Parteiwerbung: Der bayerische Landesvorsitzende der AfD, Petr Bystron, zu Gast auf dem Podium der KAB im Taufkirchener Pfarrheim. Foto: Fischbeck

KAB-Frühjahrskonferenz

Schwache Auseinandersetzung mit der AfD

Taufkirchen – Der Schuss ging nach hinten los: Einen neuen Weg wollte die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) gehen, indem man zur Frühjahrskonferenz die AfD nach Taufkirchen eingeladen hat. Dass die „Protest-Partei“, wie sie sich selbst bezeichnet, gleich den Landesvorsitzenden Petr Bystron schicken würde, damit hatte man nicht gerechnet. Eigentlich war der Kreisvorsitzende Franz Arnold erwartet worden – der hatte die Veranstaltung aber abgesagt.

Bystron gestand, dass sich „nicht jeder traut, uns eine solche Plattform zu geben“. Er versuchte seiner Partei eine sehr liberale Rolle zu geben, wurde dabei aber darauf hingewiesen, es sich um eine Diskussion zur AfD und keine Werbeveranstaltung handle. So kürzte Bystron seine Rede doch ab und ging auf Fragen der Anwesenden ein. Für Lobhudeleien sorgten nun einige AfD-Anhänger im Publikum, die bei ihren Fragen entweder nicht auf den Punkt kamen oder in minutenlangen Monologen so weit abschweiften, dass keiner mehr sagen konnte, worum es in der Wortmeldung eigentlich gegangen war. Die Podiumsteilnehmer der KAB, Diözesansekretär Rainer Forster, Kreisvorsitzender Josef Aigner und Renate Kaßner verpassten es hier, dazwischen zu gehen.

In einer Pressemitteilung gab die KAB nach der Veranstaltung unumwunden zu, sich das Treffen „anders vorgestellt“ zu haben. Auf Facebook räumte Forster ein, „der Abend hatte seine Schwächen“, obwohl er sich zusammen mit Aigner ein „wirklich gutes Konzept“ überlegt habe.

Ein Konzept blieb die AfD aber ebenfalls schuldig. Bystron verwies gebetsmühlenartig auf ein Parteiprogramm, dass es noch zu verabschieden gelte, das aber „auch Schwächen“ habe. Und auch ansonsten gab es wenig substanzielles. Bei vielen Themen musste der Landesvorsitzende eingestehen, davon „keine Ahnung“ zu haben. Bystron beklagte, dass „die AfD aktiv ausgegrenzt“ werde. Dass es in der AfD viele „alternative“ Ansichten zu gleichen Themen gibt und sie stellenweise zerstritten zu sein scheint, zeigte der Ebersberger Kreisrat Klaus Adlberger, der ohne Parteimitglied zu sein für die AfD im Ebersberger Kreistag sitzt. Während Bystron den Atomausstieg „für falsch“ hält, fauchte der Landwirt in Richtung Bystron, dass die Energiewende weitergehen müsse. Bei steigender Umweltbelastung und endlichen Ressourcen sei diese alternativlos.

Bystron versuchte ansonsten zu erklären, dass rechte Parteien in Europa auf dem Vormarsch seien und „rechts nicht rechtsradikal“ bedeute. Bystron wertet sich als überzeugter Europäer und sieht gemeinsame Werte mit anderen Nationen, „auch wenn wir uns mal eine Zeit lang gekloppt haben mit den Franzosen oder auch mit den Polen“. Einige Besucher sahen darin eine Verharmlosung des Zweiten Weltkriegs.

Tobi Fischbeck

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