Echte Wertschätzung, auch in Form von besseren Arbeitsbedingungen: Das sind laut Minister Klaus Holetschek  wichtige Ziele. Da konnten (v.l.) Bürgermeister Stefan Haberl und Bezirkstagspräsident Josef Mederer sowie vom Klinikum Prof. Matthias Dose (Ärztlicher Direktor a.D.), Pflegedirektor Hermann Schmid, stellvertretende Geschäftsführerin Stinne Fronius, Geschäftsführer Franz Podechtl, stellvertretende Pflegedirektorin Brigitta Wermuth, Vorstandsvorsitzender Martin Spuckti und Rodolf Dengler (Standortleiter Taufkirchen) nur zustimmen.
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Echte Wertschätzung, auch in Form von besseren Arbeitsbedingungen: Das sind laut Minister Klaus Holetschek wichtige Ziele. Da konnten (v.l.) Bürgermeister Stefan Haberl und Bezirkstagspräsident Josef Mederer sowie vom Klinikum Prof. Matthias Dose (Ärztlicher Direktor a.D.), Pflegedirektor Hermann Schmid, stellvertretende Geschäftsführerin Stinne Fronius, Geschäftsführer Franz Podechtl, stellvertretende Pflegedirektorin Brigitta Wermuth, Vorstandsvorsitzender Martin Spuckti und Rodolf Dengler (Standortleiter Taufkirchen) nur zustimmen.

00 Jahre kbo-Isar-Amper-Klinikum

Von der Landesarmenanstalt in die Moderne: 100 Jahre kbo-Isar-Amper-Klinikum

Festakt zu 100 Jahre kbo-Isar-Amper-Klinikum: Das Traditionshaus ist eine wichtige Säule der psychiatrischen Versorgung in der Region.

Taufkirchen – Das kbo-Isar-Amper-Klinikum hat eine bewegte Geschichte. Nach dunklen Zeiten im Zweiten Weltkrieg hat es sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Heute ist es ein wichtiger Teil der psychiatrischen Versorgung in der ganzen Region. Am Mittwoch feierte das Haus seinen 100. Geburtstag nach. Denn am 21. Mai vor 100 Jahren wurde der erste Pflegling, wie damals Patienten genannt wurden, in der Landesarmenanstalt Taufkirchen aufgenommen.

Das Klinikum hätte den Geburtstag gerne mit den Bürgern gefeiert: Jazz im Park, Symposien, ein Tag der offenen Tür eben. Der Festakt fiel der Pandemie zum Opfer, gefeiert wurde nun in kleinem Rahmen.

„Damals, als ich ein kleiner Bub war, da waren die Tore der Psychiatrie noch verschlossen – da durfte man nicht durchgehen“, erinnerte sich Bürgermeister Stefan Haberl (39). Vor dem Klinikum und den Patienten hegten die meisten Leute eine gewisse Scheu: „Denn wir verdrängen den Gedanken an Krankheiten gern.“ Doch im Ernstfall seien alle froh, in der Nähe qualifizierte Hilfe zu bekommen: „Das kbo-Klinikum leistet wertvolle Dienste.“

Zudem würden über 800 Angestellte in der Einrichtung arbeiten, viele davon aus Taufkirchen. Das Isar-Amper-Klinikum biete Ausbildungsplätze an, eine Krankenpflegeschule gehöre ebenfalls dazu. „Das vorrangiges Ziel der Gemeinde ist es, den Klinikstandort nachhaltig zu sichern, Erweiterungsmöglichkeiten zu schaffen.“

Auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek gehörte zu den Gratulanten. In seiner Rede ging es um die dunklen Phasen in der Psychiatrie. Er erinnerte an „die menschenverachtende Ideologie während der NS-Zeit“, in der psychisch kranke Patienten, auch in Taufkirchen, in sogenannten Hungerhäusern untergebracht waren und dort umkamen. Oder sie wurden von hier nach Haar und weiter in eine Tötungsanstalt deportiert.

Erst in den 70er-Jahren, so der Minister, wurde die Psychiatrie-Enquete angestoßen. Die Zustände in den Kliniken, die Hospitalisierung und auch die Perspektivlosigkeit der Patienten wurden angeprangert. Auch Taufkirchen änderte sich und schlug neue Wege ein: Statt einer Einrichtung für Langlieger, die zum Teil ihr Leben in der Klinik verbrachten, wurde hier eine moderne Akut-Klinik aufgebaut. „Durch gezielte Dezentralisierung und Enthospitalisierung“ habe sich die Situation der chronisch Kranken deutlich gebessert. Ein Wandel, der nur gelingen konnte, weil außerhalb des Krankenhauses ein ambulant-komplementäres Netzwerk aufgebaut wurde und dadurch Patienten auch außerhalb des Klinikums behandelt werden konnten, so Holetschek.

„Die psychiatrische Versorgung ist mir ein wichtiges Anliegen“, sagte der Minister, der sich besorgt darüber zeigte, wie „Kinder und Jugendliche aus der Pandemie herauskommen“, welche Spuren und Belastungen sie mit sich tragen. Insgesamt 643 Millionen habe der Freistaat in diesem Jahr in Krankenhäuser reingepumpt: „Nicht nur den Applaus, sondern bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Entlohnung in der Pflege“ hält der Minister für immens wichtig.

Franz Podechtl, Geschäftsführer des kbo-Isar-Amper-Klinikums, bedankte sich für die Kooperation mit der Gemeinde, dem Landkreis und dem Staatsministerium: „Die 110-Jahrfeier werden wir hoffentlich schon in neuen Räumen feiern.“ Denn ein großer Umbau ist geplant.

MICHAELE HESKE

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