Vor Gericht

Paranoider Sextäter muss in die Psychiatrie

Taufkirchen/Landshut - Ein paranoider Schlosserhelfer muss in die geschlossene Psychiatrie. Der 47-Jährige hat im Isar-Amper-Klinikum zwei Mitpatientinnen sexuell missbraucht.

Bei seinen insgesamt 15 Aufenthalten im Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen hat der Erdinger immer wieder mit seiner „Potenz“ kokettiert. Im Januar und April vergangenen Jahres missbrauchte er dann zwei widerstandsunfähige Mitpatientinnen. Die 1. Strafkammer beim Landgericht Landshut stuft den Mann als Gefahr für die Allgemeinheit ein.

Der 47-Jährige war ab seinem dritten Lebensjahr bei Pflegeeltern aufgewachsen, weil ihn seine leibliche Mutter angeblich in der Badewanne ertränken wollte. Eine Lehre zum Heizungsbauer habe er abgebrochen und später als Schlosserhelfer gearbeitet. Wegen eines Bandscheibenschadens sei er dann arbeitslos geworden und habe seit 1995 keinen Job mehr gehabt. Wegen seiner psychischen Probleme –Gutachten bescheinigten ihm eine paranoide Schizophrenie – habe er zuletzt unter Betreuung gestanden und in einer Wohngemeinschaft in Erding gelebt.

Seit seinem 16. Lebensjahr, so berichtete er, habe er auch dem Alkohol zugesprochen, sich im Laufe der Jahre zum „Kampftrinker“ entwickelt. Immer wieder habe er Stimmen gehört: „Ich habe gemeint vom Teufel.“ Danach habe er sich immer wieder freiwillig in die Psychiatrie begeben. Dort, so die von Staatsanwältin Anna Holzer im Sicherungsverfahren vor der 1. Strafkammer vertretenen Antragsschrift, habe er sich am 31. Januar 2016 in das Zimmer einer demenzkranken und wehrlosen Mitbewohnerin begeben, sie auf den Mund geküsst und im Intimbereich geleckt. Zu einem weiteren sexuellen Übergriff kam es dann am 6. April. Diesmal drang der 47-Jährige in das Badezimmer einer Mitpatientin, die sich dort mit nacktem Oberkörper aufhielt, ein. Dem Opfer gelang es zunächst, ihn aus dem Badezimmer zu schieben und die Tür zu versperren. Die aber öffnete der Schlosserhelfer wieder, forderte dann erneut Sex und fasste der Mitpatientin von hinten mit beiden Händen an die entblößten Brüste.

Die Antragsschrift warf dem 47-Jährigen – inzwischen bereits vorläufig untergebracht – vor, er habe sich über die Ablehnung seiner Sex-Opfer rücksichtslos hinweggesetzt, sie zum bloßen Sexualobjekt degradiert. Allerdings sei er wegen seiner paranoiden Schizophrenie nicht in der Lage gewesen, das Unrecht der Taten einzusehen.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Stefan Gerl, Chefarzt der forensischen Psychiatrie des Klinikums Wasserburg, wo der 47-Jährige inzwischen untergebracht ist, bestätigte, dass der Schlosserhelfer an die 15 Mal bereits wegen Psychosen in Behandlung gewesen sei. Er habe unter Verfolgungswahn gelitten und Stimmen gehört. Seit dem ersten Klinikaufenthalt habe der Angeklagte sexuelle Enthemmungen gegenüber weiblichen Mitpatienten und Pflegepersonal an den Tag gelegt, sich distanzlos sexistisch gegeben. Bei den Taten sei er wegen seiner Paranoia schuldunfähig gewesen, die Voraussetzung für eine Unterbringung lägen vor. „Auf freiem Fuß ist er nach wie vor eine Gefahr für alle Frauen zwischen 14 und 90, sogar Vergewaltigungen sind nicht ausgeschlossen.“

Die Strafkammer ordnete, wie von Staatsanwältin Holzer beantragt, die Unterbringung des 47-Jährigen an. Die Kammer sei zur Überzeugung gelangt, so Vorsitzender Richter Markus Kring, dass die Taten Folgen seiner psychischen Erkrankung seien, die mit sexueller Enthemmung einher gehe. Deshalb seien in unbehandeltem Zustand weiterhin gleichgeartete Taten zu erwarten.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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