Unruhestand: Von den Lehrerkollegen bekamen Petra und Frank Kuroschinski eine Bully-Tour durch München spendiert.
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Unruhestand: Von den Lehrerkollegen bekamen Petra und Frank Kuroschinski eine Bully-Tour durch München spendiert.

Petra und Frank Kuroschinski

Ein Ehepaar, zwei Vorzeige-Pädagogen

Sie sind zwei Vollblut-Pädagogen und haben gemeinsam fast 80 Jahre Schuldienst auf dem Rücken.

Taufkirchen – Beide haben sich mit Leidenschaft und Offenheit für ihre Ziele und Neuerungen eingesetzt. Jetzt sind Petra und Frank Kuroschinski in Ruhestand gegangen.

War es die richtige Entscheidung, Lehrer zu werden? „Unbedingt“, sagen sie. „Wir blicken gerne zurück und möchten nichts missen.“ Nur die letzten Monate hätten sie sich etwas Anderes gewünscht. Aber coronabedingt waren erstmals viele schulorganisatorische Aufgaben zu regeln und Schulkonzerte, Feierlichkeiten sowie Abschiede nicht oder nur im kleinen Rahmen möglich.

Beide haben sich als Pädagogen einen guten Ruf in ihren Fachgebieten erworben. Mit viel Herzblut, Einfühlungsvermögen und Struktur, sogar in Homeschooling-Zeiten haben sie ihren Beruf mit Leben und Ideen erfüllt. Dafür wurden sie von Schülern, Eltern und dem Kollegium sehr geschätzt. „Frank war immer der Mann mit den Checklisten“, scherzt Petra Kuroschinski. Er kontert: „Das war praktisch und hat die Arbeit erleichtert.“

Verabschiedet wurde sie von ihren Kollegen singend als „Teaching Queen“, von ihren Schülern unter anderem mit einer Überlebenskiste mit Desinfektionsmittel, und von ihrem Ex-Schüler, Taufkirchens Bürgermeister Stefan Haberl, mit einem Blumenstrauß.

Bei Frank Kuroschinski ging es etwas hochkarätiger zu. Abgesandte des Kultusministeriums, der Regierung von Oberbayern, der Gemeinde sowie des Sehbehinderten- und Blindenzentrum Südbayern Unterschleißheim würdigten ihn, den mehrfach ausgezeichneten Sonderpädagogen, seit 1996 Schulleiter der Realschule im SBZ, als Kämpfer für die Sache, der mit großem Herz, überraschenden Ideen, erfrischendem Esprit, Charisma und Humor nicht nur seine Schüler zu motivieren verstand.

Petra Kuroschinski war 37 Jahre lang als Englisch- und Sportlehrerin an der Realschule Taufkirchen tätig. Sie engagierte sich für die Städtepartnerschaft mit West Chicago, organisierte Gruppenbesuche und leitete einen Schüleraustausch in die Wege. Auch als Mitglied des Columbus Achters hat die 62-Jährige fast von Anfang an jahrzehntelang aktiv an der Entwicklung der Gemeinde mitgewirkt. Wobei sie hier nicht nur schulische Belange vertrat, sondern auch die Umsetzung anonymer Gräber am Taufkirchener Friedhof durchsetzte.

Ihr 66-jähriger Mann gilt als Wegbereiter der Inklusion. Viele Einheimische kennen ihn eher als Volleyball- und Tennisspieler, Mitbegründer und Übungsleiter der Herzsportgruppe des TSV Taufkirchen sowie als Sänger und Gitarrist der Band Vintage. Dass Frank Kuroschinski eine so einmalige Berufskarriere hinlegen konnte, hat er auch seiner Frau zu verdanken, die ihm immer den Rücken freihielt.

Mitte der 1980er-Jahre, als beide ihr Lehramtsstudium an der Uni in Augsburg beendet hatten, zeichneten sich diese Erfolge noch nicht ab. Denn Lehrer-Stellen waren rar gesät. Deshalb nahm Petra Kuroschinski 1984 die Planstelle an der Realschule Taufkirchen sofort an und zog mit ihrem Mann in die Vilsgemeinde. Für ihn als Gymnasiallehrer für Sport und Deutsch sah es noch schlechter aus. Also griff der damals 30-Jährige zu, als er 1984 das Angebot erhielt, an der Edith-Stein-Realschule des SBZ den Bereich Sport und Bewegungsförderung aufzubauen. Damit ergaben sich für ihn ungeahnte Möglichkeiten, etwas zu bewegen und fortzuentwickeln, was für ihn schon immer Triebfeder war. Für die Übernahme ins Beamtenverhältnis absolvierte er 1987 noch ein einjähriges Zusatzstudium für Lehramt an Sonderschulen in der Fachrichtung Sehbehindertenpädagogik.

Zum Abschied erhielt Petra Kuroschinski von ihren Schülerinnen ein Stofftier geschenkt.

Seine Frau „ernährte“ in dieser Zeit mit ihrem Lehrer-Gehalt die Familie und kümmerte sich um die Kinder Timo (heute 33) und Linda (heute 29). Sie ließ ihm auch die Freiheit, sich beruflich reinzuhängen. Er hatte viele Abendtermine und war oft tagelang bei Meisterschaften unterwegs. Für ihn bedeutete es eine 60-Stunden-Woche und rund 860 000 Kilometer, die er in seinen 36 Dienstjahren gefahren war.

Die Liste seiner Tätigkeiten und Innovationen ist lang; vor allem Frank Kuroschinskis Inklusionsideen erhielten viel Anerkennung. „Wir haben den Inklusionsgedanken anders herum praktiziert und auch normal sehende Schüler mit einem anderen Förderbedarf in unserer Schule aufgenommen. So lernen sie Verständnis für das Handicap des anderen, zugleich werden Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler gestärkt“, erzählt er.

28 Lehrer und zahlreiche Fachdienste betreuen die SBZ-Realschüler in acht Klassen mit maximal 13 Schülern. Dadurch sei eine individuelle Förderung viel intensiver und auch das Interesse von Regelschülern entsprechend groß, dort unterrichtet zu werden. Vor allem in seinem Fachbereich Sport hat er zahlreiche Angebote aufgebaut, um die motorische Entwicklung der Schüler vielfältig zu fördern. Wichtig war dem Pädagogen, dass jeder Schüler mindestens vier Stunden Sport in der Woche hat. So führte er in allen Jahrgangsstufen zusätzlich zwei Stunden differenzierten Sportunterricht ein, abgestimmt und adaptiert auf die Möglichkeiten seiner sehgeschädigten Schüler. Neben psycho-motorischen Förderangeboten konnten sie unter anderem aus Ballsportarten, Rhönradturnen, Klettern, Tauchen und Rudern wählen.

Auch außerschulisch förderte Frank Kuroschinski die Entwicklung seiner Schüler durch Sport. Er gründete 1986 beim SV Lohhof eine Rehasportabteilung, wo er bis 2019 Leiter und erfolgreicher Trainer der Leistungsgruppe Schwimmen war. „Wir nahmen mit unseren sehgeschädigten Jugendlichen an vielen internationalen Schwimmmeisterschaften und sogar an der Weltmeisterschaft in Nottingham/England und in Miami/USA erfolgreich teil“, erinnert er sich gerne an die Zeit.

Inklusion sei Teilhabe an der Gesellschaft auf vielfältigen Wegen, erzählt er. So sei man auch viele Inklusions-Kooperationen eingegangen, etwa mit der FOS Unterschleißheim, ein zukunftsweisende Projekt in der Landschaft der Förderschulen, wie sich herausstellen sollte.

Für sein „langjähriges, verdienstvolles Wirken für den Sport“ wurde Frank Kuroschinski 1997 mit der Ehrenurkunde des Landkreises München ausgezeichnet und 2006 mit der Ehrenmedaille in Silber der Stadt Unterschleißheim – für sein „vielfältiges, jahrelanges Engagement für die Interessen behinderter Jugendlicher“.

Engagiert waren die Kuroschinskis schon im Studium in ihren Fachschaften oder im Gymnasium, wo sie sich kennenlernten und in der evangelischen Jugendarbeit aktiv waren. Auf den neuen Lebensabschnitt freuen sie sich riesig. Jetzt wollen sie ihrer gemeinsamen Leidenschaft für Sport frönen, beim West-Coast-Swing-Tanzen, beim Skifahren und neuerdings beim Paddeln im Kajak. Auch Reisen und Kultur in München, wo ihre beiden Kinder und ein Enkel wohnen, stehen auf ihrer To-do-Liste. Endlich über ihre Zeit selbst bestimmen, ist ihr primäres Ziel.

Birgit Lang

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