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Klare Position: Anneliese Mayer hält eine Frauenquote bei der CSU für wichtig. 

Verbindliche Frauenquote

Von Gleichberechtigung weit entfernt

Verbindliche Frauenquoten versetzen derzeit Christdemokraten in Aufruhr. Die Taufkirchner Gemeinderätin Anneliese Mayer (CSU) gehört zu den Befürwortern der Quote. Mehr Parität in Führungspositionen wünscht sich die promovierte Pädagogin – nicht nur in der Politik.

Von Michaele Heske

Taufkirchen – Mayer (63) hat es im Erzbistum München und Freising zur Ordinariatsrätin gebracht. Eine ungewöhnliche Karriere für eine Frau – schon allein, weil die Kirche nach wie vor eine Männerdomäne ist. Die jungen Frauen hätten es mittlerweile einfacher, meint Anneliese Mayer. Mädchen gehen heute ganz selbstverständlich aufs Gymnasium, auch in Hörsälen sind sie keine Ausnahme mehr.

„Schülerinnen und Studentinnen werden heute stärker gefördert als in meiner Jugend“, sagt Mayer. Und Frauen würden zudem heutzutage die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einfordern: „Es gibt mittlerweile das Recht auf einen Kita-Platz. Frauen erlernen Berufe, die ihnen Spaß machen und in denen sie bleiben wollen, auch wenn sie Kinder haben.“ Frauen in den 80er Jahren mussten mehr kämpfen, die frauenspezifischen Rollenbilder waren damals wesentlich stärker ausgeprägt.

Die Taufkirchnerin erzählt von ihrem eigenen Werdegang. In Landshut und München habe sie Sozialpädagogik studiert. Zunächst sei sie im Bereich der katholischen Landjugend als Diözesanreferentin, später dann als Jugendreferentin bei Missio München für den Raum Bayern eingesetzt gewesen. „Ich war viel unterwegs, in Asien, Lateinamerika und Afrika.“

Parallel dazu nahm sie 1992 ein zweites Studium im Hauptfach Pädagogik auf, mit den Nebenfächern Psychologie und katholische Theologie. In Pädagogik promovierte sie schließlich 1997 zum Thema „Kinder und Werbung“. „Ein nicht immer einfacher Weg – aber ich habe es geschafft.“ Bei der Promotion habe sie ihre „Doktor-Mutter“ immer wieder ermutigt, die zum Vorbild für sie wurde. Kardinal Friedrich Wetter hat sie im Jahr 2000 zur Ordinariatsrätin berufen.

Damals war das Erzbistum München und Freising deutschlandweit das einzige der 27 Bistümer, die zwei Frauen auf der obersten Leitungsebene im Ordinariat hatten. „Heute, nach 20 Jahren, ist das erfreulicherweise auch in anderen Bistümern vereinzelt der Fall.“

Mayer freut sich, dass mittlerweile die Fähigkeiten von Frauen über die typisch weiblichen Berufe hinaus – beispielsweise Alten- und Krankenpflegerin, Erzieherin oder Sekretärin – in Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr honoriert werden: „Frauen bringen zusätzliche Management-Kompetenzen in den beruflichen Alltag ein, die sie in der eigenen Familie immer schon brauchten.“ Dennoch gebe es immer noch deutlich mehr Männer in Führungspositionen, bemängelt die Taufkirchnerin.

Zu den weiblichen Kompetenzen zählt sie Dialogbereitschaft, zielorientierte Eigeninitiative, gepaart mit Effektivität und Effizienz. Diese Fähigkeiten, die Mayer zweifellos ebenfalls besitzt, bestätigen auch ihre Mitarbeiter im Erzbischöflichen Ordinariat, die nichts auf ihre Chefin kommen lassen. Dennoch ist Karrierefrau Mayer bei all ihrer Verantwortung auf dem Boden geblieben.

Sie wirkt entspannt und bar jeder Eitelkeit – eine Frau, mitten im Leben und voller Engagement. Sei es im Gemeinderat, in dem sie sich seit 2014 politisch engagiert, oder als Beirätin des Maßregelvollzugs im Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen. Politik sei ihr neben kirchlichem Engagement schon immer wichtig gewesen.

Deshalb wünscht sie sich auch, dass sich mehr Frauen bei der CSU einbringen. Und sie setzt auf eine Frauenquote. Ihrer Meinung nach ist eine gleichberechtigte Teilhabe und Mitbestimmung für Frauen in der CSU ohne Quote nämlich kaum zu erreichen. Das betonen Parteifreundinnen wie Landtagspräsidentin Ilse Aigner oder Ulrike Scharf (MdL). Zudem sei die Hälfte der Gesellschaft eben weiblich – schon allein deshalb, sollten sich Frauen auch paritätisch in Politik, Gesellschaft und Kirche wiederfinden.

Doch gerade junge Frauen seien skeptisch bei der Forderung nach einer Quote, meint Mayer. „Das ist vielleicht auch eine Generationen-Sache – junge Frauen hatten es in den letzten Jahrzehnten von Anfang an leichter und meinen, sie hätten schon alles in puncto Gleichberechtigung erreicht.“ Dem sei aber nicht so, besser vernetzt seien nach wie vor die Männer, die ihr eigenes Geschlecht für wichtige Positionen meist präferieren: „Die Quote sorgt für mehr Chancengleichheit, und vielleicht für mehr Nachdenken, bei Männern und bei Frauen.“

Dabei ist es Mayer allerdings wichtig zu betonen, dass jede Frau ihren eigenen Weg gehen soll. „Viele Frauen wünschen sich eine Familie, sind zufrieden mit einer Ausbildung.“ Und das sei gut so. Andere Frauen streben nach dem Studium eine Karriere in Wirtschaft oder Politik an. „Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Frauen müssen aber mutiger werden, sich mehr zutrauen und sich auch gegenseitig ermutigen“, meint Mayer.

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