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Zu kleine Öffnung für den jungen Baum: Betty Illner und Christa Manschek (r.) können sich mit der Bepflanzung nicht anfreunden. „Da hat man das Gefühl, die Bäum würden verhungern“, sagt Manschek.

Riesengebäude und Minibäume

Kritik an Bepflanzung des Taufkirchener Sparkassen-Platzes

„Was wollt ihr mit euren Spielzeugbäumen?“ Betty Illner und Christa Manschek haben Probleme mit der Bepflanzung vor der Sparkasse.

Taufkirchen – Ganz unglücklich sind Betty Illner und Christa Manschek über die Bepflanzung am Sparkassen- und Ärztehaus in Taufkirchen. Illner, langjährige Gartenbau-Abteilungsleiterin des örtlichen Heimat- und Verschönerungsvereins, befürchtet, dass die sechs gepflanzten kleinkronigen Bäume – es handelt sich um die Thüringische Säulenmehlbeere – an diesen Standorten nicht alt werden, „weil sie zu sehr zugepflastert sind“.

Schon jetzt zeigten sich erste Risse an den Stämmen, ein Zeichen für mangelnde Versorgung. Wenn durch ein so großes Gebäude so viel Grund versiegelt werde, dann müssten zum Ausgleich anderswo Bäume gepflanzt werden, betont Illner. Aber sie kann die Vorgehensweise der Verantwortlichen verstehen. Denn eine Öffnung würde die Gefahr in sich bergen, dass Passanten darüber stolpern können, sagt sie. „Gedanken- und gefühllos“ findet die Moosenerin Manschek die Bepflanzung. „Da hat man immer das Gefühl, die Bäume müssen verhungern.“

Riesengebäude und Minibäume

lllner hat eine Alternative parat: In Erding und anderen Städten würden solche Öffnungen mit ebenerdigen, Wasser durchlässigen Gittern zugedeckt. Das müsste für Taufkirchen auch funktionieren, schlägt sie vor. Das Problem sei, dass die Öffnungen für die einzelnen Bäume nur eine Grundfläche von weniger als einem Quadratmeter hätten. Ein Baum brauche aber mindestens eine Öffnung, die so groß ist wie sein Kronendurchmesser. Denn so schicke er seine Wurzeln aus, erklärte die Garten- und Baumexpertin.

Sie schätzt, dass die Bäume am Sparkassen- und Ärtzehaus an die acht Meter hoch werden. „Auch von der Proportion stimmt es hinten und vorne nicht. So ein Riesengebäude – und dann diese Minibäume.“

Streusalz im Winter ein Problem für die Bäume

Das findet auch die Moosenerin Manschek, deren verstorbener Mann Landschaftsarchitekt und jahrzehntelang Vorsitzender des Bundes Naturschutz, Ortsgruppe Taufkirchen-Holzland, war. Traurig sei es, dass bei einem solch großen Gebäude nur so ein bisschen Erde für die Bäume übrig bleibe. „In einer Zeit, in der die Kinder auf die Straße gehen und für den Klimaschutz demonstrieren und die Bäume kaputt gehen, werden wir mal um ein bisschen Schatten froh sein“, prophezeit Manschek.

Ein weiteres Problem könnte das Salz werden, das im Winter gestreut wird. Das könne man an der Bepflanzung vor dem Rathaus und der Kirche erkennen, die schon mehrmals ausgetauscht wurde, erklärte lllner. Wichtig sei es deshalb, Bodenschützer wie Feuerdorn um die Bäume zu pflanzen. Damit werde die Feuchtigkeit im Boden gehalten, es würde schön blühen, und Hunde würden dort nicht mehr reingehen, weil der Feuerdorn steche.

„Was wollt ihr mit euren Spielzeugbäumen?“

Ein Trauerspiel seien auch oft die Bepflanzungen an Supermärkten, um die sich keiner kümmere, kritisieren die beiden Frauen. Nachpflanzungen gebe es so gut wie nie. Illner kritisiert, dass oft nur kleine Bäume empfohlen würden. „Aber was wollt ihr mit euren Spielzeugbäumen? Da kann man nicht mal mehr mit dem Rasenmäher herumfahren. Ein großer Baum macht ja nicht mehr Arbeit“, betont sie. Im Gegenteil: Sie nehmen sehr viel Kohlendioxid auf. Zugleich produziere ein großer Baum Sauerstoff für bis zu 20 Menschen, er kühle im Sommer die Luft um zwei bis vier Grad runter und biete angenehmen Schatten.

Aber „Bäume haben keine Lobby“, bedauert die Taufkirchenerin. Deshalb engagiert sie sich seit Jahren. So wurde heuer hinter der Kirche auf ihre Initiative eine Silberlinde gepflanzt, eine Spende des Landesverbands für Gartenbau. Und am südlichen Weg zum Schloss will sie noch eine Flatterulme, den Baum des Jahres, ansiedeln. Sie brauche viel Wasser. Und wenn man schon keine großen Bäume mehr wolle, dann sollte man zumindest die Häuserwände begrünen, auch das bringe was für die CO2-Bilanz. Eine Kletterpflanze wie Efeu oder Wilder Wein bringe eine ähnliche Luftreinigung wie ein Baum. Außerdem würden Vögel darin nisten und hier jede Menge Nahrung finden. Manschek erklärt, dass diese Problematik in den Städten erkannt worden sei. Dort würden wegen der Hitze und fehlenden Platzes immer häufiger die Wände begrünt.

Für das Taufkirchener Sparkassen-Gebäude würde sich Wilder Wein als Notlösung empfehlen, weil der bis zu zwölf Meter hoch wächst, sagt lllner.

Birgit Lang

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