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Märchenhaft: Marile Götz, Organisatorin der Mundwerkerwalz, vor ihrem Holzhaus in Taufkirchen.

Erzähl- und Familienfest im Weidenhain

Mundwerker auf der Walz

Eigentlich hatte sich Marile Götz schon zurückgezogen. Aber die Initiatoren des OASE-Lebenskreises, des Naturkindergartens und vieler Veranstaltungen kann es nicht lassen. Ihre neue Idee hilft allen Generationen beim Entschleunigen.

Taufkirchen „A do schau her!“ heißt es von 22. bis 29. Juli in Taufkirchen und Umgebung, wenn Marile Götz zum ersten großen Erzähl- und Familienfest einlädt. Es ist eine so genannte Mundwerkerwalz, die es schon andernorts gibt und die die passionierte Märchenerzählerin Götz sofort begeisterte, als sie davon hörte. „Ich wollte immer schon auf die Walz gehen und erzähle gerne Geschichten“, erzählt sie.

Die Hauptrolle bei dieser Veranstaltung spielen fahrende Mundwerker, also professionelle Geschichtenerzähler, die in den Sommermonaten auf die Walz gehen, so wie es heute noch einige Handwerker tun. Mit ihren Eseln ziehen sie durchs Land, um Geschichten zu erzählen, aber auch um neue Geschichten und Sagen der Dörfer zu sammeln und diese weiterzugeben.

Die Mundwerker, die der OASE-Verein eingeladen hat, sind Erzähler der Goldmund-Erzählakademie. Mit einem Startfest geht es am Samstag, 22. Juli, um 15 Uhr im Weidenhain Taufkirchen los. Marile Götz und Norbert Kober, Doktor in Erzählkunst, Gründer und Vorsitzender der Goldmund-Erzählakademie aus Österreich, begrüßen die Gäste. Es gibt Getränke und Kuchen vom Moosener Bauernmarkt sowie vom Talente-Tauschring. Danach verrät Kober, was es heißt, auf der Walz zu sein. Um 16 Uhr ruft er aus „Jetzt pack mas! Die Walz mit den beiden Eseln beginnt!“. Dann ziehen die Mundwerker mit ihren Packtieren los, und die Anwesenden begleiten sie mit Musik und Gesang fröhlich zum Weidenhain hinaus.

Der ehemalige Dorfener Kunstlehrer Anton Empl geht mit der Ziach voraus. Jeder kann soweit mitwandern, wie er mag, mit oder ohne Radl, erklärt Götz. „Wir sind maximal vier Stundenkilometer schnell.“ In den kommenden Tagen besuchen die Mundwerker dann verschiedene Einrichtungen in und um Taufkirchen. Am Samstag werden sie bis Unterhofkirchen zum Alten Pfarrhof wandern und bei schönem Wetter um 20 Uhr die Hofkirchener zum Erzählabend mit Lagerfeuer einladen. Zum Moosener Bauernmarkt führt sie ihr Weg am Sonntag, 23. Juli. Hier wollen sie die Leute ab 15 Uhr mit ihren Geschichten unterhalten.

Weitere Möglichkeiten für die Öffentlichkeit, den Mundwerkern zu lauschen, bestehen am Donnerstag, 27. Juli, um 12.30 Uhr im Tagwerkladen in Dorfen – dafür hat Götz sogar ein eigenes Tagwerk-Märchen erfunden. Am Freitag, 28. Juli, um 15.30 Uhr besuchen die Mundwerker das Seniorenheim Taufkirchen und am Samstag, 29. Juli, um 9 Uhr Sovie’s Wohnen im Wasserschloss.

Zudem werden die Geschichtenerzähler in der Grundschule und im Kindergarten in Moosen am Montag, 24. Juli, um 9 beziehungsweise 11 Uhr vorbeischauen. Der OASE-Naturkindergarten und das Mehrgenerationenhaus Taufkirchen stehen am Dienstag, 25. Juli, um 9 beziehungsweise 12 Uhr auf dem Plan und die Grundschule in Taufkirchen am Mittwoch, 26. Juli, um 11 Uhr. Das Ende der Walz wird am Samstag, 29. Juli, um 15 Uhr mit der Rückkehr im Weidenhain gefeiert.

Schon vorher können sich hier Interessierte oder Familien ab 13 Uhr zum Picknick einfinden. „Alles, was man dafür braucht, bitte selber mitbringen“, empfiehlt Götz. Der Moosener Bauernmarkt bietet Brotzeiten, Getränke, Kaffee und Kuchen an. Susanne Kronstein sorgt für Drehorgelmusik, und es gibt Spielstationen. Märchen für Kinder sind ab 13 Uhr geplant. Die Mundwerker werden um 15.30 Uhr eine Geschichte erzählen. Danach, um 16 Uhr, führt Kronstein ihr Erzähltheater „Kamishibai“ auf. Es folgen um 17 Uhr ein weiteres Märchen, um 18 Uhr eine Gute-Nacht-Geschichte, und um 19 Uhr ist das Familien-Picknick beendet. Ab 20 Uhr erzählen die Mundwerker und andere Erzähler am Lagerfeuer Geschichten für Erwachsene – bei schlechtem Wetter im Wasserschloss. Der Eintritt ist frei, der Hut wandert für Spenden herum.

In Österreich werde diese Kunst sogar gefördert, verrät Götz. Unterkunft und Essen zahle normal auch in Deutschland der Staat. „Wir waren aber zu spät dran mit den Fördergeldern“, bedauert sie. Also hat Götz andere Möglichkeiten gefunden, wo die Mundwerker schlafen können, unter anderem im Hofkirchener Pfarrhof, im Vereinsheim des SC Moosen sowie im Bauwagen und in der Waldhütte in Teufelsöd.

Birgit Lang

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