Volles Haus: Das Interesse der Taufkirchener Bürger war groß wie nie zuvor. Foto: Lang

Nach Diskussionen im Gemeinderat

Taufkirchen kauft das Wasserschloss

Nach zähem Ringen und über einstündiger Diskussion hat sich der Taufkirchener Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend mit 14:7 Stimmen entschieden: Das Wasserschloss wird gekauft. Dafür gab es Beifall von den zahlreich anwesenden Zuhörern.

Taufkirchen – Bürgermeister Franz Hofstetter hatte vorab kurz die aktuelle Situation skizziert. Die Erbengemeinschaft des letzten Schlossbesitzers Nico Forster wolle seit geraumer Zeit das Gebäude verkaufen oder aufgeben. Die gesicherten Nutzungsrechte seien für die Gemeinde immer schwieriger auszuüben, weil die Sanierungsarbeiten nicht abgeschlossen seien. Auch würden sich die Erben nicht um den Unterhalt kümmern, was verständlich sei. Die Gemeinde habe deshalb Gutachten von Fachleuten erstellen lassen und ein Nutzungskonzept erarbeitet.

Neben der Kirche sei das Wasserschloss das einzige Kulturerbe und Kulturstätte in der Ortsmitte, „das Herzstück, das dem Ort Charakter gibt“, sagte Hofstetter. Weitere Nutzungen seien mit dem Gebäude geplant, Nutzungen, die für ein Mittelzentrum nötig seien. Große Diskussion habe es beim Unterhalt des Gebäudes gegeben. Bei alten Gebäuden seien diese aber immer schwer abzuschätzen, meinte er. Die Finanzierbarkeit sei dargestellt worden. Rund 1,3 Millionen Euro (Kaufpreis 630 000 Euro plus Sanierungsmaßnahmen mit hoher Priorität 660 000 Euro) wären für die Gemeinde kein Problem. Wie das Gebäude betrieben werde, ob als GmbH, Stiftung oder anders, müsste nach einem Kauf noch entscheiden werden, meinte er und eröffnete damit die hitzige Diskussion.

Martin Huber (REP) betonte einmal mehr die Unsicherheitsfaktoren. Der Erwerb des Wasserschlosses sei „für die Gemeinde eine Nummer zu groß. Das kann uns das Gnack brechen, wenn das Grundwasser absinkt“, argumentierte er. Neben den 1,3 Millionen Euro kämen auch noch andere Kosten für Denkmalschutz und so weiter daher. Deshalb stellte er den Antrag auf ein Ratsbegehren, um die Bürger in die Entscheidung miteinzubeziehen. „Ich will nicht Panik schüren, ich sage nur: Es ist gefährlich.“

Dies wollte Manfred Slawny (SPD) so nicht gelten lassen. Er konterte, ein Ratsbegehren sei seiner Meinung nach das äußerste Verfahren, wenn der Gemeinderat nicht mehr selber entscheiden könne, ein Zeichen „totaler Unsicherheit“, um sich nicht der Verantwortung stellen zu wollen, diese lieber der Bevölkerung zu überlassen: „Wenn uns die Entscheidung zu schwierig ist, dann sitzen wir hier am falschen Platz.“

CSU-Rätin Anneliese Mayer pflichtete ihm bei. Viel Vorarbeit sei geleistet worden, „belastbare“ Fakten und Zahlen sowie eine Unterschriftenliste der Bürger lägen vor. Auch habe es eine Bürgerversammlung gegeben, wo jeder seine Meinung sagen konnte. Die Gemeinde brauche Kultur, habe nicht nur Pflichtaufgaben zu erfüllen. Das Wasserschloss biete die idealen Voraussetzungen dazu. „Die Chance, dieses Kulturgut für Bildung, Kultur und Freizeit zu erwerben“, sei einmalig. Hinzu käme auch noch die Schlosskapelle mit ihrem einzigartigen Silberschatz.

Die vorgelegten Zahlen der Gutachter und der Gemeinde stellte Peter Attenhauser (REP) infrage. Er ging von einer höheren Summe aus, zog auch ein früheres Gutachten des Bezirks heran, das zwölf Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt habe. Die Frage sei: „Können wir uns das leisten, bis es völlig hergerichtet ist“? Wenn er die anderen Ausgaben betrachte, die für den Schulhausbau, Brücken, Straßen und die wachsende Zahl Obdachloser anfallen würden, „dann vergeht mir der Appetit aufs Schloss“.

Bürgermeister Hofstetter, zugleich Bezirksrat, erklärte die damaligen Hintergründe, warum der Bezirk Abstand vom Wasserschloss genommen habe. Weil sie Kloster Seeon kurz zuvor erworben hatten und die Sanierung große Geldsummen verschlungen habe: „Heute sind sie froh und stolz darauf.“ Die von der Gemeinde veranschlagten Kosten seien ohne Zuschüsse und ohne Umsatzsteuerrückerstattung angesetzt. „Damit wir einen Puffer haben.“ Es stehe aber außer Frage, dass hohe Kosten für die Investition und den Unterhalt anfallen. Ihm sei aber der Nutzen, den er aus dem Gebäude ziehe, dies wert, erklärte Hofstetter.

Dass das vorliegende Zahlenmaterial immer wieder angezweifelt werde, obwohl es von neutralen Büros errechnet wurde, konnte CSU-Rat Christoph Puschmann nicht verstehen. „So transparent war eine Sache noch nie“, sagte er und plädierte dafür: Trotz guter Zukunft dürfe die Gemeinde ihre Herkunft und ihre Geschichte nicht vergessen. Das Objekt sollte unbedingt erworben werden, denn es stecke noch unglaublich viel Potenzial darin. Die Einrichtung biete schon jetzt ein weites Spektrum. Wo sollte dies alles untergebracht werden, wenn das Schloss nicht gekauft werde? Attenhauser erwiderte: „Das Schloss nimmt uns keiner. Wir haben das Nutzungsrecht. Wir müssen keinen Ersatz schaffen. Das Schloss ist für uns nicht verloren, wenn wir es nicht kaufen. Das stimmt überhaupt nicht.“

Dass Taufkirchen stolz sein könne, ein solches Schloss zu haben, warf SPD-Rätin Sosa Balderanou-Menexes ein – und sie sei Migrantin. „Ich bin für den Kauf des Wasserschlosses“, stellte sie fest und ärgerte sich ebenfalls, dass die Gutachten und Zahlen ständig angezweifelt würden.

In den vergangenen Jahren habe der Gemeinderat viele mutige Entscheidungen getroffen, sei er seiner Zeit oft voraus gewesen, etwa beim Mehrgenerationenhaus. „Wir haben nie zu hoch gepokert“, ergänzte ihr Parteigenosse Slawny. Nicht vergessen dürfe man auch die Verbundenheit der Taufkirchener zu ihrem Schloss, die Arbeitsplätze, die es hier gebe.

Einen Investitionsplan für die nächsten zehn Jahre forderte Korbinian Empl (FW). Er habe mit dem Kauf zwar kein Problem, sehe aber andere geplante Projekte dadurch in Gefahr. „Es wird auch Jahre geben, in denen wir wesentlich schlechtere Steuereinnahmen haben. Das ist mir ein zu großes Risiko.“ Dem hielt Hofstetter einen Finanzierungs- und zeitlichen Ablaufplan entgegen, der die geschätzten Ausgaben für das Wasserschloss und die Schule bis ins Jahr 2022 aus Sicht der Verwaltung aufzeigte. „Wir gehen sehr vorsichtig an das Thema ran“, beteuerte er und erklärte: „Es ist möglich, es wird auch anstrengend, aber wir sind handlungsfähig.“ Aktuell verfüge die Gemeinde über 1,9 Millionen Euro liquide Mittel.

Was die Finanzierung und Haushaltsplanung anbelange, ging CSU-Rat Stefan Haberl davon aus, dass sich die Gemeinde das Schloss leisten könne. Auch die Liquiditätsplanung spreche für eine hervorragende Vorbereitung, meinte der Bankangestellte. Auf das Urteil der Fachplaner könne man sich verlassen. Sepp Fanger (Einigkeit Moosen), der zweite Bänker im Gremium, teilte Haberls Meinung nicht: „Mir ist die Sache zu heiß.“ Die Zahlen der Gemeinde seien zwar bestimmt nicht getürkt, meinte er. Ihn schreckten jedoch die Mehrkosten, mit denen zu rechnen sei.

Das letzte Wort ergriff der Bürgermeister. Ihm gehe es auch um das gemeinsame Zusammenleben. Wie im Außenbereich in Gebensbach, aktuell in Hofkirchen oder bei der Dorferneuerung in Moosen – überall wolle man versuchen, öffentliche Einrichtungen zu schaffen, wo Gemeinschaftssinn und Miteinander gehegt und gepflegt werden könnten. Mit dem Wasserschloss sei es ebenso. Dann rief er zu Abstimmung auf. Hubers Antrag auf ein Ratsbegehren wurde gegen sechs Stimmen abgelehnt. Bei der Abstimmung über den Schlosskauf stimmten sieben Gemeinderäte dagegen: Peter Attenhauser, Stephan Bachmaier, Valentin Bitzer, Korbinian Empl, Kurt Empl, Josef Fanger und Martin Huber.

Birgit Lang

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