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176 Seiten Heimatstolz: An der Broschüre mitgearbeitet haben (v. l.) Carolin Stanglmayr vom Rathaus, Kompass-Macher Sepp Moser, Bodo Gsedl, Renate Bauer, Verwaltungsleiter Martin Bauer und die gelernte Fremdsprachenassistentin Christine Schick. Bürgermeister Franz Hofstetter hatte ihnen die anspruchsvolle Aufgabe zugetraut.

Neue Broschüre über Taufkirchen

Oft vorne dran, immer offen für Neues: Taufkirchen 1996 bis heute

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Die neue Broschüre "Gut aufgestellt" zeigt Entwicklungen und Engagement in Taufkirchen.

Taufkirchen – Quicklebendig, quirlig und ländlich liebenswürdig – dieses Bild von der Gemeinde Taufkirchen zeichnet die neue Broschüre „Gut aufgestellt! 1996 bis 2020“. Hunderte Fotos und unzählige Fakten geben auf 176 Seiten einen chronologischen Überblick über die Entwicklung des Ortes in diesen 24 Jahren – der Amtszeit von Bürgermeister Franz Hofstetter. Das in einer Auflage von 1000 Stück im Rathaus aufliegende Heft ist damit nicht nur ein heimatkundlicher Wegweiser für jeden Taufkirchener, sondern zudem so etwas wie das Vermächtnis des scheidenden Bürgermeisters.

Bei der Präsentation der Broschüre machte der 65-Jährige aber deutlich, dass er mit der Veröffentlichung vor allem den vielen aktiven Bürgern in der Gemeinde ein kleines Denkmal setzen wollte. Umgesetzt wurde dieser Wunsch – in drei Monaten und damit durchaus unter Zeitdruck – von einer Projektredaktion rund um Renate Bauer. „Es war eine schöne Herausforderung“, sagte die Öffentlichkeitsarbeiterin im Rathaus. Das ganze Team habe viel Herzblut hineingehängt. „Wir hätten wahrscheinlich den doppelten Umfang machen können.“ Im Rückblick auf die vergangenen 24 Jahre falle ihr vor allem das ehrenamtliche Engagement so vieler Menschen in so vielen Bereichen auf.

„Wir sind gut aufgestellt mit eigenen Charakteren“, sagte Hofstetter. „Mir war’s immer wichtig, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die auch politisch nicht unbedingt der gleichen Meinung sind.“ Für die vielen umgesetzten Projekte wie auch die Broschüre bedeute das, „dass man da eine Offenheit herauslesen kann“. Das gelte für die Sozialarbeit an Schulen, „wo wir lange lange Zeit die ersten waren“, bei dem bereits 2008 erstellten Klimaschutzkonzept oder dem 1996 eingeführten Mitteilungsblatt Kompass, das Maßstäbe setzte und preisgekrönt ist. Neue Betreuungsformen für Kinder seien auch ein Beispiel dafür. Dabei habe er ziemlich viel Überzeugungsarbeit leisten müssen: „Taufkirchen is ja ned Erding und erst recht ned Minga.“

Nachmittagsbetreuungen seien „damals richtig geächtet“ gewesen. „Heute sind wir stolz, weil wir haben Recht behalten.“ Taufkirchen habe manches angepackt, für das es so noch gar keinen Namen gab: „In unserer Not haben wir’s dann Kinder- und Jugendhaus genannt“ – ein Begriff, mit dem Taufkirchen mal wieder vorne dran war.

Alle Blattmacher zeigten sich bei der Präsentation aber auch einig in ihrem Lob auf den Bürgermeister. Ohne einen „Motor wie Franz“ sei vieles nicht möglich gewesen, meinte Bauer. Kreativ-Tausendsassa Bodo Gsedl wies allerdings auch darauf hin, dass Hofstetter eben kein „Bürger-King ist, der da oben alles entscheidet“.

Der Rathauschef zeigte sich im Rückblick auf die 24 Jahre auch froh, dass er selbst auf diese Weise auch Neues erfahren und andere Sichtweisen kennengelernt habe. Zum Beispiel bei den Projekten zur Suchtprävention: „In Bayern gibt es ja ganz feste Rollenbilder. Da trinkt man halt a Bier“, meinte Hofstetter. Bei ihm sei dann der Groschen gefallen, dass deutlich mehr Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum sterben als an illegalen Drogen.

Oder des Reggae-Festival Ende der 90er-Jahre im Waldbad. „Wisst’s des no?“, fragte er lachend in die Runde. Da habe es viele Beschwerden wegen der Lautstärke gegeben, „da sind wir aber alle gestanden“. Auch bei Debatten wie über die Schaffung von Wohnmobilstellplätzen oder eines anonymen Gräberfelds habe es Widerstände zu überwinden gegeben. Dieses Teamgefühl sei ihm immer wichtig gewesen: „Der Geist ist da.“

Das Heft zeige die Lebendigkeit der Gemeinde Taufkirchen, stelle durch viele Zahlen und Fakten – zum Beispiel zu vermeintlichen drögen Themen wie dem Kanalbau – Transparenz her. Christine Schick, die ebenfalls mitgearbeitet hatte, schlug vor, die Broschüre an Dritt- und Viertklässler zu verteilen: „Das ist echte Heimat- und Sachkunde.“

Einige Geschichten kann die Broschüre aber nicht erzählen. „Ein paar Sachen sind auch unvollendet geblieben“, sagt Hofstetter lachend: „Zum Beispiel wollten wir einen Radiosender aufmachen- Wir waren da ernsthaft dran.“ Unbestreitbar fertig geworden ist dagegen der Kreisverkehr an der B 15. Als sich der im Amt noch recht neue Bürgermeister Hofstetter gegen das Straßenbauamt stellte und an einem Freitagnachmittag viele gerade eingebaute Steine wieder herausreißen ließ – das und einiges andere wäre noch ein paar bedruckte Seiten wert. Eingearbeitet wäre das Redaktionsteam ja schon.

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