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Engagiert und gestenreich erklärte Professor Gerhard Wenzel den Moosener Gartlern Pflanzenzüchtung und -kunde im Schnelldurchlauf. 

Vortrag beim Gartenbauverein Moosen 

Glyphosat: „Das Beste, was wir haben“

Wie gefährlich ist Glyphosat? Für Professor Gerhard Wenzel gibt es kein besseres Unkrautvernichtungsmittel. Brigitte Murla, Vorsitzende des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, ist skeptisch. Sie empfiehlt Hobbygärtnern, lieber zu jäten.

Moosen/HubensteinDer Moosener Gartenbauverein ist eine kleine, gemütliche Truppe mit einem Altersdurchschnitt von 67 Jahren. Man setzt sich aber auch gerne mit kritischen Themen auseinander – wie jüngst in der Jahreshauptversammlung.

Dort hielt kein Geringerer als Gerhard Wenzel, ehemaliger Dekan und Professor für Pflanzenzüchtung in Weihenstephan, einen Vortrag. Durchaus unterhaltsam vermittelte er den anwesenden Herrschaften in einer knappen Stunde das Wissen von vier Semestern Pflanzenzüchtung im Schnelldurchlauf.

„Ich bin ein alter Rentner und passe gut in den Kreis“, sagte Wenzel zum Einstieg und lobte die „muntere Mannschaft“. Dann ging es ans Eingemachte. Mechanisierung, Genetik und Düngung seien drei Möglichkeiten, den Ertrag von Pflanzen positiv zu entwickeln. Die Chemie sei ausgereizt. „Heute muss der Zuwachs vor allem über Genetik gehen“, sagte der Fachmann und erklärte, dass in einer menschlichen Zelle eine Bibliothek mit 2000 Büchern mit je 1000 Seiten sei – damit meinte er die DNA. Zum Vergleich: Im Weizen befänden sich sogar 16 000 Bücher in einer Zelle mit 1000 Seiten und 1000 Buchstaben darauf. Das heiße aber nicht, dass der Weizen besser sei als der Mensch. Denn in der DNA des Weizens „steht unglaublich viel Unbrauchbares drin“.

Über die Pflanzen- und Genzüchtung kam Wenzel auf das umstrittene Glyphosat zu sprechen, auch als Roundup bekannt. „Das beste Unkrautmittel, das wir haben“, wie er betonte, weil es sich so schnell abbaue und umweltverträglich sei. Soja sei mittlerweile schon weit über 80 Prozent transgen, Baumwolle zu fast 70 Prozent. „Die Eigenschaft, die am meisten eingebaut wurde, ist die Resistenz gegen ein Herbizid“, erklärte er weiter.

1974 habe der Konzern Monsanto Glyphosat patentieren lassen. Dieses Patent sei mittlerweile ausgelaufen. 2015 produzierten 91 Firmen in 20 Ländern, hauptsächlich China, dieses Unkrautmittel. „Seit fast 50 Jahren wird es eingesetzt, ohne dass es Probleme gab“, erklärte Wenzel. Denn dem menschlichen Stoffwechsel könne Glyphosat nichts machen.

Kritik sei 2004 aufgekommen, als der Franzose Gilles-Eric Séralini Versuche mit dem Mittel durchführte, bei denen „Ratten angeblich Krebs bekamen“, erzählte Wenzel. Bei mehrmals wiederholten Versuchen hätten diese Ergebnisse jedoch nicht bestätigt werden können, sagte der Fachmann und betonte: „Wir haben derzeit kein besseres Unkrautvernichtungsmittel. Ein Restrisiko gib es immer.“

Wolle man die Welternährung bei abnehmender Fläche durch Versiegelung sichern, sei das nur noch durch Züchtung und Gentechnik möglich, argumentierte er und unterstrich: „Nichts ist so geprüft wie transgene Pflanzen.“ Bei Soja, Mais und Baumwolle könne man so eine Ertragssteigerung von 21 Prozent bei 40 Prozent weniger Spritzmitteleinsatz erzielen. Die Produktionskosten seien zwar gestiegen, weil das Saatgut teuer sei. Dennoch konnten 70 Prozent Mehreinnahmen verbucht werden. „Aber die Deutschen wollen es nicht“, bedauerte Wenzel.

Vereinsvorsitzender Erhard Weiher meinte nach dem Vortrag, dass man sich auch mal die andere Seite anhören müsse. Er habe interessantes Neues erfahren.

Kreisvorsitzende Brigitte Murla erklärte, auch wenn Glyphosat laut Wenzel ungefährlich sei, „sollten wir Hobbygärtner lieber jäten und Unkraut zupfen“. Sie sagte, dass Roundup im Garten für Beete verwendet werden dürfe, nicht aber auf dem Friedhof, bei Einfahrten oder versiegelten Flächen, weil es von dort ins Grundwasser gelange.

Ihrer Meinung nach könnten sich die Zusatzstoffe in Spritzmitteln wie Roundup sehr wohl negativ auswirken. Zudem kritisierte Murla, dass Monsanto auf gentechnisch veränderte Pflanzen Patente habe und sich diese teuer bezahlen lasse. Birgit Lang

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