Das Herz des Mehrgenerationenhauses: Die angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung mit Bürgermeister Franz Hofstetter (l.) und Caritas-Direktor Prälat Hans Lindenberger (2. v. l). Foto: Lang

10 JAHRE MEHRGENERATIONENHAUS

Leben wie in einer Großfamilie

Taufkirchen - Ein „Haus, das niemals schläft“ ist der Slogan des Mehrgenerationehauses Taufkirchen. Es bietet Betreuungsangebote für Kinder und Schüler, Beratung für Eltern, Familien und Senioren, Möglichkeiten der Begegnung und vielfältiges bürgerschaftliches Engagement. Am Sonntag feierte die Einrichtung Jubiläum.

Bei der Zehnjahresfeier am Sonntag herrschte kunterbuntes Treiben in der von der Caritas getragenen Einrichtung. Jung und Alt tummelten sich auf allen Etagen und im Garten. In einer äußerst interessanten Talkrunde wurde die Entstehungsgeschichte des Hauses nachgezeichnet. Als Moderator leitete Hans Moritz die Talkrunde. Der Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeigers kitzelte den Teilnehmer so manches Bonmot heraus. So erfuhren die vielen Besucher, darunter Ehrengäste aus Politik, Sponsoren und Kooperationspartner, dass der Anfang auf einen „pädagogischen Schwätzkreis“ im Kollegium der Mittelschule zurückgeht.

Der damalige Schulleiter Alex Bachmaier berichtete, dass in dieser Gruppe der Bedarf für mehr Betreuung und Vernetzung der vorhandenen Angebote und Fachdienste erkannt worden sei. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Prävention gewesen, fügte Lehrer Hans Hartmann an. Er habe sich schnell von seinem Ex-Chef Bachmaier, „einem Visionär“ anstecken lassen und seine Mission dem Taufkirchener Gemeinderat und Caritas-Geschäftsführerin Barbara Gaab vorgetragen.

Bürgermeister Franz Hofstetter sagte, er habe schnell erkannt, wie wichtig es sei, den Kindern Aufmerksamkeit und Zuneigung zu geben. Denn damals habe es einige Härtefälle an der Hauptschule gegeben, die ihn sehr bewegt hätten. „Jeder, egal wie stark, schwach, gesund, krank, reich oder arm, alle sollten mit ins Boot geholt werden“, erzählte Hofstetter. Auch der Gemeinderat habe schnell überzeugt werden können, wie wichtig beispielsweise Sozialarbeit an der Schule sei. Und die wurde quasi durch die Hintertüre eingeführt. Denn der damalige Schulleiter Bachmaier stellte einfach einem Sozialpädagogen ein. Das sei „der Startschuss für Schulsozialarbeit in ganz Bayern“ gewesen.

Auch Caritas-Geschäftsführerin Gaab erzählte von den Anfängen. Als sie von der Idee der Vernetzung aller Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Familie hörte, habe sie sofort beim Projekt einsteigen wollen. So viele Visionen, Träume und Begeisterung von der Gemeinde und dem Bürgermeister habe sie angesteckt.

„Der Start war sehr lustig“, erinnerte sich Sabine Hartmann, die mit der damaligen Vernetzungskraft Doris Schellner noch im alten Pfarrkindergarten den Betrieb des Kinder- und Jugendhauses aufnahm. „Es war alles sehr improvisiert und sehr kreativ. Ungewöhnliche Lösungen zu finden, das hat mich fasziniert.“ Mit dem Neubau des Kinder- und Jugendhauses übernahm die Caritas als Träger dann den Hort, zwei Kindergartengruppen, den Schülertreff, die Nachmittags- und

Generationen zusammenführen

Mittagsbetreuung, den neuen Elternbereich und ein Stück der Schulsozialarbeit. Das pädagogische Konzept von Bachmaier und Hans Hartmann wurde von Mittelschulleiter Josef Hofstetter und dem damaligen Grundschulleiter Robert Leiter weiter entwickelt.

Bürgermeister Hofstetter ging es nicht darum, eine „Vorzeigegemeinde“ zu sein, wie er betonte, sondern eine Einrichtung zu schaffen, in der alle Generationen zusammengeführt werden. „Das hat früher die Großfamilie geleistet. Heute brauchen wir einen Dreh- und Angelpunkt“ mit Angeboten, um alle zusammenzuführen“.

Unter Schellners Nachfolgerin, Maria Irl, die 2008 die Leitung übernahm, wurde das Haus zum Mehrgenerationenhaus (MGH). „Für vieles gab es keine Regelfinanzierung, Wir mussten immer kreativ überlegen, wie können wir weiter machen und alles finanzieren“, erinnerte Irl. Deshalb wurden auch die Senioren ins Konzept mitaufgenommen. Zur Finanzierung trug auch der Förderverein bei, der 2011 mit Hans Bachmayer als Vorsitzenden gegründet wurde.

2012 kamen das zweite Aktionsprogramm und Katharina Gaigl. Sie ist im MGH für die lokale Allianz zuständig, hat Programme für Menschen mit Demenz eingeführt und die Beratungsangebote ausgebaut. Auch Kooperationen mit der KiTa-Gruppe, dem Senioren-Service-Zentrum, der Real- und Mittelschule, der kbo-Klinik und der Krankenpflegeschule hat sie initiiert, wie sie erzählte und betonte: „Ziel ist es, viele Menschen zu erreichen.“

Wie es mit dem MGH weitergehen soll, fragte Moderator Moritz abschließend in die Runde. Alexandra Mydsok, die neue MGH-Leiterin, antwortete, dass man den tollen Rahmen mit viel Kraft und Zeit weiter pflegen und entwickeln wolle. Aktuell habe man 46 Mitarbeiter, ganz viele davon ehrenamtliche. 350 Essen werden täglich ausgegeben, 300 Kinder und Jugendliche

„Taufkirchen ist ein Leuchtturm“

gehen täglich ein und aus. Ein großes Thema sei die Inklusion, auch die Integration von Flüchtlingen und anderen Randgruppen sowie Menschen mit Handicap. Moderator Moritz dankte für die spannende Runde und schloss mit den Worten: „Wir können stolz sein, was wir im Landkreis an Betreuungseinrichtungen haben. Taufkirchen ist ein Pilot und Leuchtturm.“

Nachdem das zehnjährige Hortkind Fabian Zontini die Fürbitten gesprochen hatte, segnete Caritas-Direktor Prälat Hans Lindenberger die „wilde Ecke“, den Kletterturm und die Sand-Matsch-Ecke im Garten.

MGH-Patin Monika Gruber konnte nicht persönlich zur Feier kommen, hatte aber eine Video-Botschaft vorbereitet. Darin gab die Kabarettistin zu, dass sie als Erdingerin etwas neidisch sei, weil es dort keine so „tolle Einrichtung“ gebe. Vielleicht liege es an den „aktiveren Kommunalpolitikern und den Mitarbeitern, die hier mit so viel Charme, Eifer, Lebenskraft miteinander an einem solchen Projekt arbeiten. Für die Gesellschaft sei es unmessbar wertvoll. Weil sie zur Feier aus beruflichen Gründen nicht persönlich kommen konnte, kündigte Gruber eine „schöne Weihnachtslesung“ mit Bewirtung an. Eintrittskarten und CDs von ihr wurden und werden zugunsten des MGH verkauft

Nach dem offiziellen Teil ging es zum Rahmenprogramm über: Der Seniorenbeirat, Eltern und Ehrenamtliche kümmerten sich um die Bewirtung. Die einzelnen Fachdienste stellten sich ebenso vor, wie die Mitarbeiter, die sich und ihre Programme an Infotafeln präsentierten. Auch Führungen durch das Haus gab es.

Birgit Lang

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