir uns die Arbeit aufgeteilt. Ich war für das Café verantwortlich und habe das Kino handwerklich gemacht. Tschick hat sich um die organisatorischen Fragen gekümmert, die Werbung und Abrechnungen mit dem Filmverleih gemacht, den ganzen Bürokram und das Filmprogramm zusammengestellt. Es ist enorm zeitaufwendig und es springt halt nichts raus dabei. Tschick ist unter anderem deshalb nach vier Jahren ausgestiegen. Rentieren tut sich das Kinocafé bis heute nicht. Ich lebe von meiner Unfallrente. Mir ist 1995 eine junge Frau ungebremst mit 100 frontal reingefahren. Ich bin eigentlich Ingenieur, durch den Unfall aber erwerbsunfähig. Aber ich habe immer wieder Leute, die sich massiv einbringen. Dass es im Café so schön gemütlich ist, ist Franzi Weber zu verdanken. Zusammen mit ihren Schwestern hat sie auch die schönen Sprüche auf jedes Kissen geschrieben.

2012 stand der Fortbestand des Kinocafés auf der Kippe.

Ja, der Eigentümer, Egon Tafelmaier, war gestorben und hat das Gebäude Verwandten vermacht, die es verkaufen wollten. Damit das Kinocafé nicht stirbt, habe ich es gekauft. Ich zahle noch heute die Schulden zurück.

Das Gespräch führte Birgit Lang.

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