So schaut’s aus: Verwaltungsleiter Konrad Karbaumer (M.) präsentiert den Plan zusammen mit Bürgermeister Franz Hofstetter (l.) und Bauamtsleiter Günter Mayr. Foto: Lang

Neuer Flächennutzungsplan

Taufkirchen braucht mehr Platz

Taufkirchen – Der Flächennutzungsplan (FNP) für die Gemeinde Taufkirchen soll neu aufgestellt werden. Der Gemeinderat hatte dies in der jüngsten Sitzung beschlossen. Bürgermeister Franz Hofstetter erklärte bei einem Pressegespräch im Rathaus die Hintergründe.

Erstens werde gerade ein Gemeindeentwicklungskonzept erarbeitet und zweitens sei man auf der Suche nach geeigneten Flächen für Gewerbe. Dazu gibt es einen konkreten Anlass. Zwei große ortsansässige Betriebe würden aus allen Nähten platzen und man arbeite schon seit eineinhalb Jahren intensiv an einer Lösung. „Wir haben nicht mehr viel Zeit, weil sie sonst woanders nach einer Erweiterung suchen oder sogar den Standort verlegen“, befürchtet der Bürgermeister.

In Zusammenarbeit mit dem Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München wurde der gesamte Ort bereits untersucht. „Das ist in Taufkirchen gar nicht so einfach, von der Topografie her“, meinte er und verwies auf die vielen roten Flächen auf einer Gemeindekarte, die alle zu steil seien. Geeignete Flächen für Gewerbe- und Mischgebiete gebe es entlang der B15, westlich des Ortsausgangs, vom Friedhofsparkplatz bis hinter Solching.

Die acht Grundstückseigentümer wurden über die Pläne schon informiert und waren auch bei der Gemeinderatssitzung anwesend. Einer erbat sich noch Bedenkzeit. „Einzelgespräche werden geführt“, sagte Hofstetter. Für die Anlieger habe der FNP auch Vorteile, denn es könnte in einem Mischgebiet Wohnraum, vielleicht sogar ein Wohngebiet geschaffen werden. Das alles müsse aber erst in einem Verfahren geprüft werden. „Der Bestand muss auf alle Fälle geschützt werden. Es wird nicht so sein, dass alles voll gebaut wird“, betonte der Bürgermeister. „Das muss man wirklich langfristig sehen“, auf einen Zeitraum von 20 Jahren. „Wir werden in aller Ruhe das Verfahren machen.“ Jetzt müssten erst die Behörden und die Öffentlichkeit ihre Stellungnahmen abgeben und die Diskussion geführt werden.

Verwaltungsleiter Konrad Karbaumer fügte an, dass auch die gegenüberliegende Seite der B 15 schon bebaut sei und durch die Bundesstraße eine gute Erschließung vorhanden sei. Mit Gewerbe in die zweite oder dritte Reihe zu gehen, mache wenig Sinn. Im gegenüberliegenden, südöstlichen Quadranten sei die Bebauung auch schwierig, weil es sich hier um Überschwemmungsgebiet handle. Karbaumer stellt fest: „Diese Flächen sollen freigehalten werden.“ Es handelt sich hier um landschaftliches Vorbehaltungsgebiet, das als Erholungsgebiet gilt und als solches auch erhalten werden soll.

Eventuell könnte in Solching noch das ein oder andere Haus gebaut werden, meinte Hofstetter noch. Ein neuer FNP sei auch deshalb „extrem wichtig“, weil die Flächenressourcen begrenzt seien und es beim Gemeindeentwicklungskonzept um die „ganzen Dörfer“ gehe, wie sie sich künftig entwickeln sollen, fuhr der Bürgermeister fort.

„Wir haben ständig Einzelanfragen“, immer wieder gebe es Konfliktpotenzial, etwa bei Immissionsfragen. Die Gemeinde hätte gerne bessere Richtlinien, die es einfacher machen, Entscheidungen zu treffen. Der FNP wäre hier hilfreich. „Er schafft zwar kein unmittelbares Baurecht, gibt aber Signal, wo Baurecht entstehen könnte, wo eine Außenbereichsatzung möglich wäre.“ Zudem gehe es um strukturelle Geschichten, wie Leerstände bei landwirtschaftlichen Gebäuden, Dorfläden oder Straßen.

Ein besonderes Beispiel ist hier die Ortschaft Gebensbach mit ihrem denkmalgeschützten Anwesen des Mooser-Wirts und großen leer stehenden Hofstellen mitten im Ort. Früher gab es hier drei Wirtshäuser, heute wäre in Gebensbach ohne Vereinsheim „total tote Hose“, sagte Karbaumer. Deshalb ist es beiden auch wichtig, dass die Bürger zahlreich an den beiden Bürgerwerkstätten teilnehmen (siehe Kasten).  mel

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