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Der Brauerei verbunden: Beim Festabend wurden einige Ehrenmitglieder ernannt.

Doppel-Jubiläum der Brauerei Taufkirchen

Überschäumende Stimmung beim Bierfest

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Zwei Jubiläen, drei Festtage – die Brauereigenossenschaft Taufkirchen hat den Doppel-Geburtstag groß gefeiert. Auftakt am Freitag war der Ehrenabend mit 700 geladenen Gästen, bei dem die Stimmung nicht besser hätte sein können.

Taufkirchen – „Leit, versauft’s ned eier ganz’ Goid, kaffts eich liaba a Bier“, hatte einst der bayerische Komiker Karl Valentin gesagt. Darauf wies Martin Bayerstorfer bei seiner Begrüßung hin. Ehe der Landrat zu Wort kam, gab es aber noch einige andere, vielbeachtete und -belachte Reden.

BR-Moderator Markus Tremmel führte durchs Programm, gab Anekdoten sowie Sprüche rund ums Bier zum Besten und kündigte nach dem Salut der Holzland Böllerschützen erst einmal die Taufkirchener Schäffler an. Die wiesen nach ihrem Auftritt darauf hin, dass es neben 100 Jahre Brauereigenossenschaft und 375 Jahre Braukunst noch einen weiteren Geburtstag zu feiern gebe: 500 Jahre Schäffler. Die Zunft der Fassmacher war es, die nach der Pest im Jahr 1517 die Menschen mit ihrem Tanz wieder aus den Häusern gelockt habe. Die Taufkirchener Schäffler gibt es seit 1969. Getanzt wird alle sieben Jahre, das nächste Mal wieder 2019.

Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden Valentin Vorbuchner blickte Aufsichtsratsvorsitzende Renate Pany zurück zu den Anfängen der Brauereigenossenschaft, „sprach von einem mutigen Schritt der Genossen im Jahr 1917, mitten in Kriegszeiten“, lobte Mut und Pioniergeist und meinte: „Heute muss man von einem guten Kauf sprechen.“

Braumeister Thomas Drechsel hatte in die Chronik geschaut und erzählte Anekdoten, die mehrfach lautes Gelächter auslösten. So zum Beispiel, dass bereits lange vor 1642 in der Region Taufkirchen gebraut wurde – „allerdings illegal“. Unter anderem habe Pfarrer Matthäus Hofmeier von Steinkirchen eine illegale Zechstube betrieben. Die Fugger seien immer wieder rechtlich dagegen vorgegangen. Später dann auch der der neue Besitzer, der Freiherr von Puech, gegen den Wirt z’Babing wegen „illegalem Abhalten einer Totensuppe“. In Gurnhub bei Hohenpolding seien schließlich sehr hartnäckige illegale Brauer am Werk gewesen, der Rechtsstreit habe sich über acht Jahre hingezogen.

Bilder: Jubiläumsfeier der Brauerei Taufkirchen

Dass der Landrat also aus einer „historischen Bierrebellen-Region“ komme, nahm dieser gleich auf und meinte: „Wenn’s ums Bier geht, verstehen sie im Landkreis Erding keinen Spaß – siehe den Bierkrieg in Dorfen.“ In keinem Landkreis in Deutschland würden sich die Bürger sicherer fühlen und zufriedener sein, als im Landkreis Erding, meinte Bayerstorfer. Er bezeichnet das Bier als ein „ganz wichtiges Element der Zufriedenheit“.

Eine Lobeshymne auf das Taufkirchener Bier gab es auch von Bürgermeister Franz Hofstetter. „Es gibt weit und breit kein besseres Festbier“, stellte er fest. Er hob aber auch die Bedeutung der Genossenschaft heraus, „die ein wichtiger Arbeitgeber ist und zum Image des Ortes beiträgt“.

Vom „Bier als Kulturgut“ sprach Anton Kandler vom Genossenschaftsverband Bayern und lobte das genossenschaftliche Modell. „Crowdfunding“ würde man so etwas heute nennen, was 1917 in Taufkirchen passiert ist, meinte Lothar Ebbertz vom Bayerischen Brauerbund. Lange habe es gedauert, bis sich das Bier schließlich befreit habe „aus der Sandwich-Position zwischen Wasser als Erfrischung und Wein als Genuss“. Beim Bierkauf sollten Produkte aus heimischen Brauereien unbedingt die erste Wahl sein, forderte er. Bevor dann die ganzen Ehrungen auf dem Programm standen, schloss Ebbertz mit dem Luther-Zitat: „Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken.“ Dass das Bier einigen Burschen zu Kopf gestiegen ist, das zeigte sich am Samstag bei der Biernacht, als die Polizei eingreifen musste.

Ehrungen

Silberne Ehrennadel des Genossenschaftsverbands: Anton Kobold, Martin Maier, Valentin Vorbuchner.

Ehrenmitglieder: Korbinian Empl sen., Korbinian Empl jun., Anton Kobold, Josef Liebl, Martin Maier, Michael Schraufstetter, Theo Unterreitmeier, Johann Vorbuchner, Valentin Vorbuchner, Alois Wagner, Josef Wagner, Bartholomäus Wegmann.

Langjährige Mitarbeiter: Martin Bauer, Thomas Drechsel, Martin Huber, Stefan Kreuzpointner, Hannelore Lachner, Georg Lechner, Agnes Maier, Elisabeth Wegmann.

Wolfgang Krzizok

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