Die Arbeit der Tafeln ist in der Corona-Krise nicht leicht. Viele klagen, dass ihnen Lebensmittel fehlen. Auch der Schutz vor dem Virus stellt Helfer und Kunden vor Herausforderungen.
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Tütenweise Lebensmittel hat die Taufkirchener Tafel am Dienstag ausg egeben. Hier packt Claudia Kuhl an.

Keine Nudeln, kein Mehl

Taufkirchener Tafel hält die Stellung: Ausgabe von Lebensmitteltüten im Freien

Die Arbeit der Tafeln ist in der Corona-Krise nicht leicht. Viele klagen, dass ihnen Lebensmittel fehlen. Auch der Schutz vor dem Virus stellt Helfer und Kunden vor Herausforderungen.

Taufkirchen – Die ehrenamtliche Arbeit der Tafeln ist in Zeiten der Corona-Krise nicht leicht. Viele in Deutschland klagen, dass ihnen Lebensmittel fehlen. Auch der Schutz vor dem Virus stellt Helfer und Kunden vor Herausforderungen. In Taufkirchen ist man gewappnet.

Immer mehr Tafeln stellen ihren Betrieb ein, auch im direkten Umfeld etwa in Landshut und Vilsbiburg, sagt Christine Schick, Leiterin der Tafel in Taufkirchen: „Die Gründe hierfür sind vielfältig, nachvollziehbar und mehr als verständlich“, erklärt sie. „Wir sind auf sehr hohem Niveau, was die Spenden- und Mitarbeiter-Bereitschaft anbelangt.“

Viele Helfer schon über 70

65 Ehrenamtliche seien es aktuell, viele von ihnen selbst über 70 Jahre alt. Die Helfer-Teams wurden neu eingeteilt, jeweils mit nur noch zwei Leuten. Das gelte auch für die Abholung. So hätten beispielsweise am Vortag Mutter und Sohn, die in einem Fahrzeug gemeinsam fahren dürfen, die Lebensmittel-Spenden abgeholt.

Eine der Mitarbeiterinnen ist Claudia Kuhl. Sie half Schick am vergangenen Dienstag bei der Lebensmittelausgabe und hat dafür eigens einen Mundschutz für beide genäht. Zusammen haben sie für die 25 bis 30 Bedarfsgemeinschaften Tüten voller Lebensmittel vorbereitet. „Es gibt auch Familien mit acht Kindern, die bekommen dann halt zwei Tüten. Wir können das relativ gut überschauen, auch wie der Zulauf ist“, erzählt Schick. Mittlerweile werden die Lebensmittel – wie auch in der Stadt Erding – im Freien übergeben. Die Ehrenamtlichen in Dorfen liefern die Nahrungsmittel an alle, die eine Tafel-Berechtigung haben, aus.

Keine Lebensmittel-Knappheit in Taufkirchen

Lebensmittel-Knappheit herrsche nicht, so Schick. „Wir haben das Glück, dass Taufkirchen sehr gut angenommen ist. Unsere Supermärkte haben bisher normale Mengen geliefert – Obst, Gemüse, Eier, Molkereiprodukte, Brot und Wurst.“ Bei der letzten Lieferung sei sehr viel Wurst dabei gewesen. Daran merke man, dass nicht mehr so viel verkauft werde.

Nudeln und Mehl würden derzeit nicht ausgegeben, weil das Tafel-Lager aus hygienischen Gründen zu bleibe. „Alles, was ich aufmache und anfasse, muss ich nachher wieder sauber machen und desinfizieren. Wir geben jetzt nur das aus, was Montag und Dienstag gesammelt wird“, erklärt Schick.

Nächste Ausgabe am Dienstag, 7. April

Die nächste Ausgabe ist am Dienstag, 7. April – sofern es die Corona-Entwicklung im Landkreis erlaube. Ostern und Pfingsten sei noch nie geöffnet gewesen, weil Montag Feiertag sei und dann nichts geliefert werde. „Das sind unsere Ferien.“ Die aktuellen Öffnungszeiten sind im Internet auf www.taufkirchener-tafel.de zu finden und hängen im Schaufenster des Tafel-Ladens aus.

„Unsere Leute wissen Bescheid. Wir haben nicht weniger Zulauf“, sagt Schick und ist ganz begeistert, dass alles sehr zivilisiert ablaufe. Normalerweise stünden die Kunden vor dem Laden Schlange und ratschten, bis geöffnet werde. Aber aktuell gelte: Den Aufenthalt so kurz wie möglich gestalten. Deshalb habe man auch das Bankerl und den Aschenbecher entfernt.

Tafelbetrieb ein großer logistischer Aufwand

Die Berechtigten wissen, wie sie sich in Corona-Zeiten verhalten müssen. Sie warten auf der anderen Straßenseite, legen ihren Berechtigungsschein in ein Körbchen, damit ihn die Tafel-Helfer kontrollieren können, aber nicht in die Hand nehmen müssen. Die mit Lebensmitteln gefüllten Tüten werden den Kunden dann über die Absperrung gereicht.

Die Resonanz der Kunden sei durchweg positiv. „Sie sind sehr lieb zu uns“, erzählt Schick und gibt zu, dass sie vor Rührung geschluckt habe. „Das ist unser größter Lohn. Mehr brauchen wir gar nicht, dass die Leute auch mal an uns denken.“ Denn den Tafelbetrieb aufrecht zu erhalten, sei schon ein großer logistischer Aufwand. Die Ausgabetüten wurden übrigens aus eigenen Mitteln gekauft. „Wir haben ja glücklicherweise auch Geldspenden, davon wurden sie finanziert“, so Schick.

Birgit Lang

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