Ganz ohne Mann geht es nicht: Die Kandidatinnen wollten Landrat Martin Bayerstorfer zumindest auf Wahlkampfkarten aufs Foto nehmen.
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Ganz ohne Mann geht es nicht: Die Kandidatinnen wollten Landrat Martin Bayerstorfer zumindest auf Wahlkampfkarten aufs Foto nehmen.

Wahlkampfveranstaltung

CSU-Frauen fühlen sich auch ohne Frauenquote stark

Viele Frauen tummeln sich bei der CSU nicht auf vorderen Listenplätzen. Dennoch scheinen die Damen in der Partei gegen die Quote zu sein - zumindest die meisten.

Taufkirchen – Sag mir, wo die Frauen sind – das wird sich Taufkirchens Vize-Bürgermeister Christoph Puschmann beim Start in den Taufkirchener Kommunalwahlkampf gedacht haben. Er habe jedenfalls händeringend nach Frauen gesucht, die sich für die CSU im Gemeinderat engagieren wollen, erzählte der Ortsvorsitzende bei einer Wahlkampfveranstaltung der Frauen Union im Wasserschloss. „Ich habe rund 20 Absagen bekommen“, berichtete er.

„Des ned aa no“, hätten die Damen ihm geantwortet, bei denen er nachfragte. „Die meisten Frauen, die für eine Kandidatur geeignet sind, haben schon sehr viele Ehrenämter in Taufkirchen“, sagte Puschmann am Samstag – allerdings zur falschen Zielgruppe: Denn es hatten sich Gemeinde- und Kreistagskandidatinnen aus Taufkirchen sowie Parteifreundinnen und etliche Bewerberinnen aus Nachbargemeinden versammelt.

Es gibt sie also durchaus, die Frauen in der CSU – das Verhältnis weiblich/männlich ist hier aber nicht paritätisch, wie bei SPD oder Grünen. In Taufkirchen finden sich auf den ersten zwölf Listenplätzen weitgehend Männer. Karin Bauer, Ortsvorsitzende der Frauen Union, hatte sich beispielsweise von Puschmann akquirieren lassen. „Der Frauen-Quote wegen“, bekannte sie. Doch Quoten-Frauen in der CSU lehnt Bauer ab, so wie die meisten ihrer Parteifreundinnen: „Das brauchen wir nicht.“

Dieser Meinung ist auch Nicole Schmitter, Listenplatz 6. „Ich möchte nicht wegen einer Quote gewählt werden, sondern aufgrund meiner Persönlichkeit und meiner Ideen“, erklärte die 26-Jährige. Bei einem Reißverschluss-Modell, das SPD und Grüne praktizieren, stünde Schmittner indes auf Listenplatz 2. „Für die vorderen Plätze braucht man auch eine gewisse Ausstrahlung“, meinte sie. Außerdem sei sie noch zu jung, wenn auch nicht unerfahren. Schließlich sei sie seit 2014 im Gemeinderat, habe bei Praktika im Taufkirchener Rathaus viel gelernt. „Noch möchte ich nicht Bürgermeisterin werden, später vielleicht“, sagte Schmittner.

Auch in der CSU gibt es Stimmen für die Frauenquote

Anneliese Mayer (Platz 8) hat selbst keine Ambitionen auf den Chefsessel im Rathaus, ist aber eine Verfechterin der Quote: „Die Männer würden schön blöd schauen, wenn wir bei der CSU eine Quote und ein Reißverschlusssystem hätten“, meinte die promovierte Ordinariatsrätin im Erzbistum München. „Die CSU muss ein Spiegel der Gesellschaft sein.“ Und das seien eben 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer. Auch würden politisch engagierte Männer nicht aus Selbstzweifeln einer Frau den Vortritt lassen, nur weil diese besser wirke: „Männer ticken anders.“

Das Landratsamt in Erding sei paritätisch geführt, erklärte Martin Bayerstorfer. „In den Führungspositionen sind vier Frauen und vier Männer.“ Die Frauen hätten durch ihre Qualifikation überzeugt, sagte er. Eine Quotenregelung hält er für die CSU überflüssig. „Das brauchen wir nicht – wir müssen Frauen anders für die Parteiarbeit gewinnen.“ Ein Patentrezept habe er indes nicht.

In Dorfen steht Barbara Lanzinger auf Listenplatz 2. „Das habe ich aus eigener Kraft geschafft“, meinte Lanzinger, die sich schon als Jugendliche in der JU engagiert hat. „Dabei entspreche ich als berufstätige, alleinerziehende Mutter nicht dem Klischee einer CSU-Politikerin.“ Lanzinger ist gegen die Quote: „Auch Frauen haben Power und können sich durchsetzen.“ Zudem seien die Listen in der CSU nicht gesetzt, wie bei anderen Parteien. „Das ist viel demokratischer“, betont Lanzinger.

CSU in Dorfen stellt immerhin vier Kandidatinnen

In Dorfen treten vier CSU-Kandidatinnen an. Unter ihnen ist erstmals Sabine Berger. „Die Kinder sind aus dem Haus – nun habe ich die Zeit, mich politisch zu engagieren“, erklärte Berger, die sich vor allem für die Belange der Landwirte einsetzen möchte. „Ich bin sehr freundlich und offen in der CSU aufgenommen worden“, sagte sie.

Das bestätigt auch Sosa Balderanou, die jüngst von der SPD zur CSU wechselte: „Ich bin zwar in Taufkirchen auf Platz 17 – aber auch auf den hinteren Plätzen kann man in den Gemeinderat gewählt werden.“

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben haben Stadtrat und Gemeinderat?

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Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Erding, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie zudem auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Erding.

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