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Neue Friedhofssatzung

Sterben wird deutlich teurer

Taufkirchen - Nur der Tod ist umsonst, aber der kostet das Leben, lautet ein alter Spruch. Aber ganz so einfach ist es nicht, denn das Sterben wird immer teurer und auch die ewige Ruhe ist nicht kostenlos. Richtig teuer ist aber Unterhalt eines Friedhofs - so wie in Taufkirchen.

Der gemeindliche Friedhof verursacht alle Jahre ein Minus. Das soll jetzt anders werden. „Über- und Unterdeckungen dürfen nicht mehr ausgewiesen werden“, und zwar laut dem Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes (BKPV), erklärte dessen Mitarbeiter Dieter Meixner dem Gemeinderat.

Der Kostendeckungsgrad in Taufkirchen lag in den Jahren 2009 bis 2012 bei rund 54 Prozent, also viel zu wenig. „Das bedeutet: Eine Gebührenerhöhung ist nötig“, erklärte der Prüfer. Scheinbar sei bis dato keine Kalkulation nach den Angaben der BKPV durchgeführt worden. „Ich will nicht sagen, dass die Gebührenstruktur ausgewürfelt wurde“, aber anscheinend sei nur pauschal erhöht und die Gebühren nur bei Kostenunterdeckung angepasst worden.

Wie komplex eine richtige Kalkulation ist, führte er dem Gremium vor Augen. Da gibt es Grab- und Bestattungsgebühren, sonstige Gebühren, verschiedene Grabmodelle von der Gruft bis zum Familiengrab 3. Ordnung, verschiedene Kostenermittlungsarten sowie Hauptkosten- und Nebenkostenstellen.

Die am wenigsten erfreuliche Berechnung sei die der Gebühren für die Leichenhalle. Dabei müssten die Gesamtkosten, also über 20 000 Euro, durch die Anzahl der jährlichen Nutzung geteilt werden. Noch schlimmer sei es bei der Aussegnungshalle, die analog zu berechnen sei. Hier lägen die Kosten bei über 33 000 Euro, bei 45 Nutzungen.

„Es sind keine exorbitanten Kosten, aber die Zahlen würden freundlicher ausschauen, wenn die Zahl unter dem Strich höher wäre“, formulierte es Meixner höflich. „Wir könnten Werbung machen“, meinte er, denn, „die Zahl der Bestattungsfälle zu erhöhen, kann nicht unser Wunsch sein“. Auch die Friedhofsgebühren würden sich nach dieser Divisionskalkulation berechnen. Im Fall Taufkirchen wäre dies rund 41 000 Euro durch 939 Gräber.

Wesentlich schwieriger stellt sich darüber hinaus die Äquivalenzziffernmethode dar, nach der beispielsweise die Grabgebühren zu berechnen sind. Hier seien Faktoren wie Grabgröße, Anzahl der Grabstellen, Lage, Ausstattung sowie Bemessungseinheiten, etwa Fallzahlen, durchschnittliche Nutzungsdauer oder das erworbene Nutzungsrecht mit einzubeziehen.

Meixner hatte all diese Berechnungen durchgeführt und kam zu folgenden Ergebnis. Für die Benutzung des Leichenhauses wurden bis dato 154 Euro von der Gemeinde in Rechnung gestellt, richtig wären aber 542,18 Euro. Noch höher beläuft sich der Betrag bei der Aussegnungshalle: Für deren Nutzung wurden bislang 77 Euro verlangt, korrekt wären aber 744,75 Euro gewesen. „Meine Damen und Herren, das ist das Ergebnis der Mathematik“, meinte der Prüfer und fügte an: „Sogar dem Verband ist klar, dass man solche Gebühren nicht erheben kann.“ Denn damit würde die Nutzung sofort gegen Null gehen. Bei der Festsetzung der Gebühren müssten deshalb sowohl wirtschaftliche, als auch soziale und politische Gründe berücksichtigt werden. „Der Prüfungsverband sieht das ein.“ Die Kostendeckung sollte aber dennoch nicht weniger als 80 bis 90 Prozent betragen.

Er spielte die korrigierten Gebührensätze durch. Die Friedhofspflegegebühr von bisher 24 Euro würde sich zwar fast verdoppeln, schlage aber mit 42,20 Euro nicht aus dem Rahmen. Moderat fielen auch die Erhöhungen beziehungsweise die Reduzierung für die Grabgebühren aus. Lediglich bei Urnen-, Urnengrabwand und Gruft steigen die künftigen Gebühren erheblicher. Die Gemeinde könne ihre Gebühren mit diesem Wissen nun neu kalkulieren, sagte Meixner, gab allerdings zu bedenken: „Wenn eine Gebühr gesenkt wird, steigt automatisch der Rest, weil die Kosten gedeckt werden sollen“.

Verwaltungsleiter Konrad Karbaumer stellte die Vorschläge der Gemeinde vor, wobei die Sozialverträglichkeit nicht außer Acht gelassen würde. So wurden die Nutzungsgebühren für die Bestattungshalle auf nur 128 Euro angehoben und die der Aussegnungshalle auf 150 Euro. „Wir weichen ein bisserl ab, weil gestern nochmal alles aktualisiert wurde“, erklärte Karbaumer zu den einzelnen Gebühren.

Wäre es rechtlich möglich, die hohen Ausgaben für Leichen- und Aussegnungshalle auf die Grabgebühren umzulegen, um die Differenz auszugleichen, fragte SPD-Rat Manfred Slawny. „Das wäre eine Verletzung des Äquivalenzprinzips“, antwortete Meixner. Würde es „gerichtsanhängig, hätten sie schon verloren“.

„80 Prozent werden es nicht ganz werden“, schätzte Meixner den neuen Deckungsgrad. Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) stellte klar: „Wir werden nie auf 100 Prozent kommen.“ Der Kostenunterschied zwischen einem kommunalen und einem kirchlichen Friedhof, der durch viel Ehrenamt unterstützt werde, sei dem Bürger nur schwer klar zu machen, sagte der Gemeindechef. „Aber es ist eine gute Grundlage, dass wir wissen, wo wir stehen“, meinte er. Das Gremium beschloss schließlich die neue Gebührensatzung einstimmig.

Birgit Lang

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