Festakt in Taufkirchen

Das Schloss ist wieder daheim

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Taufkirchen – Es war ein historischer Tag für Taufkirchen. Das Wasserschloss ist wieder ins Eigentum der Gemeinde übergegangen. Die Redner ließen bei einem Festakt die Geschichte des historischen Kleinods Revue passieren und sparten dabei auch unangenehme Ereignisse nicht aus.

„Jedes Wasser hat seine Quelle, jeder Baum seine Wurzeln“, mit diesem chinesischen Sprichwort eröffnete Vizebürgermeister Christoph Puschmann den Festakt und meinte dann: „Taufkirchen hat im Wasserschloss seinen Ursprung.“ Er sprach von einem „historischen Beschluss“ und meinte in Richtung Bürgermeister Franz Hofstetter: „Er ist zwar kein Blaublüter, aber trotzdem jetzt ein Schlossherr.“ Die Gemeinde wolle das Schloss zu einem Ort machen, an dem jeder teilhaben könne. „Zukunft braucht Vergangenheit“ schloss der Vizebürgermeister.

Er fühle sich nicht als Schlossherr, meinte anschließend Bürgermeister Hofstetter: „Es ist das Schloss der Bürger.“ Taufkirchen sei nicht gerade gesegnet an historischen Bauten, umso mehr dürfe „das einzige Wahrzeichen nicht vergammeln“. Der Gemeindechef blickte zurück auf die Zeit, als der Bezirk das Gebäude für das Klinikum nicht mehr gebraucht habe. Die Gemeinde Taufkirchen erwarb am 17. Januar 2005 das Schloss, „um es in der gleichen Sekunde an Nico Forster zu veräußern“. Den Käufer beschrieb Hofstetter als eine „Mischung zwischen Monaco Franze und Hans Zehetmair“. Forster sei „mehr aus Zufall“ ein erfolgreicher Unternehmer geworden, dessen Hobby es war, „alte Gemäuer aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken“. Er habe sofort damit begonnen, das Schloss liebevoll zu restaurieren, und die Gemeinde habe es nutzen dürfen. Leider sei Forster im Februar 2010 im Alter von 47 Jahren überraschend verstorben. „Wenn er noch leben würde, wäre das Gebäude sicher fertig saniert.“ Nun habe sich die Gemeinde mit den Erben einigen können. „Das Schloss ist jetzt unser Eigentum“, sagte Hofstetter. „Und für mich geht ein Herzenswunsch in Erfüllung.“

Der ehemalige Klinikdirektor Prof. Dr. Matthias Dose hielt danach den Festvortrag, der unter dem Motto stand „Vom Fürsorgeheim zum Gemeindeeigentum“. Vor gut 750 Jahren sei das Wasserschloss erstmals urkundlich erwähnt worden. In der Neuzeit sei es unter anderem 1917 als Reservelazarett genutzt worden. „Die Trägerformen und Namen änderten sich im Laufe der Jahre“, erklärte der Festredner. Landesarmenanstalt, Fürsorgeanstalt, Fürsorgeheim und Bezirkskranhaus waren einige der Namen. Die Atzelburger Elisabethinerinnen betreuten die Patienten bis 1950. Ein dunkler Punkt, den Dose nicht aussparen wollte, waren die Jahre 1941 und 1942, als insgesamt 125 Patienten offiziell nach Haar „verlegt“ wurden, in Wirklichkeit aber in die Tötungsanstalt nach Hartheim bei Linz weitertransportiert wurden.

Prof. Dose berichtete dann von der Veränderung von der Langzeiteinrichtung zum Akutkrankenhaus mit der damit verbundenen Enthospitalisierung, die mit seinem Amtsantritt 1993 begann. Mit der kurzzeitigen Übernahme durch den Pflegerservice Pichlmayr sei diese 1998 abgeschlossen worden, „und keiner hat seinen Arbeitsplatz verloren“. Zum Schluss leitete Dose noch über auf die kulturellen Veranstaltungen, die sich im Laufe der Jahre etabliert haben. Er erzählte schließlich noch, dass der Kaufpreis 630 000 Euro betragen habe, die Sanierung rund 1,3 Millionen kosten werde und der jährliche Unterhalt rund 30 000 Euro betrage. „Herzlichen Glückwunsch – machen Sie was draus“, rief er dem Bürgermeister zu.

Fördervereinsvorsitzender Uli Wolter gratulierte den Verantwortlichen ebenfalls zu dieser „mutigen Entscheidung“, ehe Reinhold Kobeck der Gemeinde ein Geschenk überreichte: Einen Aushang von König Ludwig III. mit dem Titel „An meine Bayern!“ aus dem Jahr 1917, wo der König den Bürgern dankt – vor allem den Frauen – für die „Kriegsarbeit in der Heimat“ und die „Entbehrungen“.

Franz Schlossnikl, Vorsitzender der BSG Taufkirchen, überreichte schließlich dem Bürgermeister symbolisch einen handgefertigten Schlüssel fürs historische Schloss.

Wolfgang Krzizok

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