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Hans Hofer aus Angerskirchen sammelt leidenschaftlich Schwammerl – seit seiner Kindheit.

„Die besten Plätze sind top secret“

Pilzsucher Hans Hofer über seine Leidenschaft

Käfer und Abholzung sind große Probleme für Pilze. Aber auch: Menschen, die sich nicht benehmen können. Hans Hofer aus Angerskirchen über seine Leidenschaft.

Angerskirchen „Bis jetzt ist nicht viel los“, meint Hans Hofer, auch wenn gerade Pilzsaison ist. Für die Heimatzeitung war der Angerskirchener extra auf Schwammerlsuche. Die magere Ausbeute nach eineinhalb Stunden: drei flockenstielige Hexenröhrlinge, drei Maroni und zwei Perlpilze.

Reherl, also Pfifferlinge, habe er eine Woche zuvor ein paar wenige gefunden. Wo – verrät er natürlich nicht. Dafür habe er aber schon eine herrliche Krause Glucke heimgebracht. Sie sieht fast so aus wie eine Koralle. „Die wachsen dort, wo Kiefern sind und sind ganz schwer zu putzen“, erzählt Hofer. Denn in der Krausen Glucke befinden sich viele verschlungene Gänge und darin sind überall kleine Tiere. „Den muss man relativ klein machen, dass man ihn überhaupt sauber kriegt. Ein bisserl Dreck gehört halt dazu“, sagt der 53-Jährige lachend.

Schon als kleiner Bub...

... ging Hofer mit seinen Brüdern und der Tante Anna ins Holz. „Sie hat uns oft gleich nach der Schule abgeholt. Wir waren unterwegs beim Schwammerlsuchen, und d’Anna hat Holz für ihren Holzofen gesammelt“, erinnert er sich gerne. Meistens am Sonntag, wenn sich die Familie bei der Oma traf, und es in der Stube zu eng wurde, ging’s raus ins Holz.

Auch mit ihrer Mutter Kathi waren die vier Buben oft und gerne beim Schwammerlsuchen in Taufkirchen unterwegs. „Sie hat uns alles gezeigt“, sagt Hofer. Für ihn und seinen großen Bruder sei es bis heute eine große Leidenschaft geblieben. „Wenn man sie sieht, wie sie dastehen, das ist richtig schön“, schwärmt er.

Käfer und Abholzung sind schlecht für Pilze

Feste Zeiten zum Schwammerlsuchen gibt es für ihn nicht. „Ich gehe manchmal in der Früh, dann wieder am Nachmittag. Je nachdem, wie ich Zeit hab’.“ Wenn es gut läuft und er viele Pilze findet, ist der Angerskirchener schon mal drei Stunden unterwegs. Wenn nichts geht, aber auch nach einer Dreiviertelstunde wieder daheim. Auch im Winter gebe es Pilze, so Hofer, etwa das Judasohr. „Da brauchst nur an alten Hollerbäumen schauen. Dort wächst es und schaut aus wie ein Ohr.“ Probiert hat er es noch nie.

„Schlimm ist der Käfer für die Schwammerl“, sagt Hofer. Denn durch das viele Abholzen in den Wäldern mit den schweren Geräten wird auch der Nährboden für Schwammerl zerstört. Auch das Springkraut sei schuld daran, dass es weniger Schwammerl gebe. Es mache sich an allen Bachläufen breit und vertreibe die Pilze dort. Natürlich sei neben den Bodenverhältnissen auch das Wetter für ein gutes Schwammerljahr verantwortlich.

Schwammerlsucher müssen sich benehmen

Wie viele passionierte Pilzsucher ärgert sich Hofer über diejenigen, die alles mitnehmen, abschneiden oder rausreißen und sich erst danach darüber informieren, ob der Pilz essbar oder giftig ist. „Daheim schmeißen sie dann alles weg.“ Auch er kenne trotz jahrelanger Erfahrung nicht jeden Pilz. Darum fotografiert er ihm unbekannte Arten und schickt sie in die Whatsapp-Gruppe „Schwammerlkönig“, die er mit zwei Freunden betreibt, und fragt dort nach. Hofer ist wichtig, dass sich Schwammerlsucher im Wald anständig aufführen, ruhig sind, das Wild nicht erschrecken und nicht alles kaputt trampeln.

Die Leidenschaft des Pilzesuchens lässt den 53-Jährigen auch bei Ausflügen und im Urlaub nicht los. Auf einmal ist er beim Wandern wieder verschwunden und die mitgebrachte Brotzzeitdose schnell umfunktioniert, um dort die gefundenen Pilze zu verstauen. „An einem Schwammerl vorbei gehen, das geht nicht“, gibt Hofer zu. Und: „Die besten Plätze sind top secret, die gibt keiner preis.“

Natürlich nimmt er als leidenschaftlicher Sammler nur die schönsten Pilze mit und schüttelt den Kopf über die Riesenexemplare, die immer wieder in der Zeitung zu sehen sind. Klein, fest und ohne Wurmbefall soll der Pilz sein. Das Putzen teilt er sich übrigens mit Ehefrau Inge, die ebenso gerne Schwammerl isst wie er. Geschnetzeltes, Dampfnudel mit Schwammerlsoß’ oder einfach nur mit Zwiebeln abrösten und Petersilie rein, so isst Hans Hofer seine Pilze am liebsten.

Birgit Lang

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