Stoßstange an Stoßstange: Am Donnerstagnachmittag bot sich auf der Landshuter Straße Richtung der Taufkirchener Ortsmitte wieder ein gewohntes Bild. 
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Stoßstange an Stoßstange: Am Donnerstagnachmittag bot sich auf der Landshuter Straße Richtung der Taufkirchener Ortsmitte wieder ein gewohntes Bild. 

Bürgerbefragung

Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen

Für die Bürgerbefragung zum kommunalen Mobilitätskonzept wurden  2400  Taufkirchener angeschrieben. Aus 565 Antworten  leiten die Planer einige Probleme und Lösungsvorschläge ab.

Taufkirchen – Note vier – so bewerten die Teilnehmer einer Bürgerbefragung die allgemeine Verkehrssituation in Taufkirchen. Vor allem die beiden durch den Ort führenden Bundesstraßen werden als sehr negativ betrachtet. Sie verleiden den Taufkirchenern Radfahren oder Spazierengehen im Ort. Eine der Kernaussagen der für das kommunale Mobilitätskonzept erstellt Umfrage ist, dass Taufkirchen sehr autolastig ist. Über 90 Prozent der Befragten haben einen Pkw, den sie dauernd oder mehrmals wöchentlich nutzen.

Wie autolastig Taufkirchen ist, zeigt sich daran, dass 97 Prozent der Befragten einen Führerschein haben und die meisten Haushalte über zwei Pkws verfügen. Neun Prozent parken am Straßenrand, fünf Prozent sogar mit mehreren Fahrzeugen, was die Stellplatzsituation vor allem in Siedlungen erschwert. 87 Prozent der Bürger besitzen ein verkehrstaugliches Fahrrad, dessen Gebrauch wäre durchaus ausbaufähig.

Ziel des Konzepts ist, im verkehrsgeplagten Taufkirchen den Individualverkehr zu reduzieren und den Umweltverbund zu fördern. Beauftragt sind das Verkehrsplanungsbüro Obermeyer aus München und das Team Read Deutschland. Die Verkehrsplaner Hellmuth Ammerl und Alisa Picha-Rank sowie Mobilitätsforscher Franz Grimm und Tobias Kipp stellten dem Gemeinderat am Dienstag die Ergebnisse der im Mai durchgeführten Online-Bürgerbefragung vor.

2400 Bürger zwischen 14 und 80 Jahren seien dafür zufällig ausgewählt worden, erklärte Grimm. 565 komplette Interviews wurden abgegeben, das entspreche einer sehr guten Quote von 23,5 Prozent. 253 Befragte nannten konkrete Verbesserungsideen. 164 hatten kritische, 181 lobende Worte.

Thema war auch, wie sich das Corona-Virus auf die Verkehrsmittelnutzung im Alltag ausgewirkt hat. Dabei wurde ersichtlich, dass sich die Verkehrsnutzung in dieser Zeit um einiges verändert habe, sagte Grimm. Autos, Busse, auch der Gemeindebus wurden weniger genutzt. „Gewinner“ waren das Fahrrad und die Fußgänger. Viele Menschen hätten von Zuhause aus gearbeitet und würden dies laut Befragung künftig gerne weiter tun.

Durch die große durchschnittliche Distanz zum Arbeits- und Ausbildungsplatz biete das Auto allerdings einen großen Vorteil. Im Homeoffice und in flexiblen Arbeitszeiten sah der Mobilitätsforscher großes Potenzial, den Verkehr zu entlasten. „Man könnte ansässige Unternehmen mit ins Boot holen, dass man bei den Arbeitszeiten hier vor Ort zumindest etwas gestaltet, ob vielleicht Homeoffice-Angebote möglich sind, den E-Bike-Verkehr noch mehr ausnutzen, in dem man die Radwege ausbaut“, schlug er deshalb vor. Zudem könne man Unternehmen einen gemeinsamen Firmenbus vorschlagen.

Das Radwegenetz wird von den Bürgern als gut, aber ausbaufähig empfunden. Gute Noten gab es auch für den Gemeindebus, der jedoch eine bessere Auslastung vertragen könnte. Dazu sollte verstärkt publiziert werden, dass dieser kostenlos zu nutzen sei, meinte der Verkehrsplaner. Vorgeschlagen wurde hier von Bürgerseite auch, den Bus schon früher einzusetzen, damit er von Schülern in Anspruch genommen werden könne. Von der kostenlosen Nutzung des Gemeindebusses wussten bereits 68 Prozent der Bürger, vor allem über 65 Jahre.

Auffallend war, dass die immer wieder im Wahlkampf geforderte Ausweitung des Gemeindebusses in den Außenbereich gar nicht so positiv gesehen wurde. 76 Prozent beantworteten die Frage zu ihrer Nutzung mit „seltener, nie, keine Angabe“. Zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wurden bessere Taktungen nach Erding, Dorfen und Landshut sowie eine Anbindung des MVV an den Dorfener Bahnhof gewünscht.

Auch gemeinschaftliche Fahrzeugnutzungen wurden thematisiert. Der Idee einer Mitfahrbank stand die Hälfte der Probanden offen gegenüber. 40 Prozent unter denen mit ablehnender Meinung dazu würden allerdings Bekannte mitnehmen. Auch Carsharing wurde von 55 Prozent der Umfrageteilnehmer positiv beurteilt, aber auch hier die Diskrepanz, dass dies nur für 23 Prozent persönlich in Frage kommt.

Als nächste Schritte folgen Interviews mit verschiedenen Institutionen, beispielsweise Seniorenbeirat, Speditionen und Busunternehmen. Außerdem sind noch Workshops mit unterschiedlichen Arbeitsgruppen geplant, etwa dem Forum Inklusion. Diese sind aber zeitlich abhängig von der Corona-Pandemie-Entwicklung. 

Birgit Lang

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