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Ein offenes Heimatbild vertritt Bürgermeister Franz Hofstetter.

Leitbild für Heimatbegriff

Hofstetter: „Heimat steht für Toleranz“

Um den Begriff „Heimat“ auch künftig positiv zu belegen und auch vor nationalistischem Missbrauch zu schützen beschloss die Vollversammlung ein Leitbild.

Taufkirchen – Das Thema Heimat ist in Bayern positiv belegt, wird immer wieder aufgegriffen und vermarktet. Auch der Bezirk Oberbayern hat sich jetzt in seiner Vollversammlung mit dem Heimatbegriff beschäftigt und ein Leitbild beschlossen. Gründe gebe es dafür mehrere, erklärte Taufkirchens Bürgermeister und Bezirksrat Franz Hofstetter im Pressegespräch. „Wir leben in Bayern sehr stark davon, dass unsere Heimat, also die Menschen, Landschaften, Orte und Dorfgemeinschaften, ein positives Image haben; dass sich Hiesige, Zugezogene und Urlauber hier wohl fühlen.“

Dies wolle man erhalten, deshalb müsse man sich immer wieder damit beschäftigen, erklärte er. So soll das Positionspapier des Bezirks einerseits als Grundlage für weitere politische Diskussionen des Heimatbegriffs dienen sowie künftig bei Grundsatzfragen der regionalen Kulturarbeit und Heimatpflege herangezogen werden.

Der Begriff „Heimat“ soll vor Missbrauch geschützt werden

Der Heimatbegriff sei auch schon oft missbraucht worden, meinte Hofstetter weiter. Deshalb wolle man sich mit der Resolution auch von allen abgrenzen, für die Heimat ein Synonym für Nationalismus und Egoismus sei. Der Bezirk beschäftige sich mit einigen Bereichen, die das Ganze in einem anderen Licht erscheinen ließen. So sei man schon seit einiger Zeit dabei, Themen wie Nationalsozialismus und Euthanasie aufzuarbeiten. Er erinnerte an die Gräueltaten, die in den Kliniken des Bezirks Oberbayern von den Nazis ausgelöst wurden. „Auch in Taufkirchen wurden unwahrscheinlich viele nach Egglfing oder Haar transportiert und von dort nach Hartheim verschickt und dort umgebracht.“

Taufkirchen: ein leuchtendes Beispiel für Integration

Deshalb müsse man sich bewusst sein, dass Heimat auch bedeute, Respekt und Wertschätzung vor anderen Religionen, vor anderer Hautfarbe, Herkunft oder Behinderung zu haben. Das bedeute auch, dass man solidarisch, weltoffen und tolerant sein müsse, damit so etwas nie wieder passiere. Hofstetter betonte, dass es schon immer Flüchtlinge gegeben habe und geben werde. Er erinnerte an die vielen Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg kamen, wobei „Taufkirchen ein leuchtendes Beispiel für Integration“ gewesen sei. Dann folgten die Griechen in den 60er Jahren, die Polen in den 80er Jahren und aktuell die Asylsuchenden.

Das Leitbild stehe auch dafür, dass niemand ausgegrenzt werden dürfe. „Heimat ist eine gemeinsame Verpflichtung zur Integration und Inklusion“, beides seien Themen einer zukunftsgewandten Heimatpflege. Gleiches gelte für Menschen mit Handicap, ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Bezirks. Sie dürften nicht ausgeschlossen werden. Auch alte Leute würden zu oft abgeschoben.

Alle Mitglieder der Vollversammlung stimmten dem Leitbild zu

„Heimat ist auch unser Lebensraum.“ Hier sei der Bezirk nur in zwei Bereichen aktiv, mit der Fischerei- und der Imkerei-Fachberatung. Das Positionspapier greife hier die massiven Gefahren für die Heimat als Natur- und Landschaftsraum auf durch Zersiedelung, Flächenverbrauch oder Zerstörung natürlicher Ressourcen. Hier gelte es, sorgsam mit der Natur umzugehen, besser aufzupassen und dies auch nach außen zu tragen, sagte Hofstetter. Für ihn als Bürgermeister stelle sich die Frage, was sei noch verträglich, etwa bei der Ausweisung von Bau- und Gewerbegebieten, oder müsse Fläche versiegelt werden, etwa durch Umfahrungen? Ihn freue besonders, dass alle Mitglieder der Vollversammlung, egal welcher Partei, dem Leitbild zugestimmt hätten.

Birgit Lang

An der Universität im tschechischen Pilsen gibt es ab dem Wintersemester einen neuen Studiengang: "Bayern-Studien".

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