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Familienglück: Regelmäßig spazieren Stefan und Kati Haberl mit ihren Töchtern  Anni und Rosi zum Zwergerlgarten.

Porträt

Der junge Bürgermeister von Taufkirchen: Stefan Haberl siegt mit 56,4 Prozent

Musikant, Macher, Familienmensch  -  unser Porträt des frisch gewählten Bürgermeister von Taufkirchen. Stefan Haberl ist 36 Jahre jung und fühlt sich durch schwierige Entscheidungen in seinem Leben bestens vorbereitet auf das Amt.

Taufkirchen„Ich bin überglücklich und freue mich total über das Ergebnis, dass mir die Taufkirchener ihr Vertrauen geschenkt haben. Es ist echt der Wahnsinn.“ So freute sich der neue Bürgermeister von Taufkirchen, Stefan Haberl, am Wahlabend über die 56,39 Prozent, die er bei der Stichwahl gegen Manfred Slawny (SPD) geholt hat.

Der CSU-Politiker ist 36 Jahre jung, fünf Jahre jünger als Franz Hofstetter, als dieser die Amtsgeschäfte im Rathaus Taufkirchen übernahm. Sein Alter und seine aktuelle Lebensphase mit zwei kleinen Töchtern hatten im Vorfeld der Wahlen immer wieder für Kritik gesorgt.

„Da stehe ich drüber“, sagte Haberl gestern selbstbewusst, und die Mehrheit der Wähler, sprich 3136 von insgesamt 8184 Wahlberechtigten sahen es wohl ähnlich. Pausenlos riefen ihn die Leute am Wahlabend an, um ihm zu gratulieren. Feiern werde er erst etwas später, nachdem er ins Rathaus gefahren sei und unterschrieben habe, dass er die Wahl annehme, sagte er unserer Zeitung. Frau Kati bringe derweil die Kinder ins Bett.

Aber wer ist Stefan Haberl eigentlich? Er ist ein echter Taufkirchener, stammt aus einem Familienunternehmen. Vater Josef, ein Zimmermeister, nahm ihn als Bub gerne auf Baustellen mit, oder er ging nach der Schule in den Kramerladen seiner Tante Irmi, wo seine Mama Ilse arbeitete.

Oft besuchten die Eltern Fernsehaufzeichnungen etwa von der Super-Hitparade der Volksmusik in Unterföhring. Stefan war oft begeistert dabei und wollte als Zehnjähriger Trompete lernen, was ihm sein künftiger Schwager Stefan Jodl aus Dorfen beibrachte. „Ohne ihn wäre ich nie Musikant geworden“, sagt Haberl. Sein erster Auftritt war bei der Hochzeit seiner elf Jahre älteren Schwester Andrea beim Wirt z’Hubenstein. In der Realschule trat er der Bigband bei und fand in Bene Allgäuer nicht nur seinen Musiklehrer, sondern auch einen Mentor und Freund.

Als pausbäckiger 13-Jähriger nahm Haberl bei einem Nachwuchswettbewerb von Carolin Reiber teil, sein erster Fernsehauftritt. „Da war ich schon stolz“, die gleichaltrigen Freunde fanden es weniger cool. „Ich habe schnell g’spannt, dass es nicht so meins ist, auch wenn es sich meine Eltern gewünscht hätten.“ Sie hatten sogar schon Autogrammkarten von ihm drucken lassen. Vor hunderten von Zuschauern auf professioneller Ebene im Fernsehstudio aufzutreten, bei guten Einschaltquoten, sei eine „super Erfahrung“ gewesen.

Haberl lernte Bankkaufmann und spielte nebenbei bei der Himolla Blaskapelle und der Marktkapelle Wartenberg. „Die Kameradschaft, das Miteinander und die Gaudi“ begeisterten ihn. Aus den Wartenberger Musikanten entstand 2001 schließlich die Kapelle Ledawix, mit der er bis heute „wahnsinnig viel gespielt hat“.

Die Gagen konnte er dringend brauchen. Denn als er 19 Jahre alt war, musste sein Vater die Zimmerei aufgeben. „Ich musste meine Eltern unterstützen und bei der Abwicklung viele Entscheidung treffen. Daraus schöpft man Kraft. Ich habe keine Angst vor der kommenden Zeit.“ Ehrgeizig verfolgte er seine Karriere, machte den Sparkassen-Fach- und Betriebswirt und wechselte nach 17 Jahren den Job und wurde Kämmerer der Gemeinde Fraunberg.

Auf den Tisch hauen kann er, bestätigt seine Frau Kati. „Wenn er sich was in den Kopf setzt, packt er an und schafft es.“ Die beiden sind ein Dream-Team. Nachdem sie ihn kennengelernt hatte, machte sie ihn via Internet ausfindig und stieß dabei auf eine seiner alten Autogrammkarten. „Die habe ich gleich für 85 Cent ersteigert“, erzählt sie. 2009 trafen sie sich das erste Mal, fünf Jahre später waren sie ein Paar.

Er bezeichnet sie als seine „Wahlkampf-Managerin“. Gemeinsam haben sie seinen Imagefilm gedreht. Seine 33-jährige Frau, Diplom-Handelslehrerin an der FOS/BOS in Freising, hat auch alle CSU-Kandidaten fotografiert, mit ihm eine Website gebastelt sowie das Marketingkonzept erarbeitet. Diese Arbeit stand an, wenn ihre beiden „süßen Mäuse“ im Bett waren. „Wir ergänzen uns gut. Aus mir sprudeln die Ideen, Kati setzt diese kreativ um und erdet mich daheim.“

Der junge Familienvater betont: „Ich will mich einsetzen, Taktgeber sein, Gutes tun, für die Menschen da sein, als Bürgermeister genauso, wie ich es als Musikant getan habe.“ Den Takt daheim geben die Kinder an. Für sie will er sich seine Auszeiten nehmen, wenn es das Tagesgeschäft erlaubt.

„Ich arbeite am Ort, komme zum Mittagessen heim und bin auch nicht öfter absent als ein Schichtarbeiter, Wirt oder Manager“, meint der frisch gewählte Taufkirchener Bürgermeister.

Birgit Lang

Alle Stichwahl-Ergebnisse

in unserem  Live-Ticker.

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