In die Jahre gekommen ist die Taufkirchener Greimel-Eiche. Foto: Birgit Lang
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In die Jahre gekommen ist die Taufkirchener Greimel-Eiche.

Betagter Baum schaut nicht gesund aus

Taufkirchen: Der langsame Tod der Greimel-Eiche

Die Greimel-Eiche ist der einzige Baum in Taufkirchen, der noch unter Naturschutz steht. Der Baumt schaut aber nicht mehr gesund aus, scheint langsam einzugehen.

Taufkirchen – Viele Taufkirchener, nicht nur die Naturliebhaber, machen sich um die Greimel-Eiche gegenüber dem Weidenhain Sorgen, und das schon seit einigen Jahren. Denn der betagte Baum schaut nicht mehr gesund aus, scheint langsam einzugehen. Das Traurigste dabei ist, dass es sich um den einzigen Baum in der Gemeinde handelt, der noch unter Naturschutz steht.

Einige alte Baumriesen wurden in den vergangenen Jahren wegen Baumaßnahmen gefällt, etwa eine alte Kastanie, die am heutigen Rathausplatz stand – meist, so auch dort, ohne entsprechende Nachpflanzung. Auch das bedauern die Baumliebhaber und Naturschützer. Viele geben einem radikalen Zuschnitt die Schuld, dass sich die Greimel-Eiche jetzt in einem erbärmlichen Zustand befindet.

Das ist aber nicht die Ursache, sind sich die Experten sicher. Gemeindegärtner Bernd Prang hat den Baum inspiziert und erklärt, dass Extremschnitte eigentlich das Wachstum von Bäumen anregen, wie viele Besitzer von Obstbäumen wüssten. „Die Eiche ist altersschwach. Sie vergreist“, sagt er stattdessen. Zudem sei sie von Schädlingen wie dem Bockkäfer sowie von Pilzen befallen, die die Leitungsbahnen zerstörten. „Die Eiche wird langfristig sterben. Aber sie ist eigentlich ein Biotop.“ Denn während des Sterbevorgangs würden viele Schädlinge von ihr Besitz ergreifen, die wiederum viele Vögel anziehen, die sie fressen. Prang hofft, dass das Landratsamt den Baum solange wie möglich erhalten wird und peu à peu die Verkehrssicherheit gewährleistet.

„Der Standort neben der Vils ist nicht ideal“, stellt der Experte fest. Teilweise sei es zu feucht. Eichen würden trockene, durchlässige, sandig-kiesige Böden bevorzugen, nicht lehmige Böden wie hier. „Die Krone der Eiche hatte vor der Kroneneinkürzung 2017 einen Durchmesser von über 20 Metern. Momentan ist sie noch circa 16 Meter breit und über 15 Meter hoch. Der Stammdurchmesser beträgt 1,4 Meter“, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts, Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, auf Nachfrage. Das Alter der Eiche werde auf gut 100 Jahre geschätzt.

Laut Michael Klinger, Kreisfachberater für Gartenbau im Landratsamt, seien bei der Eiche vor allem die Wurzelanläufe geschädigt, schreibt Kirmeyer weiter. Am westlichen und nordseitigen Wurzelanlauf befänden sich ältere Schäden mit fortgeschrittener Fäule. Im Anschluss an diese Schäden seien Stockfäulen mit mindestens 60 Zentimetern Tiefe entstanden. „In der Summe ist dadurch circa ein Viertel des Wurzelgewebes betroffen, was eine enorme Beeinträchtigung der Versorgungsleistung des Baums zur Folge hat“, stellt der Kreisfachberater fest.

Oft würden sich bei älteren Bäumen die Folgen von Schädigungen aus dem Wurzelbereich erst nach Jahren in der zu versorgenden Krone zeigen. Das sei auch bei dieser Eiche der Fall, so Klinger.

Die frühere Grundstücksbesitzerin und damals schon über 70 Jahre alte, ehemalige Lehrerin Therese Greimel hatte im Jahr 1983 den Antrag gestellt, den Baum unter Naturschutz zu stellen. Schon ihr Großvater hatte die Eiche gepflanzt. Taufkirchens Gemeindearchivar Konrad Karbaumer geht deshalb davon aus, dass der Baum mindestens 150 Jahre alt sein muss. Viele Taufkirchener schätzen ihn wegen seines Durchmessers noch wesentlich älter.

Weil dem Antrag stattgegeben wurde, liegen Pflege und Verkehrssicherungspflicht seither beim Landkreis. Zum Vorwurf vieler Taufkirchener, dass der radikale Zuschnitt dem Baum geschadet habe, gibt es von der Behörde folgende Stellungnahme: „Laut unserer Dokumentation war die Eiche bereits seit 2014 geschwächt. Im Dezember 2014 wurde deshalb eine Kronenpflege durchgeführt. 2017 war der Baum mit erneut starkem Totholz nicht mehr verkehrssicher. Die Eiche wurde deshalb im November 2017 von einer Fachfirma unter Erhalt des natürlichen Habitus zurückgeschnitten.“ Bei dieser Maßnahme seien absterbende Kronenteile so weit wie möglich zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit zurückgenommen worden.

Dieser Zuschnitt sei nicht nur für die Verkehrssicherung notwendig gewesen. Er sollte eigentlich den Austrieb der Eiche anregen: „Das sollte eine Rettung des Baums sein und ihn zu neuen Kräften verleiten. Aber scheinbar ist der Baum im Wurzelbereich schon so stark geschädigt, dass er auf diesen Rückschnitt nur minimal reagiert hat.“ Ein weiterer Rückschnitt im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht sei geplant.

Birgit Lang

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