Der erste Eintrag ins neue Goldene Buch: Gerade hatte Franz Hofstetter die Urkunde als Altbürgermeister erhalten (Bild l., vorne), schon gab er ein Autogramm. Es gratulierten (v. r.) Gattin Gabi, Landrat Martin Bayerstorfer und Bürgermeister Stefan Haberl.
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Der erste Eintrag ins neue Goldene Buch: Gerade hatte Franz Hofstetter die Urkunde als Altbürgermeister erhalten (Bild l., vorne), schon gab er ein Autogramm. Es gratulierten (v. r.) Gattin Gabi, Landrat Martin Bayerstorfer und Bürgermeister Stefan Haberl.

Ehrenabend

Der Tempomacher: Franz Hofstetter zum Altbürgermeister von Taufkirchen ernannt

Die Gemeinde Taufkirchen hat einen Visionär und leidenschaftlichen Baumeister geehrt. Franz Hofstetter  wurde nach seiner 24-jährigen Amtszeit zum Altbürgermeister ernannt.

Taufkirchen – „Tempo, Tempo, Tempo – schnell genug konnte es dir nie gehen“ – so beschrieb Taufkirchens Bürgermeister Stefan Haberl am Freitagabend seinen Vorgänger Franz Hofstetter. Im kleinen Kreis seiner Familie, ehemaliger und aktueller Gemeinderäte sowie Mitarbeitern und Weggenossen, alle bedacht auf Corona-Abstand, ernannte Haberl den 65-Jährigen, der sich noch im Kreistag und im Bezirkstag sowie als Vize-Landrat engagiert, zum Altbürgermeister – „eine seltene Ehre“, betonte er.

Dabei ging es ruhig, ganz ohne Hektik, fast schon familiär im Bürgersaal zu, umrahmt von sanften Jazzklängen gesungen von Iris Gerlach, begleitet von Hans Hartmann an der Gitarre. Seine Laudatio begann Haberl mit einer Zeitreise ins Jahr 1996, als Roman Herzog, Helmut Kohl und Bill Clinton noch an der Macht waren, die Deutschen die Fußball-EM gewannen und er selber erst 13 Jahre alt gewesen sei. Damals sei Hofstetter nach einem „aufsehenerregenden Wahlkampf“ zum Bürgermeister von Taufkirchen gewählt worden.

Kaum einer habe daran gedacht, dass seine Ära fast ein Vierteljahrhundert dauern würde – eine Auszeichnung der Bürger, die ihn immer wieder gewählt hätten. Keiner seiner Vorgänger im vergangenen Jahrhundert habe es nur annähernd auf eine so lange Amtszeit gebracht. Taufkirchen habe damals noch knapp 8200 Einwohner gehabt. Statt Internet gab es noch Serienbriefe, im Rathaus keine EDV, Gemeinderatsitzungen ohne Rauchverbot, und die Bauhofmitarbeiter waren noch über Funk zu erreichen.

„Mit außerordentlichem Engagement, sehr hoher Arbeitsdisziplin mit Zähigkeit und Verhandlungsgeschick hast du aus einer beschaulichen Gemeinde eine pulsierende Kommune mit hoher Lebensqualität gemacht“, lobte Haberl seinen CSU-Parteifreund. Als „Baumeister der Moderne“ und Visionär habe Hofstetter Meilensteine für die Zukunft gesetzt, erklärte er und zählte nur die wichtigsten auf.

Das Herz der Gemeinde stehe nun im Ortszentrum: das neue Rathaus-Areal mit großzügigen Aufenthaltsbereichen, Grünanlagen und Parkplätzen. Dieses Mammut-Projekt habe der gelernte Bauingenieur mit viel Fingerspitzengefühl vorangetrieben. 2016 habe er das Wasserschloss in kommunale Hand zurückgeführt – „das Märchenschloss als kultureller Mittelpunkt der Gemeinde“, gehöre wieder den Bürgern.

2006 habe Hofstetter mit dem Mehrgenerationenhaus ein Vorzeigeprojekt eingerichtet. Die Schulsozialarbeit habe er 1996 ins Leben gerufen, als es noch keine Zuschüsse dafür gab. Ein Highlight sei auch die Einweihung des Vilstalradwegs im Jahr 2000 gewesen. Aus Taufkirchen habe er so nicht nur einen größeren und schöneren Ort gemacht, sondern auch einen lebenswerten und familienfreundlichen, sagte Haberl. „Bauen ist und bleibt dein großes Steckenpferd.“

Ein Wermutstropfen hänge noch an der B 388. Seit 1998 habe er sich mit Nachdruck für die Umgehung eingesetzt. Zumindest den Spatenstich hätte es in seiner Amtszeit geben können.

Wichtig sei dem langjährigen Bürgermeister auch die Beteiligung vieler Bürger am Leben in der Vilsgemeinde gewesen. Anfangs als „Geburtshelfer, später als Vorsitzender vieler Gremien“ habe er mit seiner Begeisterung und seinem unermüdlichen Engagement die Menschen anstecken können, gemeinsam für alle die Lebensqualität zu verbessern.

Unermüdlich habe sich Hofstetter für die Eröffnung des Ärztehauses eingesetzt, 2017 habe sich diese Vision erfüllt. Den Wirtschaftsstandort Taufkirchen habe er gestärkt und ausgebaut, mehr als 800 Arbeitsplätze wurden allein in den vergangenen 15 Jahren geschaffen. Mit dem Aufstellungsbeschluss für die Gutswiese 2018 habe er als Bezirksrat zur Sicherung des Klinikstandorts beigetragen.

Der Faktor Zeit sei für den Bürgermeister und seine Mitarbeiter immer eine Herausforderung gewesen: „Schnell genug konnte es dir nie gehen.“ Zielstrebigkeit, Ausdauer und Tempo lege Hofstetter auch privat an den Tag, ob daheim, beim Radeln oder beim Bergsteigen. „Fast könnte man glauben, du lebst auf der Überholspur.“

Ohne die Unterstützung und das Verständnis seiner Frau Gabi und seiner Kinder hätte Hofstetter nie so erfolgreich sein können, betonte Haberl und überreichte der Gattin einen Blumenstrauß.

Die Verleihung des Titels „Altbürgermeister“ sei ihm sehr wichtig gewesen, sagte Haberl. Am 12. Mai habe der Gemeinderat dies beschlossen. „Es macht uns stolz, dass wir einen Altbürgermeister haben, der jung und vital ist und immer noch Visionen und Ideen voranbringt.“

Für den ersten Eintrag ins noch jungfräulich-neue Goldene Buch gebe es keinen schöneren Anlass. Damit wolle man ihn und seine Verdienste würdigen. Mit lang anhaltenden stehenden Ovationen dankten ihm die Anwesenden.

Landrat Martin Bayerstorfer sinnierte darüber, dass die Verabschiedung von Bürgermeister Konrad Maier vor 24 Jahren noch in der großen Turnhalle vor gut 250 Leuten mit vielen Festrednern stattgefunden habe. Nun gebe es coronabedingt keinen riesigen Festakt. Aber Hofstetter könne nun auch seinen Einstand als neuer stellvertretender Landrat ruhig angehen lassen. „Seit 1996 kennen wir uns, sind Freunde und haben viel gemeinsam erreicht“, so der Landrat.

Als Nachbar-Bürgermeister in Hohenpolding habe er ihn kennen und schätzen gelernt. „Du hast aus Taufkirchen eine moderne, weltoffene und inklusive Gemeinde gemacht.“ Er sei immer voran gegangen und ungeduldig gewesen, seine wegweisenden Entscheidungen nicht immer von allen verstanden worden.

Die vorbildhafte Bürgerbeteiligung in Taufkirchen zeige, dass es eine Bereicherung und keine Bedrohung darstelle, wenn viele gemeinsam die Zukunft gestalten. Als „vor Kraft strotzender Bürgermeister“ habe Hofstetter sogar die Nachbar-Bürgermeister gefordert anzuschieben.

Bayerstorfer freue sich, dass er nun einen Stellvertreter habe, der im sozialen und inklusiven Handeln auch künftig seinen politischen Schwerpunkt setzen werde. Er werde nicht einfach, die Herausforderungen der Zukunft zu stemmen, vieles werde sich ändern, aber Hofstetter werde die Geschicke auf Landkreisebene mitlenken und „unsere Interessen auf Bezirksebene“ vertreten.

Kurz ergriff auch Hofstetter noch das Wort, dankte dem Gemeinderat für diese „wunderbare Auszeichnung“. Für ihn sei dies eine Ehre ebenso wie 24 Jahre lang Bürgermeister gewesen sein zu dürfen. „Nun sind die Fronten geklärt. Ich bin nicht der ehemalige, der frühere, sondern der Altbürgermeister.“ Seinen Vorrednern dankte er ebenso wie seiner Familie, auf die er stolz sei, und strahlte seine Enkel Tilda und Pepe immer wieder an, die heute „artig und schüchtern“ seien. Auch seine vielen Mitstreiter würdigte der 65-Jährige, die gemeinsam mit ihm versucht hätten, Visionen umzusetzen und dieses wunderschöne Stück Erde als Heimat weiter zu entwickeln.

Birgit Lang

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