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Fachgespräche im Kuhstall: Korbinian Empl und Jakob Maier (v. l.) diskutierten im Stall in Emling mit Betroffenen ü ber die Diskrepanz zwischen Milch- und Butterpreisen. 

Milcherzeuger im Landkreis 

Teure Butter bringt Bauern nicht mehr Geld

Im Kühlregal kosten 250 Gramm Butter derzeit bis zu 2,20 Euro. Der Verbraucher muss dafür tiefer in die Tasche greifen. Doch die Milchbauern profitieren davon kein bisschen, sagt BBV-Kreisobmann Jakob Maier.

Emling – „Die Butterpreise haben ein historisches Hoch erreicht“, sagt Jakob Maier. Zuletzt seien sie 1986 in etwa so gut gewesen. Aber die Milchpreise ziehen nicht nach. Um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen und die Öffentlichkeit auf diese Diskrepanz aufmerksam zu machen, luden der BBV-Kreisobmann aus Niederding und der Taufkirchener Ortsobmann Korbinian Empl vom Bayerischen Bauernverband zu einem Informationsgespräch auf dessen Hof in Emling bei Taufkirchen ein.

Der Einladung gefolgt waren Kreisbäuerin Irmgard Posch, Maiers Stellvertreter Michael Hamburger, einige Ortsobmänner, Nachbarn und Mitglieder der Liefergemeinschaft, nicht aber die Vertreter der Molkerei Meggle und der kurzfristig eingeladenen Molkerei Jäger, mit denen sie das Gespräch suchen wollten.

Das Anliegen der Milchbauer sei, „wieder mal ein bisschen Geld verdienen“ zu können. „Wir haben zwei schwere Jahre hinter uns“, sagte Maier. Die Butterpreise seien jetzt zwar höher, aber die Lieferanten seien die Letzten, die davon profitieren. „Wir brauchen das Geld. Viele müssen Schulden zurückzahlen und Investitionen tätigen.“ Es könne nicht sein, dass im Handel so viel Geld gemacht werde und bei den Bauern als Rohstofflieferanten nichts ankomme.

Milchpreis: zwischen 33,5 und 34 Cent

Korbinian Empl erläuterte die Problematik näher. „Wir haben aktuell in unserer Gegend Preise zwischen 33,5 und 34 Cent, egal von welcher Molkerei. Das ist nicht ganz schlecht.“ Aber im Vergleich dazu, was die Butter im Regal kostet – zwischen 1,80 und 2,20 Euro für 250 Gramm – stimme es hinten und vorne nicht. Genau vor einem Jahr sei der Milchpreis bei 25 Cent gelegen. Damals habe die Butter nur 69 bis 99 Cent gekostet.

Auch die aktuellen Rohstoffpreise zeichnen ein ähnliches Bild. Die Milchvermarktungsorganisation Bayern MeG bezahle derzeit 5,55 Euro pro Kilo Butter. 2016 seien es 2,25 Euro gewesen. Beim Vollmilchpulver liege der Preis bei 3150 Euro pro Tonne, im Vorjahr waren es 1928 Euro. Und der Käsepreis sei von rund 2 auf 3,20 Euro pro Kilo gestiegen.

Die Molkerei Meggle begründe das Missverhältnis mit längerfristigen Kontrakten, die sie mit dem Handel abgeschlossen hätte. Sie könnten die guten Preise aktuell noch nicht weitergeben, im Laufe des Jahres solle es aber besser werden, teilten sie Empl mit. „Da stelle ich mir die Frage, wo die Differenz zwischen unserem Preis und dem Preis im Regal hinkommt. Irgendjemand muss da gut verdienen. Wir sind es auf alle Fälle nicht.“ Ob es der Handel, die Molkereien oder gar die Industrie sei, wisse er nicht. Denn 50 bis 60 Prozent gingen in die Industrie, in Backwaren und Ähnliches, die nicht über den Lebensmitteleinzelhandel laufen.

Nachholbedarf nach „zwei Hungerjahren“

Der Emlinger Landwirt betonte, dass die Milcherzeuger weiterhin mit den Molkereien gut zusammenarbeiten wollen und lud zur Diskussion ein.

„Unsere Landwirte brauchen dringend höhere Milchpreise, denn sie haben enorme Investitionen zu tätigen in Bezug auf das Tierwohl, das nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch bei uns Landwirten an vorderster Stelle steht“, sagte Fritz Gruber aus Wörth. Auch der Handel sei an den niedrigen Milchpreisen schuld, meinte er. Empl betonte ebenfalls, dass man nach „zwei Hungerjahren einen enormen Nachholbedarf“ habe, weil viel zurückgestellt worden sei: „Mit dem Preis können wir zwar leben, aber uns nicht entwickeln.“

Michael Hamburger aus Buch am Buchrain erklärte, 70 Prozent der in Bayern produzierten Milch werde ohne Gentechnik erzeugt. „Das machen wir gern.“ Auch der Verbraucher fordere das, aber es koste mehr, wenn man genfreies Soja verfüttere. Tierwohl, Fütterung und ständig neue Anforderungen und Standards von Gesellschaft und Gesetzgeber hätten ihren Preis, hakte auch Maier ein. Das nehme aber keiner zur Kenntnis.

Der Isener Zeno Stangl kritisierte, dass es sich die Molkereien und der Handel einfach machen und sich immer auf die bestehenden Kontrakte beziehen würden. „Aber wir können nicht die Prügelknaben von diesem System sein.“ Die Milchbauern sollten die Zeche dafür zahlen, dass die Molkereien die verkehrten Verträge aushandelten. Maier brachte es schließlich auf den Punkt: „Wenn wir von der Tierhaltung nicht mehr leben können“, werde es auf Dauer die kleinbäuerliche Agrarstruktur nicht mehr geben.

Birgit Lang

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