Reporter Fabian Holzner (l.) und die passionierten Wanderer Walter und Leni Schuh beim Wandern im Wald
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Der Weg ist das Ziel: Reporter Fabian Holzner (l.) begleitet die begeisterten Wanderer Walter und Leni Schuh.

Taufkirchener Tour „Auf da Sunnaseitn“ mit Ehepaar Schuh von den Himolla Wanderfreunden

Unterwegs mit Stock und Schuh

„Auf da Sunnaseitn“ unterwegs war Reporter Fabian Holzner mit dem Ehepaar Schuh von den Taufkirchener Wanderfreunden. Auf der Tour hat er sich nicht nur Blasen geholt, sondern auch so einiges von den passionierten Wanderern gelernt.

Taufkirchen – Es war eigentlich eine „Schnapsidee“, die Walter Schuh vor über 45 Jahren zum Taufkirchener Verein Himolla Wanderfreunde brachte. Seit 1996 ist er Vorsitzender und kann fast ebenso lange auf die Unterstützung seiner Ehefrau Leni als Schriftführerin und Ausflugsplanerin zählen. Zusammen haben sie mich zu einer Wanderung rund um Taufkirchen mitgenommen.

Neuer Wanderweg „Auf da Sunnaseitn“

Unterwegs waren wir „Auf da Sunnaseitn“ , so der Name des seit September 2020 von ihnen betreuten Wanderwegs.

Los geht es an einem herrlichen Frühlingstag, der diesem Namen mehr als gerecht wurde. Start und Ziel ist das Restaurant „Spasso“ am Rathausplatz, hier erhält man nach zehn Kilometern Rundgang um die hügelige Heimat des Wandervereins auch den vor allem bei den vielen Wanderern auswärtiger Vereine begehrten Stempel ins Wanderbuch.

„Teer ist tödlich“

Ab dem dortigen Kopfsteinpflaster bewegt man sich nur noch auf Feld- und Waldwegen. „Teer ist tödlich“, meint Walter Schuh und spricht dabei für alle Anhänger dieser naturverbundenen Freizeitbeschäftigung.

Als Vertreter beim rheinischen Kräuterlikörhersteller Kümmerling verteilte Schuh früher gesponserte Plakate und Startkarten für viele Wandervereine. Dass er daraufhin vom heimischen Wanderverein auf eine Mitgliedschaft angesprochen wird, war wohl unumgänglich. Zwei Busse, von der Möbelfabrik Himolla gestellt, aus der auch der Verein hervorging, fuhren in den 1970er und 1980er Jahren die Mitglieder zu den Wanderungen. Heute reichen meist ein paar Privatautos.

Markierungen inmitten von Äckern, Feldern und Wäldern

Inmitten von Äckern, Feldern und Wäldern, zwischen denen Traktoren und Rehe den Wanderweg kreuzen, geben Leni und Walter Schuh stets Acht auf die von ihnen angebrachten Wegmarkierungen. Das Ehepaar, das seit 52 Jahren verheiratet ist, hat sich mit zwei roten Vereinsjacken ausgestattet. Gelb ist die Erkennungsfarbe des Wanderwegs 9. Nicht nur Schilder, sondern auch von den beiden befestigte Steine weisen dem Wanderer die Richtung.

Während Walter Schuh davon erzählt, dass es zwei Typen von Wanderern gibt, die Schweigsamen und die Gesprächigen, holt er ein Taschentuch hervor. Er bückt sich und wischt einen mit Erde bedeckten Markierungsstein sauber.

Corona legt auch das Vereinsleben der Wanderer lahm

Nach einem steilen Anstieg, der auf den höchsten Punkt in der Gemeinde Taufkirchen führt, entdeckt Walter Schuh einen von einem Bauern umgeackerten Grenzstein. Offenbar geht es um jeden Zentimeter Grund, woraufhin Leni meint: „Vielleicht erinnern sich durch die Pandemie wieder mehr Leute, dass das letzte Hemd keine Taschen hat“.

Beim Thema Corona und Hygieneschutzbestimmungen zeigt das Ehepaar Schuh viel Verständnis, obwohl es kaum eine gemeinsame Beschäftigung gibt, die weniger Ansteckungsgefahr birgt als das Wandern. Dennoch legt die Pandemie auch dieses Vereinsleben fast lahm. Man hofft auf die kommenden Monate. Dass sich über diese Durststrecke jemand vom Wanderverein abwenden wird, halten Leni und Walter für ausgeschlossen, ihre Leute würden darauf brennen, die Stiefel wieder hervorzuholen.

„Abwarten und impfen“

Das hat auch die Resonanz auf die Eröffnung des Wanderwegs „Auf da Sunnaseitn“ im September gezeigt, hundertfachen Zuspruch bekam die Aktion. „Es hilft halt nichts, abwarten und impfen“, ist das Motto bei Leni, 72 Jahre, und Walter, 76 Jahre alt.

Wir setzen die Tour nach einer Rast am Rande des Unterholzes bei Abholz in beschleunigtem Tempo fort. Dieses Hobby hält offensichtlich fit. Nicht nur, aber auffallend viele Senioren gehören den Wanderfreunden an. Darunter auch elf „geländegängige Wittfrauen“, wie es Walter formuliert. Der Gemeinschaftsgeist, die viele Abwechslung und die moderate Belastung zieht viele Rentner und Alleinstehende in den Verein.

Nachwuchssorgen plagen die Wanderfreunde

Die Altersstruktur ist wie die zwei Seiten einer Medaille. So sehr das gemeinsame Wandern ein gesellschaftlicher Anker für die ältere Generation ist, so sehr fehlt es dem Verein auch an jungen Mitgliedern. Ein Problem, das den Schuhs nicht nur bewusst ist, sondern gegen das sie auch aktiv ankämpfen.

Der Vorsitzende wurde schon in Schulen vorstellig, um Jugendliche anzuwerben. Doch dort sei er bereits im Rektorzimmer spöttisch abgewiesen worden, erzählt er. Mäßigen Zuspruch und Erfolg fanden Kinderwanderstrecken, die wie eine Schnitzeljagd gestaltet waren.

Blasen am Fuß, Eindrücke im Herzen

Nachdem ein Ortsschild Taufkirchens die letzten Meter der Wanderung markiert, kann unser Tagesprogramm leider nicht in der üblichen Manier, nämlich mit einer Einkehr, beendet werden. Hoffentlich ist eine solche am Sonntag, 13. Juni, an dem die Wanderfreunde jeden Interessierten zu einer geführten Tour in den „Zwergerlwald“ einladen, in irgend einer Form wieder möglich.

Zugegeben, ich hätte besseres Schuhwerk wählen können. Mitgenommen von diesem Ausflug habe ich mehr als zwei ordentliche Blasen an den Füßen: Beeindruckende Ausblicke auf die heimische Landschaft und den Einblick in ein passioniertes Vereinswesen, in dem es nicht darum geht, Schritt zu halten, sondern vielmehr niemanden zurück- oder gar allein zu lassen.

Von Fabian Holzner

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