Zu eng überholt wurde Heinrich Holbl hier bei einem Test auf der Erdinger Straße in Taufkirchen – von allen Autos. 
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Zu eng überholt wurde Heinrich Holbl hier bei einem Test auf der Erdinger Straße in Taufkirchen – von allen Autos. 

Neue Straßenverkehrsordnung

In Taufkirchen radelt die Angst mit: Autofahrer müssen Abstand halten

So wird es für Radler sicherer: Mit Plakaten weist  die Ortsverkehrswacht Taufkirchen weist auf schärfere Abstandsregeln in der Straßenverkehrsordnung hin.

Taufkirchen – Abstand halten ist seit Corona in aller Munde. Und auch im Straßenverkehr ist dieses Motto noch einmal wichtiger geworden. Die Ortsverkehrswacht Taufkirchen weist darauf mit neuen Landstraßen-Plakaten hin. Darauf steht in großen Lettern: „Abstand!“. Denn die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) fordert mindestens zwei Meter zwischen Kraftfahrzeugen und Fußgängern, Radfahrern und Elektrokleinstfahrzeugen, innerorts sogar eineinhalb Meter. Das gilt nun trotz der politischen Diskussion um Minister Scheuers Gesetzesnovelle.

Auch der ADFC Erding weist darauf mit Aktionen hin.

Dass das viele (noch) nicht wissen und noch mehr nicht einhalten ist ein Fakt. Kassier Heinrich Holbl hat deshalb den Test an der Erdinger Straße (B388) in Taufkirchen gemacht und fuhr nach 19 Uhr mit seinem Rad an dem Plakatständer mehrmals vorbei.

Keines der ihn überholenden Autos hielt den geforderten Abstand ein. Erschwerend kam hinzu, dass an dieser Stelle wegen eines nahen Straßenüberganges ein durchgezogener weißer Streifen die beiden Fahrbahnseiten trennt. Anstatt dem Radler auf dieser Länge notgedrungen langsam nachzufahren, haben die Autofahrer beim Überholvorgang sogar diese Linie überfahren.

„Ich finde es hervorragend, dass die Abstandsregelung eingeführt worden ist, auch dass sie außerorts auf zwei Meter erweitert wurde“, erklärt Horst Friedrich. Denn gerade außerorts würden Autofahrer viel zu knapp an Radlern vorbeifahren, so der kommissarische Vorsitzende der Ortsverkehrswacht, der bei dem Versuch dabei war.

Bis dato habe es immer geheißen „im ausreichenden Abstand, nun ist es klar definiert“, ergänzt Holbl. Auch er habe Angst, wenn der Abstand zu knapp sei, und Holbl ist Profi-Testfahrer für Autos. Gerade bei größeren Fahrzeugen habe man „eine gewisse Windbeeinträchtigung. Das kann schon mal blöd laufen“.

Auch ältere Personen und Kinder, die mit dem Rad innerorts in Taufkirchen unterwegs sind, hätten Angst. Sie werden immer wieder von ungeduldigen Autofahrern angehupt. Und mit dem Rad auf dem vermeintlich sichereren Gehsteig ausweichen dürfen sie ja auch nicht.

Die neue StVO will „mehr Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer“, sagen die Verkehrswachtler. Neben dem Mindestüberholabstand für Kfz seien noch weitere wichtige Punkte für den Radverkehr beschlossen worden, etwa Schrittgeschwindigkeit für rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen innerorts –also vier bis sieben, maximal elf Kilometer pro Stunde.

Zudem wurde das Parkverbot vor Kreuzungen und in Einmündungsbereichen ausgeweitet. Damit soll die Sicht zwischen Straße und Radweg verbessert und die Sicherheit für Radfahrer erhöht werden. Das Parken in einem Abstand von bis zu acht Metern von den Schnittpunkten der Fahrbahnkanten ist nun verboten, wenn ein straßenbegleitender baulicher Radweg vorhanden ist.

Vorsicht wird auch beim Ein- und Aussteigen gefordert. Wenn beispielsweise beim Aussteigen aus dem Auto der Schulterblick sowie der Blick in den Außenspiegel vergessen werde, so Friedrich, „dann riskiert man einen Dooring-Unfall, also eine Kollision von Radfahrern mit einer geöffneten Tür. Die Radler können sich dabei schwer verletzten. Das Verwarngeld bei einer Verletzung dieser Sorgfaltspflicht wurde von 20 auf 40 Euro verdoppelt, bei einer Sachbeschädigung können sogar 50 Euro fällig werden“.

Das Tragen von Fahrradhelmen ist immer noch freiwillig, aber auch dafür wirbt die Ortsverkehrswacht. Denn damit könnten nachweislich Folgen von Unfällen gemildert und in vielen Fällen Leben geschützt werden, betonen Friedrich und Holbl.

Birgit Lang

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