„Inklusion ist mehr als die optimale Integration von Behinderten“, sagte Professor Clemens Dannenbeck (l.) beim Forum im Wasserschloss. Foto: Huber

INKLUSION in Taufkirchen

Nur das Menschsein zählt

Taufkirchen - Taufkirchen will eine soziale Mustergemeinde werden. Niemand mehr, ob behindert, krank, Senior oder Asylbewerber, soll ausgegrenzt werden. Bei einem „Forum Inklusion“ wurden jetzt erste Weichen gestellt.

Mit dem „Forum Inklusion“ geht Taufkirchen, das sich vor einem Jahr zur inklusiven Gemeinde erklärt hat, zur Praxis über. Bei einem ersten Treffen im Wasserschloss ging es auch darum, was unter Inklusion und inklusiver Arbeit zu verstehen ist. Dass Inklusion Vielfalt bedeutet und sich deswegen nicht isoliert an wenige, sondern an alle richtet, machte Katharina Gaigl vom Caritas-Mehrgenerationenhaus deutlich. Auch Clemens Dannenbeck, Professor für Soziologie und sozialwissenschaftliche Arbeitsmethoden an der Hochschule Landshut, betonte, dass es bei Inklusion nicht um die „optimale Integration von Behinderten“, sondern um die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen gehe. Die zentrale Frage sei nicht, „wie gehe ich mit Rollstuhlfahren um, sondern wie gehe ich mit Menschen um“.

Auch wenn Inklusion im Kopf beginne und eine Haltungssache sei, sei sie nicht zum Nulltarif zu erhalten. „Wenn Politiker sagen, Inklusion ist eine Haltungssache, dann bitte vorsichtig sein, wenn Praktiker sagen, Inklusion ist eine Ressourcensache, dann auch Vorsicht. Wichtig ist, dass beide Seiten gesehen werden, aber nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagte der Wissenschaftler. Dabei gehe es nicht so sehr darum, vorurteilsfrei zu sein, „sondern das Wichtige ist, darüber nachzudenken, zu reflektieren, welche Wahrnehmungsmuster liegen dem eigenen Handeln zugrunde“. Dannenbeck machte auch klar, dass Inklusion immer prozesshaft ist. Begeistert sei er davon, was in Taufkirchen schon vorhanden ist.

Auf Taufkirchens Ist-Zustand ging Gemeinderätin Anneliese Mayer ein. „Viel ist schon geschehen, viel ist noch zu tun“, sagte sie. So gebe es unter anderem bereits Integrationsgruppen in Kitas und Schulen, die Barrierefreiheit sei in zahlreichen öffentlichen Gebäuden umgesetzt.

Rund 80 Bürger erarbeiteten anschließend in den Handlungsfeldern Arbeitswelt, Bauen und Wohnen, Bildung und Erziehung, Gesundheit und Soziales, Kultur, Öffentliches Leben sowie Vereine, Freizeit und Sport erste konkrete Vorschläge. Diese sollen in einer Lenkungsgruppe am 21. November weiterentwickelt werden.

Als nächster Schritt ist die Vorlage im Gemeinderat geplant. „Kurzes Papier, aber g’scheite Umsetzung“, hatte Bürgermeister Franz Hofstetter als Motto für die inklusive Arbeit in der Gemeinde ausgegeben. Inklusion sei eine Sache, „die uns allen nur gut tun kann“.

Anne Huber

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