Cineast und Idealist: Andreas vom Hofe betreibt das Kinocafé in Taufkirchen.
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Cineast und Idealist: Andreas vom Hofe betreibt das Kinocafé in Taufkirchen.

Kinocafé Taufkirchen

Film ab im Kinocafé Taufkirchen: Kommen die Zuschauer?

  • VonTimo Aichele
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Die Liebe zum Film in Zeiten der Pandemie - das ist nach dem Lockdown eine komplizierte Beziehung. Der Betreiber des Kinocafés in Taufkirchen, Andreas vom Hofe, hofft auf viele Cineasten, die sein kleines Lichtspielhaus besuchen.

Taufkirchen – Im Kinocafé werden wieder Filme gespielt. Inhaber Andreas vom Hofe startet mit dem skurrilen Bayern-Krimi „Weißbier im Blut“ mit Sigi Zimmerschied, Brigitte Hobmeier und Luise Kinseher, gefolgt vom neuen Eberhofer-Streifen „Kaiserschmarrndrama“ (ab 5. August). Freilich kommen auch Arthausfilme, etwa „Ich bin dein Mensch“, oder Dokumentationen wie „Nomadland“ in der nächsten Zeit auf die Taufkirchener Leinwand. Ab Herbst soll es zudem wieder Veranstaltungen im Kinocafé geben.

Der 54-jährige Kinobetreiber ist skeptisch. „Ich glaube da liegt jetzt ein Schatten über den Veranstaltungen“, zweifelt er. Denn dass sich das „alte Verhalten, wie vor Corona“, einspielt, glaubt der Filmliebhaber und Kinobesitzer eigentlich nicht. „Das Erlebnis mit dem Virus hat sich so intensiv in uns eingegraben, dass es einen Abdruck im Unterbewusstsein hinterlassen hat. Die Scheu vor Menschenmengen wird bei vielen Leuten bleiben.“

Und schließlich bleibe die Frage offen: „Wer setzt sich freiwillig in einen Raum mit 30 Personen, von denen er nicht weiß, wie es diesen geht, ob sie geimpft sind oder sich möglicherweise mit dem Virus infiziert haben?“

Dennoch spreche nach wie vor viel für einen Kinobesuch: „Hier kann der Zuschauer in eine fremde Welt eintauchen, im dunklen Raum wird das Erlebnis intensiviert.“ Und dann seien da noch die große Leinwand, die Bilder. „Der Cineast löst sich von seinen Problemen und Gedanken, das Kino nimmt einen raus aus dem Alltag.“

Nicht erst seit der Pandemie seien Streaming-Dienste auf dem Vormarsch, meint vom Hofe. Das Geschäft auf den Plattformen sei riesig, auch in den Mediatheken können Komödien und Krimis ständig abgerufen werden. „Die Entwicklung gibt es schon seit einigen Jahren, aber Corona hat die Situation verschärft.“ Denn kaum ist ein Film angelaufen, gibt es ihn auch schon auf DVD, im Fernsehen oder zum streamen.

Vom Hofe zeigt nur Filme, von denen er selbst überzeugt ist. „Wenn man nicht Mainstream-Kino spielen will, wird es schnell dünn mit aktuellen Filmen.“ „Kaiserschmarrndrama“ mit Sebastian Bezzel sei zwar massentauglich, aber dennoch gut.

Ein reines Kino, so wie etwa s’Kino in Dorfen, das funktioniere auf dem Land nicht, meint vom Hofe. „Ein kleines Lichtspielhaus, das ist finanziell nicht selbsttragend“, so der studierte Physiker, der sich nach einem schweren Unfall für den Kinobetrieb in Taufkirchen entschieden hat und das Kinocafé im Jahr 2001 als Pächter übernahm, seit 2013 gehört es ihm. „Bevor s’Kino in Dorfen aufgemacht hat, hatten wir bestimmt zwei Drittel Stammgäste aus Dorfen.“

Wäre die Kneipe mit der gemütlichen Einrichtung nicht, in die vor allem die Taufkirchener kommen, würde es finanziell schlecht aussehen. Corona habe vom Hofe finanziell dank staatlicher Förderung gut überstanden – auch zeigte sich die Bank sehr kulant: „Ich habe das Kino mit Krediten finanziert. Es gehört schon eine gute Portion Idealismus dazu.“

Im Kinocafé wird es ab September, Oktober wieder einige fixe Programmpunkte geben. Die KAB lädt einmal im Monat zu einer Sondervorstellung ein, ebenso das Forum links. Außerdem hält der örtliche Alpenverein wohl wieder Vorträge, hofft vom Hofe. Natürlich freut er sich auch wieder auf die Offene Bühne mit Andrea Traber.

Zudem werden einige Musiker und Bands wohl wieder auftreten, die „Gnadenkapelle“ oder die „Bavarian Immigrants“ beispielsweise, bei denen das Kinocafé bisher immer rappelvoll war. „Jeder, der was machen möchte, kann sich melden“, sagt der Kinobesitzer, „egal ob Vortrag, Lesung, Konzert oder Theater. Wir vermieten dann das Kino und treten als Dienstleister auf.“

Der Hochsommer ist bekanntlich eher Biergarten- als Blockbuster-Zeit: „Kaiserschmarrndrama“ hat im August keine Konkurrenz“, sagt vom Hofe. „Und mit dem Eberhofer-Krimi verdiene ich wenigstens Geld, da werde ich ein Plus einspielen.“

MICHAELE HESKE

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