Abgetrennt: Die Demonstranten durften nur auf das Gelände des früheren Gasthofs Zur Post.
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Abgetrennt: Die Demonstranten durften nur auf das Gelände des früheren Gasthofs Zur Post.

AfD-Veranstaltung mit Gegendemo

Jubel und Protest: Beatrix von Storch in Taufkirchen

  • Anton Renner
    vonAnton Renner
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Draußen Pfiffe, Trillerpfeifen und Buh-Rufe, drinnen frenetischer Beifall und stehende Ovationen. Beim Wahlkampfauftritt der stellvertretenden AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch in Taufkirchen sind gestern Welten aufeinandergeprallt. Zwei Dutzend Polizeibeamte waren vor Ort um Eskalationen zu vermeiden. Sie mussten aber nicht eingreifen.

Taufkirchen – Es ist die B 15, die an diesem Sonntagvormittag zwei Weltanschauungen trennt. Drüberhalb der Bundesstraße stehen an die 250 Demonstranten und Schaulustige. Aus Protest gegen die AfD-Veranstaltung werden Banner in die Höhe gereckt mit Aufschriften wie „Menschen sind Ausländer irgendwo, Rassisten sind Arschlöcher überall“. Auf der anderen Seite der B 15 stehen vor dem Wagnerwirt AfD-Sympathisanten, die über die Protestierer nur den Kopf schütteln.

Kurz vor 10 Uhr betritt Beatrix von Storch durch einen Hintereingang den Wagnerwirt. Riesiger Beifall brandet auf. Die AfD-Frontfrau wird von zwei bewaffneten Leibwächtern begleitet. Kreisvorsitzender Wolfgang Kellermann hat wenig Zeit zur Begrüßung, denn die AfD-Politikerin muss um 11.15 Uhr schon wieder weiter – zur Gründung der Gruppierung Juden in der AfD.

Während von Storch ans Rednerpult tritt, spricht draußen der SPD-Kreisvorsitzende Martin Kern bei den Demonstranten . Er warnt vor der „Politik der blaubraunen Alternative“ die sich gegen Menschen mit Beeinträchtigung richte, „gegen Homosexuelle, Muslime und Geflüchtete“. Es gelte, „mit Entschlossenheit diesen Neofaschisten entgegenzutreten“.

Von Storch geht in ihrer Rede auf die jüngsten Umfragewerte der CSU ein, die auf 33 Prozent abgestürzt ist. „Das ist die Quittung für die schlechte Politik, die sie machen“, sagt sie unter großem Beifall. Die Rednerin streift in der Folge viele Themen. Die AfD habe nichts gegen eingetragene Lebenspartnerschaften, aber die Ehe sei die Verbindung von Mann und Frau, und nur das sei förderungswürdig. Sie spricht sich gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft aus, wie dies die FDP wolle. Frauen dürften nicht zur „Gebärmutter“ werden, damit sich jeder ein Kind austragen lassen könne.

Heftige Kritik übt von Storch an der Bundesregierung, die sich dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, „einem Despoten, einem Diktator unterwirft“. Die AfD-Politikerin wettert gegen „Gender-Gagaismus“ und wertet die Kriminalstatistik gerade im Hinblick auf Straftaten durch Migranten als „Fake-News“ und „Manipulation der Menschen“. Die millionenschwere Förderung des palästinensischen Flüchtlingshilfswerks UNRWA durch die Bundesregierung bezeichnet von Storch als „unsäglich“. Damit werde islamischer Terror finanziert.

Gerade im Islam sieht von Storch die größte Gefahr für Deutschland, für Europa. Der Islam habe in den meisten Auslegungsformen einen „politischen Herrschaftsanspruch“. Das sei mit der Religionsfreiheit in Deutschland nicht vereinbar. Muslime, die ihren Glauben friedlich lebten, sich zu unserer Verfassung bekennen würden, seien dagegen kein Problem. Von Storch gibt die Leitlinie der AfD aus: „Wir werden uns niemals unterwerfen.“

Draußen bei den Demonstranten gibt sich der Kreisvorsitzende von „Die Partei“, der Dorfener Kalle Oefele, in einer satirischen Rede „alternativlos glücklich“. Er nennt die AfD-Politikerin „von Strolch“, die „an der Grenze auch auf Kinder schießen lassen würde“. Den Menschen, die so eine Politik „auch nicht mehr nüchtern ertragen“, rät Oefele zu mehr Bierkonsum.

Im Wirthaus ist von Storch jetzt mit ihrer Rede am Ende. „Gott schütze Bayern, Gott schütze Deutschland“, sagt sie. Die gut 130 Zuhörer erheben sich von ihren Stühlen und spenden der AfD-Frontfrau frenetischen Applaus.

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