Baugebiet Schiller

Regierung rügt: Drogeriemarkt zu groß

Ungeahnte Schwierigkeiten gibt es beim geplanten Baugebiet Schiller in Taufkirchen. Die Regierung von Oberbayern hat massive Einwendungen gegen die Planungen der Gemeinde.

Taufkirchen Bei der erneuten öffentlichen Auslegung der Pläne für das Baugebiet „Schiller“ in Taufkirchen hat Alexandra Freifrau Loeffelholz von Colberg von der Landes- und Regionalplanung in den Regionen Ingolstadt und München einen ganz neuen Einwand aufs Tapet gebracht.

Ihre und die Stellungnahmen der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer München und Oberbayern behandelten die Gemeinderäte des Bau- und Grundstücksausschusses in der jüngsten Sitzung.

Die meisten Behörden hätten eine positive Stellungnahme abgegeben, betonte Sachbearbeiter Herbert Mayerthaler. Der Haupteinwand komme von der der Regierung Oberbayern. Regierungsdirektorin Freifrau Loeffelholz von Colberg hatte festgestellt, dass die geplante Erweiterung des Drogeriemarkts Müller von aktuell 950 auf rund 1380 Quadratmeter „rund 200 Prozent der sortimentsspezifizischen Kaufkraft im einzelhandelsspezifischen Verflechtungsbereich“ abschöpfe. Damit sei die „maximal zulässige Abschöpfungsquote von 30 Prozent“ deutlich überschritten. Die geplante Lidl-Erweiterung sei „zusammen mit dem bereits bestehenden Getränkemarkt zu betrachten“, da es sich um den gleichen Sortimentsbereich (Nahversorgung) handle. Der geplante Lidl-Markt, dessen Verkaufsfläche um 440 auf rund 1230 Quadratmeter vergrößert werden soll, und der Getränkemarkt mit 330 Quadratmetern Verkaufsfläche, würden gemeinsam etwa 19 Prozent der sortimentsspezifischen Kaufkraft für Lebensmittel im Nahbereich abdecken. „Die maximal zulässige Abschöpfungsquote von 25 Prozent wird deutlich unterschritten“, erklärte Freifrau Löffelholz von Colberg in ihrer Stellungnahme.

Gegen die geplante Wohnbebauung bestünden ihrerseits keine Bedenken. Auch der geplante Lidl-Markt entspreche grundsätzlich den Erfordernissen der Raumplanung, nicht aber der Drogeriemarkt. Damit sei die Darstellung als Gewerbegebiet im Flächennutzungsplan nicht zulässig. Denn bei Einzelhandelsgroßprojekten sei in der Regel ein Sondergebiet auszuweisen.

Zudem weist Freifrau Loeffelholz von Colberg aus städtebaulicher Sicht darauf hin, dass der Ortskern von Taufkirchen aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ mit Städtebaufördermitteln unterstützt werde. Ziel dieser geförderten Gesamtmaßnahme sei es, den Einzelhandel im Ortskern nachhaltig zu stärken und entsprechende Leerstände zu beseitigen. „Es sollten keine Ansiedlungsmöglichkeiten für Neuausweisungen außerhalb des Ortskerns ermöglicht werden, welche den Sanierungszielen für das Zentrum zuwiderlaufen beziehungsweise die bisher in der Stadterneuerung erreichten Erfolge gefährden“, betont sie in ihrem Schreiben. Deshalb seien die geplanten Neuausweisungen im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf den Einzelhandel im Sanierungsgebiet „fachgutachterlich“ zu bewerten.

Damit das Neubaugebiet nicht unnötig verzögert werde, schlug Mayerthaler vor, dessen Ausweisung von der gewerblichen abzukoppeln. Die Erweiterung der Einzelhandelsprojekte soll in einem separaten Verfahren mit dem geforderten „Sondergebiet“ fortgeführt werden. Das Gremium beschloss beides.

Der Bebauungsplan für das Wohnbaugebiet muss nun angepasst und erneut – diesmal beschränkt – öffentlich ausgelegt werden. Damit können auch die Einwände der Unteren Naturschutzbehörde in Bezug auf Ausgleichsflächenregelung und die Biotopberührung berücksichtigt werden. Der Gemeinderat beschloss anschließend die 59. Änderung des Flächennutzungsplans für den Teilbereich der Wohnbaufläche.

Birgit Lang

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ gms

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