Dicke Freunde: Bastian Springer und Charly.

Bastian Springer Aus Taufkirchen

Singen gegen den Krebs

Was bewegt einen 17-Jährigen, der schwer an Krebs erkrankt? Hat das Leben überhaupt noch einen Sinn? Diese Frage hat sich für Bastian Springer nie gestellt. Der Taufkirchener nahm den Kampf gegen die oft unheilbare Krankheit auf – mit Musik.

Von Birgit Lang

Taufkirchen – Bastian Springer war 17 Jahre alt, als er im März 2016 im Hals ein hühnereigroßes Geschwulst entdeckte. Nach zahlreichen Arztbesuchen und der intensiven Zusammenarbeit mit zwei Heilerinnen entschloss er sich im August 2016, das Geschwulst entfernen zu lassen. Die niederschmetternde Diagnose: Burkitt Lymphom. Das ist ein extrem hochmalignes Lymphom, welches zu den B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen gezählt wird. Das ist einer der am schnellsten wachsenden Tumorarten beim Menschen.

Eine rund acht Zentimeter lange Narbe und sein Stiftenkopf sind heute die einzigen noch sichtbaren äußeren Anzeichen seiner ehemaligen Krankheit. Bastian ist mittlerweile 18 Jahre alt. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, hat er jede Menge Zukunftspläne. Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Nach der Wirtschafts-FOS, die er ab dem 2. Halbjahr wieder in Erding besucht, möchte er sein Diplom in Musik-Produktion absolvieren, anschließend nach London oder Los Angeles gehen. Hier will er in vier Semestern seinen Bachelor absolvieren und sich dann in einem Tonstudio anstellen lassen, um Musik für andere zu produzieren und gleichzeitig eigene Sachen zu machen. „Ich singe jeden Tag von der Früh bis abends. Es gibt keine zehn Minuten, wo ich nicht singe“, sagt er strahlend.

Schon als kleiner Bub hat Bastian angefangen, zu singen. Während der Grundschulzeit war er zwei Jahre bei den Tölzer Sängerknaben und fuhr ein- bis zweimal in der Woche nach München zum Gesangsunterricht. Auch bei diversen Kinderchören sang er mit, bei Angelika und Andrea Traber sowie beim JuLiTa, dem Kinderchor der Taufkirchener Liedertafel oder dem Schüler- und Männerchor des Dorfener Gymnasiums. Nach der klassischen Ausbildung in der Zeit bei den Tölzer Sängerknaben, hat er sich der Popular- und Jazzmusik zugewandt und bildet sich jetzt selber weiter. „Ich besuche Tagesworkshops, trainiere, wie ich meine Stimme gesund halte und nichts falsches mache.“

Den Mut nie verloren

Noch deutlich geschwächt von den Strapazen der Chemo: Bastian Springer in seinem YouTube-Video.

Die niederschmetternde Diagnose hat den jungen Taufkirchener nie entmutigt. Er hat dem Krebs den Kampf angesagt und vor allem nie aufgehört zu singen. „Singen ist mein Leben, es gibt mir Kraft, die Möglichkeit meine Gefühle auszudrücken. Durch die schwere Zeit hat mir das Singen super geholfen“, sagt er. Selbst im Krankenhaus hat er Ärzte, Schwestern und Pfleger, sowie Zimmergenossen mit seinem Gesang begeistert. Noch deutlich geschwächt von den Strapazen der Chemo kann man ihn ohne Haare auf Youtube im Internet singen hören (https://www.youtube.com/watch?v=8LMQcXjTt2g). Das Video hat Bastian für die Audition für die A Cappella Academy produziert. Zum zweiten Mal in Folge hat er sich für den Contest in Los Angeles beworben, bei dem motivierte Sänger in einem kreativen Umfeld geschult werden. 1200 Bewerber haben bei der Audition mitgemacht. Der 18-Jährige kam beide Male in die Endausscheidung. Bei der finalen Auslosung hatte er jedes Mal Pech. Denn nur 40 Bewerber werden angenommen. Es war seine letzte Chance. Denn das Training ist nur für 13- bis 18-Jährige möglich.

Frank und frei, teilweise auch sehr aufgebracht, erzählt Bastian von den schweren Monaten seiner Krankheit. Als er den „Huckel“ an seinem Hals wachsen sah, habe er gegoogelt und sein Blut untersuchen lassen. Mit dem Blut passte alles, vorsichtshalber wurde eine MRT-Untersuchung gemacht. Das Kontrastmittel hatte nicht angeschlagen und die Ärzte hatten daher eine eingeblutete laterale Halszyste vermutet. Mit medizinischen Begriffen kennt er sich mittlerweile bestens aus. Die Ärzte erwarteten nichts Spektakuläres, schlugen dennoch eine operative Entfernung vor. Doch Bastian wollte erst die 11. Klasse fertigmachen und ging parallel zu zwei Heilerinnen, die ihm extrem viel geholfen haben, sagt er und betont:. „In jeder Krankheit steckt ein emotionaler Grund.“ Ende August wurde er operiert.

Die Ärzte gaben schon Entwarnung. Doch nach fünf Tagen im Krankenhaus Rechts der Isar in München bekam er am Tag der Entlassung völlig unvorbereitet die erschütternde Nachricht: Es wurden bösartige Zellen in dem entnommenen Tumor gefunden. Schockiert war er, aber Angst hatte er keine. „Ich hab mich immer gesund gefühlt.“ Bevor er die Chemotherapie antrat, habe sein Vater an einem schönen Spätsommernachmittag im krankenhauseigenen Café gesagt: „Wieso musst ausgerechnet du jetzt diesen Mist durchmachen?“ Bastians Antwort darauf:

„Das gehört zu meinem Leben“

„Papa, das ist kein Mist, das gehört zu meinem Leben und das ist eine Aufgabe, die ich meistern muss und darf, wer weiß was es mir bringt.“ Bastian Glück war, dass die Lymphknoten noch im Anfangsstadium befallen waren. Die Torturen, die er bei der Chemotherapie durchmachen musste, wünscht er keinem. 18 Kilo nahm er in den folgenden dreieinhalb Monaten ab. Nebenwirkungen wie extreme Schleimhautentzündung, unaufhörliche Kopfschmerzen durch die Lumbalpunktion, bei der Hirnwasser dem Hirnwasserkanal entnommen und Chemotherapeutika zugeführt werden, eine extrem angegriffene Darmflora, sowie unbeschreibliche Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen waren an der Tagesordnung. Um diese zu lindern, war ihm eine Naturheilpraktikerin aus Erding eine große Hilfe. Um der „negativen Energie“ des Krankenhauses zu entkommen, habe er immer wieder mit den Ärzten energisch verhandelt, dass er eher nach Hause durfte, um daheim in der gewohnten Umgebung schneller wieder gesund zu werden. Was ihm auf eigene Gefahr schließlich erlaubt wurde. „Das ist ein psychisch starker Junge“, meinte die von den Ärzten geschickte Psychoonkologin.

Bestens aufgehoben habe er sich nur im Dorfener Krankenhaus gefühlt, wo er zwei von vier Notaufnahmeaufenthalten in den Chemopausen verbrachte. Denn in jeder der zweiwöchigen Pausenphasen gingen seine Blutwerte komplett in den Keller, was einerseits das Ziel der Chemo war, andererseits dazu führte, dass Bastian eine dauerhafte Antibiose mit stationärem Aufenthalt im Krankenhaus benötigte, da ansonsten die Gefahr einer Sepsis bestanden hätte und er somit unbeobachtet in Lebensgefahr gewesen wäre. In der schlimmsten Pausenphase konnte er, aufgrund der extremen Entzündungen in Mund, Rachen, und Speiseröhre, über fünf Tage hinweg keine Flüssigkeit oder Nahrung zu sich zu nehmen. Der Schmerz war so groß, dass er nicht einmal mehr seinen eigenen Speichel schlucken konnte, was unter anderem zu vielen schlaflosen Nächten führte. Ende November bekam er die letzte Chemo. Nach der Abschlussuntersuchung konnten alle aufatmen. Die Werte im Knochenmark, im Hirnwasser und im Blut waren, wie schon immer, alle einwandfrei. „Ich bin geheilt“, erklärt der Taufkirchener. Um sein Leben habe er nie wirklich Angst gehabt, auch wenn er schwache, depressive Momente hatte.

Dennoch ist die Krankheit nicht spurlos an ihm vorübergegangen. „Man schaut anders auf das Leben.

Stütze waren Eltern, Freunde und Tiere

Ich bin reifer geworden. Man schätzt das Leben mehr und ich lebe nur noch im Moment.“ Geholfen, gesund zu werden, haben ihm auch seine Eltern, Marion und Hannes Springer, sowie viele Freunde der Familie, sein Pferd Gladdys und sein Hund Charly. „Sobald die Blutwerte gestimmt haben, bin ich spazieren oder nach Solching zu meinem Pferd gegangen. Bastian ist seit vielen Jahren Springreiter beim Taufkirchener Reit- und Fahrverein.

Ende Januar hatte der 18-Jährige nach langer Zeit „endlich wieder seinen ersten öffentlichen Auftritt. Er sang bei der Offenen Bühne im Taufkirchener Kinocafé. Das Publikum war begeistert, als er den Shawn Mendes Song „Treat You Better“ coverte. Im März ist er wieder mit von der Partie, dann können die Besucher seine gefühlvolle Bariton-Tenor-Mischstimme bei einem Auftritt im Sonic in Erding lauschen.

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