angeblicher missbrauch

Vorwürfe gegen Altenpfleger nicht zu beweisen

Mit einem Freispruch endete gestern das Verfahren gegen einen 63-Jährigen, der in einem Pflegeheim in Taufkirchen eine schwer demente Bewohnerin sexuell missbraucht haben soll. Die Anklage beruhte ausschließlich auf den Vorwürfen einer Kollegin. Wegen Unstimmigkeiten in der Aussage sprach das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Björn Schindler den 63-Jährige auf Kosten der Staatskasse frei. Zudem erhält er eine Entschädigung für einen Hafttag.

Taufkirchen – Laut Anklage soll der Altenpfleger am 19. September eine nahezu bewegungsunfähige 80-Jährige mit dem Rollstuhl in ihr Zimmer gefahren, sie aufs Bett gelegt und dort sexuelle Handlungen an der Vagina vorgenommen haben. Der Angeklagten bezeichnete den Vorwurf als ungeheuerlich. Er habe die Dame gegen 16 Uhr in ihr Zimmer gebracht. Er habe Stuhlgang festgestellt und sie im Bett gereinigt. Während sie auf der Seite mit dem Rücken zu ihm lag, habe er sie mit der linken Hand gestützt und mit der rechten Hand gewaschen. Dabei nutzte er einen Einmal-Waschlappen, trug aber keine Handschuhe da er eine Latex-Allergie habe.

Dass er die Tür schloss, aber nicht absperrte, und die Vorhänge zuzog, erklärte er damit, dass er die Würde der Betreuten achte. Eine Kollegin, wie der Angeklagte seit einem Jahr im Heim beschäftigt, sah dies anders. Sie habe helfen wollen, als er den Rollstuhl ins Zimmer schob, hatte dann aber für ein paar Minuten etwas anderes zu tun.

Als sie dann das Zimmer betrat, habe sie gesehen, wie der Angeklagte seinen Finger in die Scheide der 80-Jährigen einführte und seine linke Hand in der eigenen Hose hatte. Sie sei so perplex gewesen, dass sie lediglich nach dem Rollstuhl fragte, mit dem sie dann das Zimmer verließ.

Fraglich war vor Gericht allerdings, ob sie von ihrer Position aus wirklich alles sehen konnte. Zumindest stand der 63-Jährige zwischen ihr und dem vermeintlichen Opfer. Später widerrief sie auch ihre erste Aussage, dass der Angeklagte die linke Hand in der Hose gehabt hatte. Auch dass er erschrocken auf ihre Frage reagiert habe, wo der Rollstuhl her sei, relativierte sie. Dies habe sie aus seinem Gesichtsausdruck geschlossen.

Merkwürdig war auch, dass beide weiter ihren Dienst verrichteten, ohne dass der Vorfall zur Sprache kam. Erst zuhause schrieb die Altenpflegerin ein Protokoll, welches sie am nächsten Tag der Heimleitung übergab. Der Geschäftsführer überreichte dem 63-Jährigen die Kündigung und bat ihn, sofort das Haus zu verlassen. Zur Begründung hieß es lediglich: „Sie wissen schon, was Sie gemacht haben.“

Der Angeklagte hatte schon zuvor zwei Abmahnungen hinnehmen müssen, die einzig auf Protokollen der Belastungszeugin beruhten. Diese wiederum musste vor Gericht eingestehen, dass auch sie schon straffällig geworden sei, weil sie im ambulanten Pflegedienst eine Seniorin bestohlen hatte.

Der Staatsanwalt sah den Sachverhalt bestätigt und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten nebst zehnjährigem Berufsverbot. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Martin aus Erding, arbeitete dagegen die Unstimmigkeiten in der Aussage der Belastungszeugin heraus und forderte einen Freispruch. 

Gert Seidel

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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