Karl „Heino“ Kräutler †

Nachruf

Taufkirchens musikalischer Botschafter

Von Birgit Lang

Taufkirchen – Als Baritonspieler, Manager und Dirigent der Himolla-Blaskapelle sowie als Sänger und Chorteiler der Liedertafel prägte Karl „Heino“ Kräutler jahrzehntelang das kulturelle Leben von Taufkirchen. Als Geschäftsführer von Himolla Wien sorgte er mit für den wirtschaftlichen Erfolg des Polstermöbelherstellers in Österreich. Nun ist Kräutler im Alter von 90 Jahren gestorben.

Auf den Namen Karl Heinrich Gustav Lorenz getauft, kam Kräutler in Gars am Kamp in Niederösterreich als letztes von drei Kindern und erster Sohn einer sehr gebildeten, musischen Familie zur Welt. Der Vater war Lehrer und Heino erhielt schon in jungen Jahren eine Grundausbildung in Klavier und Geige. Seine ältere Schwester Friedl zog nach Taufkirchen, wo sie mit dem Gutsverwalter Flechsenhar verheiratet war. So kam der Verstorbene 1951 das erste Mal in die Vilsgemeinde, um von da an regelmäßig in den Semesterferien um bei Carl Hierl zu arbeiten. Kräutler verliebte sich nicht nur in den Ort, sondern auch bald in Marianne Huber, die er 1956 heiratete und die ihm fünf Kinder gebar: Heino (1956), Gundi (1958), Bernhard (1960), Stefan (1962) und Sabine (1964). Seine Kinder, die er weltoffen aber mit festen Werten erzog, schenkten ihm neun Enkel, diese wiederum vier Urenkel. Weitere drei folgen in den kommenden Monaten.

„Papa“ Heino war zusammen mit „Mama“ Marianne bis zuletzt das geliebte und verehrte Oberhaupt und der Mittelpunkt der gesamten Familie. Bereits mit 17 Jahren hatte Kräutler seine Matura im Internat in Salzburg geschrieben, wohin ihn die Kriegswirren verschlagen hatten. Anschließend studierte er Welthandel in Wien. Mit Musik- und Kartenspielen verdiente er sich sein Taschengeld.

1954 warb ihn Carl Hierl fest an und machte ihn zum Leiter der Buchhaltung, 1963 dann zum Geschäftsführer von Himolla Wien. Diese Tochterfirma hatte Kräutler im Auftrag von Hierl gegründet, um den Export zu optimieren. 1961 wurde die Himolla Blaskapelle gegründet und schnell von Kräutler übernommen worden. Er war nicht nur deren Musiker, Manager und Dirigent, er schrieb auch wahnsinnig viele Noten für die Kapelle. „Im Garten unter dem Baum für das ganze Orchester Partituren für 40 Mann mit acht bis zehn Stimmen“, erinnert sich Sohn Stefan. Sein Vater habe das Talent gehabt, den Musikanten „beizubringen, wie sich Musik anfühlen muss“.

Seit den frühen 60er Jahren organisierte Kräutler, bedingt auch durch seine beruflichen Kontakte, viele Auftritte im In- und Ausland. „Er war Musiker mit Leib und Seele, der Motor für unsere Kapelle. Er war recht umgänglich, hat Gaudi verstanden und bis zuletzt die Verträge mit Himolla ausgehandelt, damit wir unseren jährlichen Zuschuss erhalten“, sagt Toni Schlehhuber, langjähriger Musikerfreund und Gründungsmitglied der Blaskapelle. 25 Jahre lang war er deren Dirigent und Kapellmeister, bis er 2012 den Taktstock weitergab.

25 Jahre lang dirigierte Kräutler auch, aufgeteilt auf zwei Etappen, bis zu seinem 70. Lebensjahr die Liedertafel, bei der seine Frau Marianne mitsang. Zudem war er Leiter des Taufkirchener Kirchenchores und viele Jahre lang abwechselnd mit Benni Allgäuer Organist in der Pfarrkirche. „Sein Tod ist nicht nur ein Verlust für uns, sondern für das ganze Musikgeschehen der Gemeinde“, betont sein Freund Schlehhuber voller Trauer.

Eine weitere Leidenschaft übte der Verstorbene noch bis ins hohe Alter aus: Bridge spielen. Weit über 80 Jahre alt fuhr er immer donnerstags nach München zum „Training“ und hunderte von Kilometern an den Wochenenden um an Turnieren teilzunehmen – schließlich spielte er in der Bundesliga. Kräutler war es stets wichtig, die ihm geschenkten Talente zu nutzen und vor allem, sich für die Gemeinschaft und seine Familie einzusetzen. Viele Menschen, deren Weg sich mit dem seinen kreuzten, können bestätigen, dass ihm das auch gelungen ist.

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