Immer gut drauf: Jubilar Schorsch Lehner (vorne) im Kreis der Gratulanten. Foto: Lang

95. Geburtstag Schorsch Lehner

Ruhighalten war nie sein Ding

Die englische Queen hat gerade ihren 90. Geburtstag gefeiert. So viel Aufhebens um seine Person hat Schorsch Lehner, der langjährige Kasperl der Taufkirchener Schäffler, zu seinem Jubeltag nicht gemacht. Aber eine kleine Feier durfte es zu seinem 95. Geburtstag schon sein.

Taufkirchen – Im Kreise seiner Familie, mit Freunden und Vertretern der vielen Vereine, denen er seit Jahrzehnten angehört, feierte Lehner im Gasthaus Häring in Hubenstein. Dabei fehlten natürlich auch einige Schäffler nicht. Als er sie erblickte, riss er sofort seine Arme in die Höhe und stimmte lautstark „Ein frohes Lied wir singen“ an, wie er es früher als Kasperl auch immer sang. Rumwirbeln, tanzen und springen, wie er es 1984, 1991 und 1998, also noch mit 83 Jahren und zwei künstlichen Hüftgelenken tat, kann er mittlerweile aber nicht mehr.

Gerne lässt er es jetzt ruhiger angehen, schaut am liebsten seine Frau Gitti an „und bewundert sie“, wie er verrät. Auch mit seinen beiden Kindern Thomas und Ursula sowie den Enkeln Florian, Anna, Matthias, Johanna und Magnus Zeit zu verbringen, sich von ihnen zum Essen einladen lassen, das genießt er. „Flori ist unser Chefeinkäufer und Fahrdienst“, erzählt er stolz, und auch sein jüngster Enkel Magnus kommt gern zum Opa, der immer gut drauf ist.

Doch Schorsch Lehner hat nicht nur schöne Zeiten erlebt. In Hintlaber bei Pfeffenhausen in der Holledau kam er zur Welt und wuchs mit sechs Geschwistern auf. Eigentlich sollte er den Hof der Eltern übernehmen, aber ihm stand der Sinn nach der großen weiten Welt. Als 18-Jähriger ging er deshalb zum Militär. An vorderster Front kämpfte er in Russland und Frankreich, bis er in Wien in russische Gefangenschaft geriet. In den Lagern in Grosny und Tiflis musste er schwere Zeiten durchmachen, bis er am 3. Mai 1950 wieder in die Heimat zurückkehrte.

Sepp Heilmeier, ehemaliger Mitarbeiter des Dorfener Anzeigers, hielt Lehners Erlebnisse in einer Biografie fest. Im Erdinger Fliegerhorst fand der Jubilar 1951 eine Anstellung, wechselte 1953 zu Himolla, wo er 20 Jahre lang als Fernfahrer tätig war. Seine spätere Frau Gitti, geborene Brigitte Bleisch, die jüngste Tochter des Taufkirchener Schlossgärtners, war und ist seine große Liebe. Schon als Backfisch nahm er sie auf seine Fahrten durch halb Europa mit. Am 31. Mai 1958 heirateten die beiden und wohnten zuerst in Pfeffenhausen, später bei ihren Eltern in der Landessiedlung in Taufkirchen, bis sich die beiden 1989 ein Haus in der Pater-Robert-Mayer-Siedlung kauften.

Seiner Familie zuliebe gab der Schorsch die Fernfahrerei auf und wurde Busfahrer bei der Bereitschaftspolizei München. Diese Arbeit machte ihm viel Spaß, denn er durfte das Musikkorps der Bayerischen Polizei zu vielen Auftritten und Empfängen chauffieren, war immer dort, wo etwas los war, was seinem fröhlichen Naturell sehr entgegen kam. Dass es damals oft später wurde und er am nächsten Tag wieder früh raus musste, machte ihm nicht aus.

Sportlich und gut aussehend war der Schorsch immer. Ob Radfahren oder beim TSV turnen, ruhig halten war nicht sein Ding. Als Mitglied bereicherte er mit seiner aufgeschlossenen, charmanten Art Krieger- und Soldatenkameradschaft, KAB, Ortsverkehrswacht, Heimat- und Verschönerungsverein.

Birgit Lang

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