Vor Gericht

Löffel-Attacke: Zwei Pflegekräfte verletzt

Das Landgericht Landshut hat die Unterbringung eines nigerianischen Asylbewerbers in einer geschlossenen Psychiatrie angeordnet. Der Mann hat im Isar-Amper-Klinikum zwei Pflegekräfte angegriffen.

Von Walter Schöttl

Taufkirchen/Landshut – Der 38-jährige Asylbewerber war 2016 nach Deutschland gekommen und in der Unterkunft in Oberding untergebracht worden. Der Vater von zwei Kindern, sagte, dass er aus finanziellen Gründen seine Heimat verlassen habe. In Libyen, so berichtete er, sei er „gekidnappt“ und schwer geschlagen worden.

Bereits in der Unterkunft in Oberding war es mehrfach zu Konflikten mit arabischstämmigen Mitbewohnern und Körperverletzungsdelikten gekommen, wie aus dem Gutachten von Oberarzt Rainer Gerth vom Inn-Salzach-Klinikum Gabersee hervorging. Dort war der 38-Jährige vorläufig untergebracht. Im August vergangenen Jahres wurde der Mann in die akutpsychiatrische geschlossene Station des Isar-Amper-Klinikums Taufkirchen verlegt.

Dort, so Staatsanwalt Thomas Rauscher, wollte der 38-Jährige nach wenigen Tagen die Station verlassen. Mit den Füßen trat er massiv gegen die verschlossene Ausgangstür und verlangte, dass sie ihm geöffnet werde. Als das nicht geschah, habe er aus seinem Zimmer einen etwa 21 Zentimeter langen Suppenlöffel mit spitz zulaufenden Griffende geholt und versucht, damit die Tür zu öffnen.

Von einem Pfleger der Station wurde Alarm ausgelöst. Als ein Kollege aus dem Aufzug trat, ging der Nigerianer laut Anklage auf ihn los und brachte ihn zu Boden. Danach stach er mit dem Löffel auf den Pfleger ein, traf ihn am Rücken. Der Stationspfleger konnte ihn schließlich zur Seite schubsen und öffnete die Ausgangstür. Der 38-Jährige stürmte davon, traf auf seiner Flucht eine Pflegerin und stach auch auf sie sein.

Die Staatsanwaltschaft nahm zunächst an, dass der Nigerianer bei seinen Löffelattacken davon ausgegangen war, ein Messer in der Hand zu halten. Er habe ständig von oben nach unten zugestochen.

Todesängste gehabt

Der Vorwurf lautete deshalb zunächst auch auf versuchten Totschlag. Im Prozessverlauf relativierte sich das durch das rechtsmedizinische Gutachten, in dem festgestellt wurde, dass mit besagtem Löffelstiel die Haut nicht durchdrungen hätte werden können. Während der Pfleger mit leichteren Verletzungen davon kam, erlitt seine Kollegin ein großflächiges Hämatom im Bereich der linken Brusthöhle. Sie musste sich zur Verarbeitung der Geschehnisse über Monate hinweg in psychologische Behandlung begeben. Beide Opfer bestätigten vor Gericht, dass sie durchaus Todesängste durchlebt hätten.

Der Asylbewerber bestritt die Attacken, er habe den Löffel lediglich in der Hand gehalten und niemanden damit verletzt. Er sei nicht krank, deshalb habe er „nur gehen wollen.“ Gutachter Gerth berichtete, dass es immer wieder zu „Stimmungsschwankungen“ beim 38-Jährigen gekommen sei. Er habe sich mit imaginären Leuten unterhalten, Halluzinationen gehabt, sich eingebildet, mit Medikamenten vergiftet zu werden. Der Gutachter bescheinigte dem Angeklagten paranoide Schizophrenie, zur Tatzeit sei seine Einsichtsfähigkeit aufgehoben, er sei schuldunfähig gewesen. Er lege keinerlei Krankheitseinsicht an den Tag, es bestehe die Gefahr, dass er in Freiheit keine Medikamente nehme und wieder Straftaten begehe.

Die Schwurgerichtskammer folgte, wie schon Staatsanwalt Rauscher, dem Sachverständigen-Gutachten und ordnete die Unterbringung des 38-Jährigen in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung an.

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