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Der Ort des Verbrechens: Hinter diesen gepflegten Mauern fand die Polizei am Donnerstagabend die Leichen des 81-Jährigen und seines 55 Jahre alten Sohnes. Es dürfte erweiterter Suizid gewesen sein.

Hat der Junior seinen Vater getötet?

Rätselhaftes Verbrechen: Polizei findet toten Vater und Sohn - Umfangreiche Ermittlungen starten 

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Am Donnerstag fand die Polizei in einem Haus in Taufkirchen einen toten 81-Jährigen sowie dessen Sohn (55), der sich kurz zuvor umgebracht hatte. Der Mann hatte im Landkreis Weilheim-Schongau gelebt. Was war passiert?

Taufkirchen – Die Tulpenstraße ist eine ruhige Adresse in Taufkirchen/Vils. Schmucke Häuser reihen sich aneinander. Das von Horst K. (81) ist besonders schön. Er war Maler. Die Fenster sind farblich abgesetzt, der Garten ist gepflegt. Zur Straße hin frieden ein Mäuerchen und ein geschmiedetes Tor das Idyll ein. 

Doch hinter der braunen Holztür, an der jetzt die Siegel der Kripo Erding kleben, hat sich vor kurzem ein Drama abgespielt. Der 81-Jährige wurde nach Angaben des Polizeipräsidiums Ingolstadt getötet. „Die Leiche wies deutliche Spuren von Gewalt auf“, so ein Sprecher. Wann der alte Mann, der zwei Söhne, zurückgezogen gelebt und in der Vils-Gemeinde nur einen überschaubaren Freundeskreis hatte, getötet wurde, muss die Obduktion ergeben. Die fand am Freitag in der Rechtsmedizin in München statt. 

Tatsache ist, dass die Nachbarn den Rentner seit Wochen nicht mehr gesehen hatten. Als dann auch noch Verwesungsgeruch aus dem Haus drang, alarmierten sie am Donnerstagabend die Polizei. Die öffnete das Anwesen gegen 21.15 Uhr. Spezialkräfte des Kriminaldauerdienstes fanden die Leiche des 81-Jährigen. Die Tat dürfte schon mehrere Wochen zurückliegen. Einen dringend Tatverdächtigen gibt es bereits. 

Es ist der 55 Jahre alte Sohn, Stefan K. Er wurde im Keller des Hauses gefunden – ebenfalls tot. Was das Familiendrama so mysteriös macht: Der Junior, der im Landkreis Weilheim-Schongau zu Hause war, muss sich viel später das Leben genommen haben. Die Mordkommission der Kripo Erding geht davon aus, dass sich der 55-Jährige erst kurz vor Eintreffen der Beamten getötet hat. 

Möglicherweise hatte er durch Klingeln oder Klopfen mitbekommen, dass die Polizei anrückt. Die Fahnder sprechen von einem erweiterten Suizid. Auf welche Weise die beiden Männer zu Tode kamen, darüber schweigt sich die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen noch aus. Noch unklar ist, ob sich Stefan K. die ganze Zeit mit dem Toten im Haus befunden hat, oder ob er zwischenzeitlich ins Oberland zurückgekehrt ist. Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang. 

In beiden Orten stehen umfangreiche Zeugenbefragungen an. Auch zum Motiv gibt es noch keine Angaben. Von der Familie ist wenig bekannt. Die Frau des Getöteten, Adelheid K., starb im Mai vorigen Jahres im Alter von 81 Jahren. Ihr Grab auf dem Taufkirchener Friedhof ist liebevoll gepflegt. Die Angehörigen müssen oft dort gewesen sein. Es gibt einen zweiten Bruder, Horst K., der verheiratet ist. Binnen 14 Monaten verlor er Vater, Mutter und Bruder. 

Es ist nicht der erste Fall von erweitertem Suizid im Erdinger Land. Im Juni 2014 tötete ein 41-Jähriger in Neufinsing erst seinen elf Jahre alten Sohn und dann sich selbst. Nur einen Monat später wurde eine 51-Jährige in Erding in ihrer Garage erschlagen aufgefunden. Ihr Ex-Lebensgefährte (54) warf sich kurz nach dem Verbrechen in Holzkirchen (Kreis Miesbach) vor einen Zug. Taufkirchen war zuletzt 2011 von einem bestialischen Mord erschüttert worden: Zwei junge Männer hatten mit über 100 Messerstichen eine damals 21-jährige Hochschwangere mitsamt ihres ungeborenen Kindes getötet. Die 18-jährigen Täter wurden rasch gefasst und zu hohen Jugendstrafen verurteilt.

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