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Nahm kein Blatt vor den Mund: Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer (r.) attackierte im Kreis seiner Taufkirchener Genossen unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Landrat Martin Bayerstorfer.

SPD Taufkirchen 

Schurer: „Mit 15 Halben hätte ich das besser gemacht“

Fast völlig ausgeblieben sind die eigentlich üblichen Spitzen gegen die politische Konkurrenz beim Frühschoppen der Taufkirchener Sozialdemokraten mit dem Bundestagskandidaten Ewald Schurer in Hubenstein.

Hubenstein– In Sachen Digitalisierung halte er jegliche Form von Panik für unangebracht. „Wenn Du heute in Taufkirchen in die neue Sparkasse gehst oder gegenüber zur Raiffeisenbank, dann bist Du als Kunde in einer völlig anderen Situation als vor 25 Jahren. Da hat man sein Terminal, und das ist Digitalisierung“, sagte Schurer, der bei diesem Thema auf die teilweise schlechte Breitbandversorgung im ländlichen Bereich nicht weiter einging.

In der Flughafenregion herrsche zwar Vollbeschäftigung, „aber das heißt nicht, dass wir hier nur gute Arbeit haben“. Am Flughafen zum Beispiel arbeite ein Drittel der Arbeitnehmer laut Schurer für etwa 8,50 Euro in der Stunde. So habe man auch trotz der Vollbeschäftigung im Landkreis Erding soziale Probleme. Flughafenchef Michael Kerkloh habe Schurer bei einer Besprechung im Juni gesagt, dass er für einfache Arbeit keine Arbeitnehmer mehr finde. „Er findet für diese Löhne keinen mehr“, weil die Miet- und Grundstückspreise weiter steigen, sagte Schurer.

Der Bundestagsabgeordnete hat sich daher dem Wohnproblem im Großraum München verschrieben. Der SPD-Mann sagte, er wolle sich im Gespräch mit Gemeinden dafür einsetzen, dass diese „Grundstücke bereitstellen, wenn sie welche haben“, um die Wohnungslage in der Region zu entspannen.

Beim Thema Flughafen legte Bundestagabgeordneter Schurer auch in Bezug auf die geplante dritte Startbahn nach. Er bleibe ein Gegner dieser. Man habe derzeit eine Umsteigerquote am Airport von knapp unter 40 Prozent. Mit einer zusätzlichen Bahn würde der Flughafen vor allem „mehr Geschäft“ machen. Die Umsteigerquote solle dann wieder auf möglicherweise bis zu 60 Prozent hochgezogen werden. Das sei das eigentliche Ziel. Wer beruflich auf das Flugzeug angewiesen sei, habe aber auch mit zwei Bahnen keine Probleme bei derzeit 250 Destinationen, die von München angeflogen würden.

In Sachen S-Bahn-Ringschluss prophezeite er, dass die erste Version in acht bis zehn Jahren fertig sein werde. Auch auf den Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf ging Schurer ein. Er prognostizierte einen hohen Anstieg des Verkehrsaufkommens auf der Strecke. So plane auch die Österreichische Bundesbahn mit dem Hochgeschwindigkeitszug Railjet von der Strecke Salzburg-Rosenheim-München, auf die Mühldorfer Strecke auszuweichen.

Und auch das Thema B 15 neu schnitt der SPD-Politiker an. Nie habe er eine derart chaotische Veranstaltung wie seinerzeit in Hinterberg erlebt. „Mit 15 Halben hätte ich das besser gemacht“, sagte er auch in Richtung Minister Joachim Herrmann von der CSU. Derzeit laufe eine Gesamtbewertung sowohl der Trasse Mühldorf als auch der durch den Landkreis Erding. Taufkirchen müsse so befürchten, dass der Verkehr weiter zunehme. Ein Besucher hatte gefragt, warum Taufkirchen nicht untertunnelt werden könne. Schurer sagte, dass dazu die erforderlichen Felsstrukturen fehlten und eine Untertunnelung etwa das Fünffache einer Umgehung koste. Noch teurer sei der Unterhalt.

Auch Landrat Martin Bayerstorfer bekam noch sein Fett weg. Beim Thema Flüchtlinge sei er ein „Hardliner“ gewesen. Seine „Sondernummer“ mit der Ausgabe von Gutscheinen sei „wie Vieles von ihm kontraproduktiv“ gewesen.

Tobi Fischbeck

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