Endmontage: Harry Seeholzer befestigt im Weidenhain den Taufkirchener Friedensengel auf dem Osterei.
+
Endmontage: Harry Seeholzer befestigt im Weidenhain den Taufkirchener Friedensengel auf dem Osterei.

Skulptur von Harry S.

Das größte Osterei im Landkreis

Im Taufkirchener Weidenhain steht nun das größte Osterei des Landkreises. Aufgestellt hat es Harry Seeholzer. „Ein Geschenk an die Gemeinde“.

Taufkirchen – „Es ist ein Geschenk an die Gemeinde: das größte Osternest des Landkreises mit dem größten Osterei. Auf dem Osterei sitzt ein Engel. Denn in dieser Zeit kann man garantiert einen Engel gebrauchen, ein Schutzengel für die Gemeinde, damit alle gesund bleiben“, sagt Harry Seeholzer. Somit hat auch Taufkirchen jetzt seinen Friedensengel.

Der Erdinger Künstler hat ihn am Karsamstag am Weidenhain mit Hilfe eines Krans aufgestellt. Drei Meter hoch ist der Engel, drei Tonnen schwer allein das Ei. Beides hat er in zweieinhalb Monaten Arbeit in seiner Werkstatt in Karbaum aus dicken Eichenstämmen mit der Kettensäge geformt. Allein für jeden der beiden Flügel brauchte es Stämme mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern, erklärt er. Mit Bronze hat er den Engel angemalt. „Es war im Prinzip die Gussfigur für den Friedensengel vom Flughafen, den ich vor einiger Zeit aus Bronze gegossen habe“, erzählt Harry S.

„Ich mache gerne tiefe Kerben rein“

Seeholzer hat auch seine neueste Skulptur auf dem 8000 Quadratmeter großen Gelände zwischen der Vils und der B15 in seinem typischen Stil gefertigt. „Ich mache gerne tiefe Kerben rein, die bringen die Fahrer, die geworfenen Linien und Striche wie in meinen Gemälden rein“, meint er. Dadurch erzeuge er mehr Konturen, mehr Licht und Schatten, mehr Kontraste in seinen Werken. „Das ist mein eigenes Stilmerkmal.“

Den ganzen Samstag war er mit Leon, dem Sohn seiner Frau Susanne, am Werkeln. Zuerst wurde eine vier Quadratmeter große Betonplatte ins Weidennest gehievt, darauf der wuchtige Eichenstamm mit dem Ei oben platziert. Der Engel flog quasi zum Schluss ein, gehalten von einer schweren Kette und einem Rundband. Mit Haltestangen und PU-Kleber wurde die Figur auf dem Holzei befestigt. Vorher hatte Seeholzer noch eine kleine, geschnitzte Nike-Figur, die Siegesgöttin, in der linken Hand der Skulptur verschraubt und in der rechten Lorbeerzweige als Symbol des Sieges und Friedens. Das Nest hat er schon vergangenes Jahr „gepflanzt“. Über die Jahre sollen dort immer wieder Weiden eingeflochten werden, damit es ein grünes Nest wird, erklärt er. Damit entstehe ein schöner farblicher Kontrast, denn das Ei habe er zuerst weiß und dann blau angestrichen.

Wegen Corona: Weidenhain aktuell gesperrt

Auch, wenn der Weidenhain aktuell gesperrt ist, können Spaziergänger und Radler das neue Kunstwerk bewundern. Eigentlich wollte Harry S. den Friedensengel schon viel früher aufstellen. Aber mit schweren Maschinen konnte er in den vergangenen Wochen nicht in den Weidenhain fahren, sie wären eingesunken. Jetzt war der Boden aber so trocken, dass er auch mit schwerem Gerät rein konnte.

Ostern war der ideale Zeitpunkt. „Die Figur samt Ei hat einen Wert zwischen 8000 und 10 000 Euro, wenn man sie käuflich erwerben würde“, sagt der Künstler. Wichtig sind dem 60-Jährigen auch die richtigen Proportionen bei seinen überlebensgroßen Holzskulpturen. Als gelernter medizinischer Bademeister habe er schon rund 50 000 Leute massiert und kenne sich mit Muskeln und Körperbau bestens aus, erzählt Seeholzer.

Große Geschichten bestens in Szene setzen

Auch den klassischen goldenen Schnitt berücksichtigt er bei seinen Skulpturen bewusst, damit sie beispielsweise von unten betrachtet größer wirken, wie etwa der „Schamane“ an der Weidenkuppel. Dieser schwarze „Wächter des Weidenhains“, wie ihn Seeholzer nennt, steht dort schon seit gut zehn Jahren und hat mit dem Friedensengel weitere hölzerne Gesellschaft erhalten.

Das ist auch das Ziel des Taufkirchener Weiden- und Skulpturenparks, den der Bildhauer und Maler vor 13 Jahren als wachsendes Kunstprojekt für einen Zeitraum von 30 Jahren angelegt hat. Immer wieder kommt seither Neues hinzu. Neben der mächtigen Weidenkuppel, dem Schamanen oder einem Weidenlabyrinth sind dies auch massive Eichenstämme, die dem Areal bewusst etwas Mystisches verleihen und damit für seine starke Anziehungskraft bei Besuchern aus Nah und Fern sorgen. Außerdem kann Harry S. hier auch seine „großen Geschichten“ bestens in Szene setzen.

BIRGIT LANG

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare