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Nach der Tour ist vor der Tour. Täglich werden die Fahrzeuge gewartet gewaschen. Hier montiert das Team das Räumschild ab (v.l.): Bernhard Osterloher, Stephan Strohhofer, Jan-Peter van Anrooij und Stephan Hofer.

Mit dem Winterdienst unterwegs

Die Schneehelden

Während sich die meisten nochmal im warmen Bett umdrehen, sind sie schon seit Stunden im Einsatz: die Männer vom Winterdienst. Sie trotzen Kälte, Schnee und Eis, ernten für ihren unermüdlichen, anstrengenden Einsatz aber oft nur böse Worte. Die zwölf Schneehelden des Taufkirchener Bauhofes können ein Lied davon singen.

Von Birgit Lang

Taufkirchen– 20 Einsätze haben sie dieses Jahr schon bei Glätte und Schneetreiben gemeistert, neben der normal anfallenden Arbeit, versteht sich. Zwei Gruppen mit je fünf Mann auf Winterdienst-Fahrzeugen sowie ein bis zwei Arbeiter mit Schneeschaufeln sind auf sechs Touren unterwegs, um die insgesamt 160 Kilometer Gemeindestraßen von Schnee und Eis zu befreien. Unterstützt werden sie von zwei privaten Firmen.

Winterdienst ist richtig anstrengend. Die Fahrstrecken sind zwischen 70 und 100 Kilometer lang. „Für jede Tour brauchen wir bei starkem, durchgehenden Schneefall acht bis neun Stunden“, sagt Bauhof-Chef Bernhard Osterloher. Obwohl seine Männer im Ausnahmefall auch mal über zehn Stunden im Einsatz, und danach abgekämpft und müde sind, beschweren sich die Anlieger immer wieder, dass die Räumfahrzeuge zu spät losgefahren oder noch gar nicht bei ihnen vorbeigekommen seien. „Was nicht stimmt, weil wir schon in der Früh dort waren und alles zwischenzeitlich wieder verschneit ist“, erklärt er.

Auch für die Profis sind die Straßen tückisch. Dieses Streufahrzeug landete im Graben.

Die Hauptstraßen von Schnee frei zu halten, hat oberste Priorität. Bei Schneewehen, ist das nahezu eine Sisyphus-Arbeit. Da müssen die Siedlungsstraßen dann hinten anstehen. Doch dafür fehlt oft das Verständnis der Anwohner. „Beim ersten Schnee ist es immer am schlimmsten. Da fallen oft böse Worte. Wenn ich alle Anrufe am Telefon entgegennehmen und die erhitzten Gemüter beschwichtigen würde, bliebe mir keine Zeit mehr zum Fahren.“

Den Anrufbeantworter abzuhören, ist schon anstrengend und frustrierend genug, wenn von den „Vollpf...“ des Bauhofs die Rede ist und von dem „Sch...“, den sie wieder gemacht haben. Andere beschweren sich wiederum, weil das Salz ihre Hecken kaputt mache oder maulen, ob sie die Schneeberge am Straßenrand mit der Schaufel selber wegschaufeln sollen.

Ärgerlich ist auch, dass viele Hauseigentümer zwar schimpfen, aber ihrer eigenen Räumpflicht nicht nachkommen. „Es gibt auch wenige, die uns loben oder beim Vorbeifahren den Daumen anerkennend in die Höhe strecken. Das gibt Auftrieb.“ Wenn es die ganze Nacht durchschneit, wie in der vergangenen Woche, dann sind die Männer unentwegt ab 3 Uhr unterwegs, bis sich die Lage wieder entspannt.

Osterloher ist stolz auf seine Männer. Denn die Arbeit mitten in der Nacht verlangt höchste Konzentration. Teilweise sieht man keinen Meter weit. Die Scheinwerfer strahlen nicht auf die Straße, sondern auf das Räumschild. Die Schneeflocken vor der Windschutzscheibe reflektieren das Licht. Das blendet teilweise ganz schön.

Hinzu komme, dass „wir ja nicht bloß in den Fahrzeugen sitzen und herumfahren. Es ist auch für uns glatt. Und kein Autofahrer hat ein 3 bis 3,2 Meter großes Raumschild vorne dran. Da musst du ständig aufpassen, dass du nirgends anfährst.“ Heuer wurde schon ein Autospiegel weggefahren und ein Gartenzaun touchiert, meistens läuft aber alles gut. „Das Wichtigste ist, es sofort zu melden. Wir rufen die Eigentümer aber nicht gleich um 3 Uhr in der Früh an, sondern spätestens um 7 Uhr, um sie davon zu unterrichten, sonst wäre es ja Fahrerflucht.“ Die meisten würden verständnisvoll reagieren. „Wir bieten auch an, dass wir den Schaden richten. Bis jetzt haben wir uns immer einigen können“, erzählt der 37-Jährige.

Auch an den eigenen Fahrzeugen gibt es immer wieder Schäden. „Heute hatte ich einen Hydraulikschaden und ein Kollege ein elektrisches Problem. Das müssen wir dann selber schnellstmöglich richten.“ Osterloher verrät, dass er auch schon eine Straßenlaterne umgelegt habe, die danach sogar noch gegangen sei. Wenn die Bankette, so wie jetzt, recht weich sind, rutscht man auch mit einem Streufahrzeug mal ab, das ist heuer schon vorgekommen. Wenn es ganz schlimm ist, müssen sich die Kollegen gegenseitig wieder rausziehen. Das kostet Zeit und Nerven.

Geholfen wäre dem Winterdienst schon, wenn die Autos vor allem in den Siedlungen möglichst eng am Zaun oder am besten in ihrer Garageneinfahrt parken würden. Dann bleibt mehr Platz zum Räumen. Wenig sinnvoll ist es, wenn Anlieger Schnee auf die bereits geräumten Straßen schieben. „Wenn es tagsüber taut, kann dieser über Nacht zu Eisbrocken frieren.“ Eine neue Gefahr für den Straßenverkehr.

Zwischen den Touren müssen die Fahrer immer wieder zum Bauhof, um Salz nachzuladen. Das sind die einzigen Pausen, in denen sie mal eine Tasse heißen Kaffee oder Tee trinken können. Mehr ist nicht drin. Wenn dann die letzte Tour beendet ist, ist noch lange nicht Schluss. Dann müssen die Fahrzeuge gewartet und gewaschen werden, weil das Salz so aggressiv ist. Erst dann geht’s heim ins kuschelige Bett.

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