Die Räume im Wasserschloss Taufkirchen sind schon reserviert. Die Schule hätte im Herbst eröffnen können. 

Bescheid der Regierung von Oberbayern

Neues Nein zur Montessori-Schule

Die Regierung von Oberbayern bremst die Montessori-Schule in Taufkirchen erneut aus. Die Behörde kritisiert, dass die neue Schule „hinter den öffentlichen Schulen zurückbleiben könnte“. Vor allem der wöchentliche Wildnis-Tag wird als Problem gesehen.

von Tobias Fischbeck

Taufkirchen – Es ist ein weiterer Schlag ins Gesicht für die Verantwortlichen des Taufkirchener Montessori Vereins. Die zuständige Regierung von Oberbayern hat per Bescheid die geplante Montessori-Schule abgelehnt. Dabei sollte schon im Herbst der Grundschulbetrieb aufgenommen werden. Die Verantwortlichen waren zuletzt recht optimistisch (wir berichteten). Geplant war eine einzügige Schule von der ersten bis zur vierten Jahrgangsstufe. An vier Tagen sollte in Räumen des Taufkirchener Wasserschlosses gepaukt werden. An einem Tag pro Woche sollte es in den Wald nach Teufelsöd gehen, wo jetzt schon der Oase Naturkindergarten daheim ist.

Aus alldem wird nun erst einmal nichts. Und das auch, obwohl sich die Gemeinde immer wieder für das Projekt ausgesprochen hatte und dafür auch Räume im Schloss reserviert hat. Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter stehe dem Projekt aufgeschlossen gegenüber, erklärt er auf Nachfrage. Grundsätzlich fände er es gut, wenn die Gemeinde eine Schul-Alternative zur Verfügung hätte. Nun will er das Gespräch mit dem Verein suchen, um zu besprechen, wie das Problem gelöst werden kann.

Die Gründe der Ablehnung erläutert Martin Nell, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, auf Nachfrage. Schon 2016 sei der Antrag abgelehnt worden, weil das „besondere pädagogische Interesse als wichtigste Voraussetzung für die Gründung einer Privatschule nicht anerkannt werden konnte“, erklärt Nell. Die Regierung habe dem Verein mehrfach die Möglichkeit gegeben, das pädagogische Konzept zu ändern und dabei ausführlich erläutert, welche Punkte unstimmig oder ungeklärt seien. „Die vorgelegten Nachbesserungen konnten die konzeptionellen Mängel allerdings nicht ausräumen, sodass wir zum Schuljahr 2017/18 erneut keine Genehmigung erteilen konnten“, sagt der Pressesprecher. Die Regierung müsse davon ausgehen, „dass die Ersatzschule in ihren Lehrzielen hinter den öffentlichen Schulen zurückbleiben könnte“.

Die Behörde kritisiert am Konzept insbesondere den Schwerpunkt Wildnis-Pädagogik und beharrt dabei auf Paragraph 92, Absatz 3 des Gesetzes über Erziehungs- und Unterrichtswesen. Es mangle an einer sinnvollen Verknüpfung des Montessori-Lehrplans mit diesem Schwerpunkt, sagt Nell. „Ferner soll der Unterricht am Wildnis-Tag laut Konzept nicht von Lehrkräften durchgeführt werden, sondern von nicht pädagogisch ausgebildeten Zweitkräften“, so die Stellungnahme.

Im Detail kritisiert die Regierung, dass im Wald „kurzfristig auf Wetterumschwünge oder Notfälle“ nicht reagiert werden könne. Der Montessori-Verein hält dem entgegen, dass dort auch Kindergartenkinder bei Wind und Wetter im Freien sind. Als Ausweichmöglichkeit habe der Verein ohnehin das Schloss angegeben.

Des weiteren heißt es vom Bezirk, dass zwischen den Unterrichtsräumen im Schloss und dem Wald bei Teufelsöd dreieinhalb Kilometer lägen und die Schüler diesen Weg nicht zurücklegen könnten. Die Schüler würden „einen großen Teil des Schultages mit Fußmärschen verbringen, wodurch sich die eigentliche Unterrichtszeit vor Ort stark reduzieren würde“. Dabei würden auch die Mädchen und Buben des Naturkindergartens von den Eltern mit dem Auto dort hin gebracht, entgegnet der Montessori-Verein. Auch für die Schüler sei dies vorgesehen.

Verein erwägt Klage

Die Entscheidung sei in weiten Teilen völlig unverständlich, kritisiert die Vorsitzende des Montessori-Vereins, Cornelia Lenz. Der Verein erwäge, gegen den Bescheid zu klagen. „Wir haben das Gefühl, dass es hier tatsächlich am politischen Willen fehlt, die Entstehung einer alternativen Schule zuzulassen“, so Lenz. Dabei könne eine zusätzliche Schule im Gemeindebereich für Entlastung der angespannten Lage sorgen. Von einer Konkurrenz könne keine Rede sein.

Der Verein habe alle Vorkehrungen mit Lehrern und Pädagogen sowie durch Nutzungsverträge getroffen. Dazu gebe es ein vollständiges und solides Finanzierungskonzept für die ersten neun Jahre. Knackpunkt einer Klage sind auch die Kosten dafür, weshalb der Verein auf Spenden angewiesen sei.

Informationen zum Projekt auf www.montessori-wildnis.de.

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