Stolz auf die Exponate sind (v. l.) die Archivare Tobias Karbaumer, Konrad Karbaumer und Hermann Hoffman sowie Bürgermeister Stefan Haberl.
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Stolz auf die Exponate sind (v. l.) die Archivare Tobias Karbaumer, Konrad Karbaumer und Hermann Hoffman sowie Bürgermeister Stefan Haberl.

Heimatkundliches Archiv

Schätze und Kuriositäten aus der Taufkirchener Geschichte

Das neu gestaltete Heimatkundliche Gemeindearchiv in Taufkirchen ist jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich. Für sechs Sonntage im November und Dezember können Besuchstermine vereinbart werden.

Taufkirchen – Kuriositäten, Familienerinnerungen, Arbeitsgegenstände, Devotionalien, Kriegsrelikte, Vereinsutensilien, ja sogar Fossilien gibt es im Heimatkundlichen Gemeindearchiv Taufkirchen zu entdecken. Erstmals hat Tobias Karbaumer das Archiv bei einem Rundgang der Presse vorgestellt, mit dabei auch Bürgermeister Stefan Haberl.

Seit 1. Februar ist der 28-jährige Mitarbeiter des Erdinger Landratsamtes der Archivpfleger. Zur Seite stehen ihm sein Vater Konrad Karbaumer, langjähriger Verwaltungsleiter der Gemeinde und ein wandelndes Lexikon in allen Fragen rund um Taufkirchen, sowie dessen Freund Hermann Hoffmann, ehemaliger Bankfilialleiter.

Die Drei vereint eine unglaubliche Liebe zu ihrer Heimat und eine Leidenschaft, alles, was damit zu tun hat, zu erhalten und auch für spätere Generationen aufzubewahren. Mit großem Tatendrang haben sie sich in den vergangenen Monaten daran gemacht, das Gemeindearchiv neu zu ordnen. „Wir haben auch ganz viel geputzt und gewaschen“, sagt Konrad Karbaumer, der fasziniert von dem Schatz ist, der sich ihnen bei Aufräumarbeiten seit Februar aufgetan hat.

Historie und Histörchen rund um Taufkirchen spiegeln sich in den Exponaten des Gemeindearchivs wider.

Neben dem Taufkirchener Jugendzentrum an der Reckenbacher Straße haben sie in dieser kurzen Zeit auf einer gut 170 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche plus 50 Quadratmetern an Büroräumen etwas Einmaliges geschaffen: eine Ausstellung, in der man die unterschiedlichsten historischen Aspekte der Taufkirchener Geschichte bestaunen kann.

Fast schon wie bei einem Wimmelbild gibt es hier verschiedenste Figuren, Fotos und Fakten zu entdecken, vom 150 Jahre alten ledernen Feuerwehr-Löscheimer über eine selbst gebastelte Mäusefalle, die Leuchtreklame vom ehemaligen Metzgerwirt, Essgeschirr aus der Kriegsgefangenschaft oder die komplette Ausstattung eines Baders und Zahnarztes bis zum ersten Himolla-Möbelkatalog.

Ursprüngliche Herangehensweise sei gewesen, die Gegenstände in Regalen zu deponieren, erläutert Tobias Karbaumer. Doch dann erhielt man aus den Beständen der Mittelschule 13 Vitrinenschränke und 20 Regale und so sei die Idee entstanden, die unterschiedlichsten Exponate darin auszustellen und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Rund 800 der insgesamt 1300 vorhandenen Exponate aus Handwerk, Handel, Haushalt, Religiösem oder von Vereinen haben die drei Männer in der Ausstellung nach Themen zusammengefasst. Zu sehen ist alles, was in der Gemeinde und in Nachbarkommunen passiert ist. Denn die Basis der Ausstellung stammt vom früheren Gemeindearchivar Ludwig Tafelmayer, der ab 1981 alles Mögliche gesammelt und archiviert hatte. Dafür war er 2006 von Alt-Bürgermeister Franz Hofstetter mit der Bürgermedaille geehrt worden.

„Ohne diesen Grundstock gäbe es das alles nicht“, sagt Konrad Karbaumer. Auch Tafelmayers legendäre knapp 700 Ausstellungstafeln aus der ursprünglichen Dauerausstellung im alten Rathaus findet man hier in fünf Kartenschränken. Das Herzstück sei das Dokumenten-Archiv mit 950 Themenordnern, die Tafelmayer auch mit Inhalten der Nachbargemeinden gefüllt hat.

Ein weiterer Schatz stammt von Josef Heilmeier, langjähriger Reporter des Dorfener Anzeiger. Er hat in 70 Ordnern eine Ortschronik mit umfangreichem Bildmaterial zusammengetragen. Seine Nachkommen haben sie der Gemeinde zur Verfügung gestellt, wie dies bei den meisten Ausstellungsstücken der Fall ist. Zudem gibt es 88 VHS-Kassetten und DVDs unter anderem von Andreas Unterreitmeier, auch ein ehemaliger Reporter der Heimatzeitung, von Hubert Kemper und Heinz Lang.

Besonders wertvoll sind Dokumente der Schlossherren aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Auch ein Schularchiv mit über 1000 Zensurbüchern und Schülerlisten sowie unzählige Sticks mit Daten und Bildern sind vorhanden. Rund 500 Exponate befinden sich im Depot. Das alles wolle man digitalisieren, betonte Tobias Karbaumer.

Auf die Frage nach den Highlights der Ausstellung heißt es, das sei Geschmacksache. Die Kostbarsten seien wohl die Schriftstücke der früheren Schlossherren aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie werden im alten Gemeindetresor aufbewahrt. In diesen Stiftsbüchern wurden die Rechte der Untertanen oder Abgabeleistungen aufgeführt, so Konrad Karbaumer.

Die älteste Zeitung sei ein Exemplar des Dorfener Anzeiger vom 1. Juli 1936, fügt sein Sohn an. Die ältesten Exponate seien wiederum die rund 500 archäologischen und geologischen Bodenfunde, die in einem Glasschrank zu sehen sind.

Der junge Archivpfleger kündigte an, dass man künftig themenbezogene oder Vergleichsausstellungen „Früher und Heute“ im Wasserschloss durchführen wolle. „Damit man sieht, wie sich die Gemeinde weiterentwickelt hat“, was er total spannend finde.

Für ihr Engagement erhielten die Drei von Bürgermeister Stefan Haberl Wein und einen Essensgutschein. Er war ganz begeistert und dankte ihnen, dass sie mit so viel Engagement und Herzblut das Archiv hergestellt hätten und Taufkirchens Geschichte wieder der Bevölkerung zugänglich und bewusst machen möchten.

Erste Öffnungstage:

Zunächst ist geplant, das Heimatkundliche Gemeindearchiv an sechs Sonntagen für Besucher zu öffnen: am 15./22./29. November und am 6./13./20. Dezember. Wegen Corona ist dies nur in beschränkter Besucherzahl, mit Hygienekonzept möglich und nach Anmeldung möglich. Kontakt: gemeindearchiv@tfk-aussenstelle,de oder im Rathaus unter Tel. (0 80 84) 37 28.

Birgit Lang

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