Es wird nicht günstiger. Architektin Anneros Rieger zur Überlegung, den Bau aufzuschieben
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„Es wird nicht günstiger.“ Architektin Anneros Rieger zur Überlegung, den Bau aufzuschieben.

Projekt an der Gutswiese

Kinderhaus sorgt für Kostenschock

  • VonBirgit Lang
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Das Taufkirchener Bauprojekt an der Gutswiese wird wohl doppelt so teuer wie geschätzt. Der Gemeinderat ist geschockt und hofft auf den Faktor Zeit.

Taufkirchen – Dass die Baukosten rasant gestiegen sind, ist bekannt. Als Architektin Anneros Rieger dem Taufkirchener Gemeinderat aber die Kostenschätzung für das geplante Kinderhaus mit Arzt- und Hebammenpraxen, Zentrum der Familie und Gemeindewohnungen an der Gutswiese vorstellte, waren alle „geplättet“. Mit so viel hatte keiner gerechnet. Über 11,93 Millionen Euro brutto soll das Projekt kosten. Nach Abzug der Förderungen müsste die Gemeinde immer noch mehr als 9,64 Millionen Euro berappen.

Zuvor hatte die aus Dorfen stammende Rieger vom Münchner Architekturbüro Haindl den Vorentwurf für die beiden Baukörper samt Freianlagen mit Erdwall, Lärmschutz und Nebengebäuden vorgestellt.

Die Kosten gliedern sich auf in Kinderhaus (7,23 Millionen Euro) und Bauteil Ost (4,7 Millionen Euro). Gebaut werden soll massiv mit Satteldach, verputzten Fassaden, Fluchtbalkon und -treppe. Beide Gebäude würden an die Fernwärme angeschlossen und das Kinderhaus mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. Eine PV-Anlage könnte nachgerüstet werden, ebenso PKW-Ladesäulen. Aktuell sei eine vorgesehen.

Energetische Förderung gebe es rund 500 000 Euro, allerdings sei diese an enorme Auflagen gebunden. „500 000 Euro hört sich gut an, das geht aber für den Mehraufwand drauf und der Bauablauf wird schwieriger“, gab sie zu bedenken.

Rieger ging von 2,17 Millionen Euro Förderung für das Kinderhaus aus. Für die Stellplätze beidseitig veranschlagte sie weitere 80 000 Euro.

„Ob wir uns das zum jetzigen Zeitpunkt leisten können“, bezweifelte Rat Martin Huber (Afd). Zumal er davon ausging, dass es nicht bei den 9,64 Millionen bliebe, weil der „Druck auf dem Bausektor so hoch“ sei. Bernd Friedrich (SPD) wollte wissen, mit welchen Nettoeinnahmen für die Vermietung der vier Wohnungen und der Praxen zu rechnen sei. Geschäftsleiter Martin Bauer vertröstete ihn. Man wolle solide Zahlen vorlegen, das könne man erst nach der Sommerpause.

Vor zwei Jahren sei die grobe Kostenschätzung noch bei vier bis fünf Millionen Euro gelegen, jetzt sei die Summe doppelt so hoch, bemängelte Hannes Mundigl (EiMo). „Ich weiß nicht, wie wir das als Gemeinde schultern sollen. Da laufen uns die Kosten davon“, befürchtete er und riet, nicht in die weiteren Planungsphasen zu gehen.

CSU-Rat Christoph Puschmann schlug vor, erst alle Punkte zu durchleuchten und alle Fördermittel abzuklopfen. „Wir brauchen ein weiteres Kinderhaus, das steht außer Frage.“ Auch wolle man die ärztliche Versorgung stärken und die Hebammenpraxis halten. Er schlug vor, auf den Faktor Zeit zu setzen und Entwurf und Baueingabe in Auftrag zu geben. Diese seien mit 317 000 Euro eingepreist. „Sonst kann es uns zum Nachteil gereichen, wenn wir jetzt ein dreiviertel Jahr pausieren.“

Architektin Rieger betonte, dass es wichtig sei mit Vorlauf auszuschreiben, die Kosten würden nicht runtergehen. Sie schlug vor, weiterzumachen. „Es wird nicht günstiger.“ Wenn es „spitz auf Knopf“ stehe, könne man auch zwei getrennte Bauabschnitte machen. Um zeitlich nicht „in die nächste Bredouille“ zu geraten, dürfe man die Planung nicht aussetzen, sagte auch Manfred Slawny (SPD).

Huber meinte hingegen: „Die Preise werden runtergehen“, weil sich die explodierenden Preise auf den privaten Sektor ausgewirkt hätten. Seine These ist es, „antizyklisch zu bauen“, wenn Bauboom sei, müsse sich der Staat zurückziehen und umgekehrt. Auch er empfahl, auf Zeit zu setzen. „Dass wir was machen müssen, steht außer Frage“.

Der Gemeinderat beschloss schließlich einstimmig, den Vorentwurf samt Kostenschätzung zu genehmigen und erteilte die Freigabe für den Entwurf und die Baueingabe.

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