Mit genug Kraft durch ein Sieb passieren: Diesen Kniff hat Brigitte Murla von ihrer Vorgängerin als Kreisvorsitzende, Leni Humplmaier, gelernt.
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Mit genug Kraft durch ein Sieb passieren: Diesen Kniff hat Brigitte Murla von ihrer Vorgängerin als Kreisvorsitzende, Leni Humplmaier, gelernt.

Kreisverband für Gartenbau- und Landespflege Erding

Marmelade kochen für die Landesgartenschau

Jettenstetten – Fleißig am Marmeladeeinkochen ist derzeit Brigitte Murla. Die Kreisvorsitzende und viele weitere Mitglieder der insgesamt 37 Gartenbauvereine im Landkreis werkeln bereits für die Teilnahme an der Landesgartenschau 2021 in Ingolstadt. Eigentlich war die Veranstaltung heuer geplant, wurde aber wegen Corona verschoben. Der Kreisverband für Gartenbau- und Landespflege Erding will auf der Messe Marmeladen und Aufstriche aus heimischen Wildobst darreichen. Gerade hat Murla schon Sanddorn-Gelee produziert, dann war Kornelkirschen-Marmelade dran.

In ihrem 2000 Quadratmeter großen Garten in Jettenstetten (Gemeinde Taufkirchen) hat sie ein gutes Kilo der kleinen, fast schon schwarzen Früchte gesammelt, kurz aufgekocht und sie dann durch ein Nudelsieb passiert, wie es ihr die ehemalige Kreisvorsitzende Leni Humplmaier empfohlen habe. Murla rührt so lange druckvoll mit einem Suppenlöffel, bis sich das Fruchtfleisch vom Kern entfernt.

„Die Kornelkirsche ist eine typische bayerische Pflanze. Sie blüht im März/April gelb, nicht ganz so auffallend wie die Forsythie, aber durchaus ansprechend“, erläutert die Landschaft- und Gartenbau-Expertin. Dies seien nach den Palmkätzchen eine der ersten Trachten für Insekten und damit sehr wertvoll für die Tierwelt. Auch die Amseln fressen im Herbst die reifen säuerlichen Früchte, die viel Oxalsäure beinhalten und deshalb auch nur in Maßen konsumiert werden sollten. Bei veredelten Sorten wie der Joliko gebe es zwar mehr Fruchtfleisch, sie seien aber sehr teuer. Murla bevorzugt die Wildsorte. Auch die mittlerweile über 80-jährige Humplmair habe dieses Jahr schon einige Pfund für den Kreisverband eingekocht.

Murla nimmt ganz normalen Gelierzucker, der enthält keine Konservierungsstoffe. Den mischt sie im Verhältnis 1:1 mit den Früchten, verrührt alles kalt, bis sich der Zucker aufgelöst hat, lässt alles über Nacht ziehen und köchelt es am nächsten Tag drei bis vier Minuten lang auf. Die Masse wird dann in sauber sterilisierte Gläser gefüllt, die mit Deckeln verschlossen zum Abkühlen kopfüber in die Spüle gestellt werden. Natürlich werden immer ein paar Gläser von jeder Marmelade an Freunde verschenkt.

Kornelkirschen-Marmelade sei sehr fein, schön streichfähig und säuerlich. „Ich verwende sie gerne für Weihnachtsplätzchen, als Gegengewicht zum süßen Teig.“ Die übrig gebliebene Masse mit den Kernen entsorgt Murla auf ihrem Kompost. Weil die Kerne sehr vermehrungsfreudig seien, habe sie schon einige Pflänzchen gezogen, die sie bereits an Pflanzenbörsen verteilt und Freunden geschenkt hat. Auch zur Landesgartenschau möchte sie Murla mitnehmen. „Wir wollen die Besucher davon überzeugen, dass sie auch in ihren heimischen Gärten solche Gehölze pflanzen und die Früchte verwerten“, sagt die 58-jährige Jettenstettenerin.

Die selbst gefertigten Wildobst-Marmeladen sollen im kleinen Garten des Bezirks Oberbayern bei der Landesgartenschau eine Woche lang von Ehrenamtlichen aus dem Landkreis Erding interessierten Gäste angeboten werden. Die Aktion beginnt am 5. Juli.

Probieren kann man dann neben Kornelkirsche und Sanddorn auch Eberesche, Mispel, Felsenbirne oder Marmelade aus Blutpflanze, die ihre Schwester Gabi hergestellt habe, verrät Murla. Auch Führungen und Pflanzaktionen für Kinder dürfe man anbieten. „Wenn nur ein Kind davon begeistert ist, hat es sich schon gelohnt“, sagt die stolze Oma, die ihre zwei Kinder und ihre dreijährige Enkelin auch schon fürs Garteln gewinnen konnte.

Weil viele Mitglieder schon im vergangenen Herbst Wildobst-Marmeladen und -Gelees eingekocht haben, stapeln sich die Gläser in Murlas Speisekammer. Durch Corona habe sich zwar alles verschoben, aber dafür habe man jetzt noch genügend Zeit, ein Rezeptheft zu machen, das schon längere Zeit geplant gewesen sei.

Mit Marmeladenverkostungen hat der Kreisverband schon bei den Landesgartenschauen in Rosenheim und Burghausen gute Erfahrungen gesammelt, damals noch unter Murlas Vorgängerinnen Leni Humplmair und Paula Deutscher. „In Rosenheim haben wir etwas schräge Marmelade angeboten aus Zucchini oder Indianernessel. Da gibt es total viele Möglichkeiten. Das Leben besteht nicht nur aus Erdbeermarmelade“, betont Murla.

Birgit Lang

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