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„Pampastic“ - das neue schräge Realschul-Musical

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Von: Fabian Holzner

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Ein Musical auf den Fluchtbalkonen der Realschule Taufkirchen präsentiert Mathelehrer, Komponist und Regisseur Michael Röhrl (grünes T-Shirt) mit seinen jungen Schauspielern. Mit Leben, Witz und Emotionen habt ihr das Stück gefüllt. Lehrer und Theatermacher Michael Röhrl zu seinen Schauspielern
Ein Musical auf den Fluchtbalkonen der Realschule Taufkirchen präsentiert Mathelehrer, Komponist und Regisseur Michael Röhrl (grünes T-Shirt) mit seinen jungen Schauspielern. Mit Leben, Witz und Emotionen habt ihr das Stück gefüllt. Lehrer und Theatermacher Michael Röhrl zu seinen Schauspielern © Fabian Holzner

Der Wahlkurs Musical der Realschule Taufkirchen präsentiert „Pampastic“. Die Premiere ist am Freitag, 27. Mai.

Taufkirchen – Ein Haus ohne Toiletten bringt die Bewohner auf abstruse Vorschläge und führt zu katastrophalen Umsetzungen. Das ist die schräge Grundidee des Musicals „Pampastic“, das an der Realschule Taufkirchen am Wochenende Premiere hat. „Hungern. Sie sollen alle hungern. Ohne Nahrung kommen auch keine wirren Ideen und vor allem auch keine Ausscheidungen“, heißt es in dem Stück – doch das ist kein Ausweg für die Not der Protagonisten. Wie vor der Pandemie kommt jede Szene und jede Note aus der Feder von Mathematik-Lehrer Michael Röhrl, der für seine verrückten Stücke bekannt ist.

„Mit Leben, Witz und Emotionen habt ihr es aber gefüllt“, wandte er sich an das vierzehnköpfige Schauspielerensemble bei einer der letzten Proben an der Südfassade des Realschulgebäudes. Dort wird auf den Fluchtbalkonen über drei Ebenen hinweg inszeniert: die Kulisse in der Vertikalen, die Handlung schräg.

Denn „Pampastic“ ist ein Kunstwort aus Pampers, also Windeln, und Fantastic. So wird die letzte Lösung für eine Verkettung von Fehlentscheidungen angepriesen, die in einem mehrstöckigen Wohnhaus, bei dem die Toiletten vergessen wurden, seinen Anfang nimmt. Die Zeit im Stück erstreckt sich über viele Jahre, anfangs gehen die Figuren noch gemeinsam zur Schule, dann trennen sich ihre Wege und ein paar von ihnen werden zu „Machern“.

„Macher sind Leute, die etwas aus sich gemacht haben, oder auch Leute, denen das nur scheinbar gelungen ist. Letztere sind oft Profis in ihrem Spezialgebiet und überspielen geschickt, dass sie von allem anderen keine Ahnung haben“, erklärt Röhrl.

Solche Macher nehmen das Problem des toilettenlosen Wohnhauses in Angriff, es entstehen dumme Ideen, auf die noch dümmere folgen. Notdurft-Eimer, die aber auch geleert werden müssen, verärgern die Swimmingpool-Besitzer im Erdgeschoss, sofort ersinnen die Macher eine „Verbesserung“: ein Toilettenhäuschen im obersten Stock, allerdings ohne Abflussrohr. Die Reaktion der Bewohner: Resignation.

Das Klohäuschen fällt aber dann aus ganz anderen Gründen einer Revolte zum Opfer und die Stunde für „Pampastic“ hat geschlagen. Die Windeln sind nicht weiter schwer zu deuten als Symbol für den Raub der Eigenständigkeit, so wie sie nur ganz am Anfang und vielleicht am Ende des Lebens notwendig sind.

In welche Richtung der irrsinnige Verordnungswahn in dem Musical zielt, ist eindeutig, und windelweich wird weder mit Maßnahmen noch mit Entscheidungsträgern abgerechnet. „Was Leute in höheren Positionen von sich geben, muss nicht immer das schlauste der Welt sein“, äußerte sich Darstellerin Lilli Babel bei der Probe. Eine ihrer Mitsängerinnen, Siana Dibania meint aber auch: „Mir ist die Intention des Stücks egal. Ich freue mich, wieder etwas mit meinen Freunden machen zu dürfen.“

Wie kaum ein anderer Bereich hat das freiwillige Musik- und Theaterprojekt unter der Pandemie gelitten. Das Ergebnis nach zwei Jahren ohne Aufführung: Es klafft eine Lücke im Wahlkurs, ein kleiner harter Kern hat überdauert, der Rest traut sich ohne langsame Hinführung an die Musical-Tradition gleich in die erste Reihe.

„Früher waren es fast 60 Beteiligte, jetzt, beim mittlerweile vierten Musical in Taufkirchen, sind wir etwa 35 Leute“, erzählt Röhrl. Die Bigband und die Schulband, die seine Kompositionen live umsetzen, wurden teilweise mit ehemaligen Schülern aufgefüllt. Dass es bei seinen Projekten auch um das Entdecken und Herausschälen von Talenten außerhalb des Matheunterrichts geht, zeigte der wertschätzende Umgang von Lehrer und Schülern untereinander. Röhrl dankte bereits vor der Premiere seinen Kollegen aus der Musik- und Kunstfachschaft, die tatkräftig mitwirken. Da die Zuschauer des Freilichtmusicals auf dem terrassierten Hang vor der Südfassade Platz nehmen dürfen, sind Isomatten oder Picknickdecken mitzubringen. Der Eintritt ist frei, Spenden erwünscht.

Die Aufführungen von „Pampastic“ sind am Freitag, 27. Mai, um 19 Uhr und am Sonntag, 19. Mai, um 18 Uhr. Plätze können auf www.pampastic.de reserviert werden.

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