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14.000 Euro Miete für ein leeres Haus - Jugendhilfeverein verzweifelt: „Treiben uns fast in den Ruin“

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Von: Hans Moritz

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Steht wieder leer: Der frühere Gasthof zur Post in Taufkirchen, Ex-Quartier für junge Flüchtlinge.
Steht wieder leer: Der frühere Gasthof zur Post in Taufkirchen, Ex-Quartier für junge Flüchtlinge. © Birgit Lang

In den großen Strom an Flüchtlingen, die ab 2015 in den Landkreis kamen, hatten sich auch viele Jugendliche gemischt. Sie mussten in besonderer Weise betreut werden.

Taufkirchen –Im Erdinger Land übernahm das im Auftrag des Jugendamts unter anderem der Münchner Jugendhilfeverein Condrobs. Er brachte die so genannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF) im ehemaligen Gasthof zur Post in der Taufkirchner Ortsmitte unter. Das Gebäude mietet der Landkreis von einem Landshuter Ehepaar und untervermietet es an Condrobs – für monatlich 14 000 Euro kalt.

Nun ist die Welle abgeebbt, die Einrichtung steht seit Mitte 2018 leer. Aber die Mietkosten laufen weiter. „Und die treiben uns nun fast in den Ruin“, heißt es in einem unserer Zeitung vorliegenden Brandbrief von Condrobs an die Kreisräte. Sie appellieren an den Landkreis, dem Verein entgegenzukommen und die Ausfallkosten sowie die Immobilie zu übernehmen. „Wir haben keine Millionen übrig. Und wenn wir sie hätten, würden wir sie in dringend notwendige Präventions- und Hilfemaßnahmen stecken“, schreibt Geschäftsführende Vorsitzende Eva Egartner.

Condrobs kann nach fünf Jahren aus Mietvertrag aussteigen

Sie hofft auf Fairness, denn Condrobs sei dem Landkreis seinerzeit erheblich entgegengekommen. Egartner erinnert daran, dass der Landkreis Anfang 2015 Condrobs um Hilfe bei den UMF ersucht habe. Der Verein solle den einstigen Gasthof mieten und die UMF dort rund um die Uhr zu betreuen. Dafür sei mit dem Jugendamt ein Tagesentgelt vereinbart worden. Am 1. Juli 2015 stieg Condrobs in Betreuung und Unterbringung mit zwölf hauptamtlichen Kräften ein. Anfangs waren die 24 Plätze gut ausgelastet.

Die Geschäftsführerin weist darauf hin, dass Finanzvorstand Florian Willeitner schon damals das Risiko als hoch eingestuft habe. „Die Kaltmiete von 14 000 Euro im Monat wurde von uns als zu hoch bewertet. Auch wollten wir keinen Mietvertrag über zehn Jahre abschließen, wie der Vermieter das gefordert hat“, heißt es in dem Schreiben. Dennoch kam der Vertrag zustande. Egartner verweist aber auf einen Passus, demzufolge Condrobs nach fünf Jahren aus dem Mietvertrag aussteigen könne, also im Juli 2020. Der Landkreis würde dann einspringen.

Grenzschließung zeigt auch in Taufkirchen Wirkung

Zudem habe die Kreisverwaltung erklärt, dass es auch dann genügend Bedarf für stationäre Jugendhilfe gebe, wenn nicht genügend UMF nachkommen. Egartner zitiert die Behörde mit der Einschätzung, dass „eine Umsteuerung in diesem Fall kein Problem wäre“.

Bereits Anfang 2017 zeigte die Grenzschließung Wirkung – es kamen immer weniger UMF nach Taufkirchen. Damit stiegen die finanziellen Sorgen von Condrobs. Denn der Verein bekam lediglich Pro-Kopf-Tagesentgelte für die 24 Plätze. Die Einnahmen sanken laufend, Mitte 2018 wurde die Betreuung ganz eingestellt.

Egartner berichtet von Nachverhandlungen mit dem Jugendamt. Ab Mitte 2017 hätte Condrobs auch einheimische Jugendliche aufnehmen können. Es habe aber nur zwei Zuweisungen gegeben. Seither sei ein Defizit von 365 000 Euro entstanden. Bis die Ausstiegsklausel greift, könnte Condrobs knapp eine Million Euro Kosten entstanden sein.

Landrat: „Wir schätzen Condrobs als Träger sehr“

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erklärt auf Anfrage, dass man gemeinsam eine Lösung suche. „Wir schätzen Condrobs als Träger sehr. Er ist und bleibt als Anbieter ambulanter Hilfen ein wichtiger und geschätzter Partner.“ Er bestätigt die Austrittsklausel zum 1. Juli 2020, hält einen Ausstieg davor aber für schwierig. „Wir streben bezüglich einer Nachfolgenutzung jedoch einen einvernehmlichen Weg an. Seit Sommer vorigen Jahres laufen Gespräche über eine sinnvolle Folgenutzung, mit der Condrobs möglicherweise entlastet werden kann.“ Die finale Entscheidung treffe jedoch der Kreisausschuss.

Zum 1. April 2019 übernimmt Condrobs ein Sucht-Präventionsprojekt im Landkreis. Auch in der sozialpädagogischen Familienhilfe ist der Verein in Erding aktiv.

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