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Völlig neu gestaltet worden ist der Showroom bei Himolla in Taufkirchen. Seit Tagen werden die Mitarbeiter durch die Ausstellungsräume geführt. Eine von vielen Maßnahmen, die das Wir-Gefühl verstärken soll.

70 Jahre Himolla

Weiter „himmlisch – mollig – angenehm“

  • Anton Renner
    VonAnton Renner
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Der Taufkirchener Polstermöbelgigant Himolla feiert 70-jähriges Bestehen. Über 1100 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Der Möbelbranche geht es allgemein nicht gut. Doch Himolla behauptet sich.

Dorfen – In der Möbelbranche tobt eine erbitterte Rabattschlacht. Billigmöbel überschwemmen den Markt, die Importe aus dem Ausland steigen. Das setzt auch Möbelhersteller unter Druck. Doch der Taufkirchener Polstergigant Himolla hält mit Qualität und Individualität dagegen. Und trotz schwieriger Marktlage steht Himolla gut da.

„Himmlisch – mollig – angenehm“. Die Abkürzung davon ist Himolla. Seit 70 Jahren stehen die Polstermöbel aus Taufkirchen für Individualität und Qualität. Diese 70 Jahre, die immer wieder auch ein Auf und Nieder waren, feiert der Taufkirchener Polstermöbelhersteller an diesem Wochenende (6./7. Oktober) mit einem Tag der offenen Tür mit der Möglichkeit des Werksverkaufs.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass immer wieder einmal Gerüchte aufkeimen, Himolla gehe es nicht gut. Diese sind auch seit geraumer Zeit wieder im Umlauf. „Ich find’ das unglaublich. Über solche Gerüchte kann ich mich richtig aufregen“, ärgert sich Himolla-Geschäftsführer Karl Sommermeyer beim Besuch der Heimatzeitung im Werk. „Wir haben keine Krise“, sagt Sommermeyer.

Der Möbelbranche gehe es aber insgesamt schlecht. Europaweit sei das Kaufverhalten der Verbraucher schwach. „Und auch vier Monate Sommer vertragen wir in unseren Breitengraden nicht. Das spüren wir extrem in unserem Auftragseingang“, sagt der Geschäftsführer. Aber Himolla habe sich noch jedesmal gegen eine Krisenstimmung bewähren können. Dennoch räumt Sommermeyer ein: „Dieses Jahr bekommen wir das erste Mal eine Beule. Das ist aber in einem normalen Betriebsleben eine ganz normale Geschichte. Wir stehen mit beiden Beinen auf dem Boden. Wir haben uns in den vergangen Jahren eine Position erkämpft, in dieser Region, in Europa und der gesamten Welt, die uns als einen der wichtigsten Polstermöbelhersteller dastehen lässt. Wenn es der Branche normal geht, ist Himolla überproportional dabei. Wenn es der Branche schlecht geht, sind wir überproportional besser als die Branche an sich“, konstatiert Sommermeyer, der seit 23 Jahren das Unternehmen führt und zum Jahresende in Ruhestand geht.

Die Stärke Himollas ist der Systemgedanke. 64 Millionen Möglichkeiten stehen zur Verfügung, Polstermöbel zu fertigen. Alle Produkte werden nach den vier Maximen Individualität, Funktionalität, Vielfältigkeit und Langlebigkeit gefertigt. Ziel des einzigen verbliebenen Vollsortimenters in Deutschland ist es, mit dem umfangreichen Sortiment individuelle Kundenwünsche zu erfüllen. Das betrifft nicht nur Design und Funktionalität. Himolla fertigt auch Spezial-Polstermöbel, etwa für eingeschränkt bewegliche oder stark übergewichtige Menschen. „Wir beherrschen hier eine Komplexität, das kann kein anderes Unternehmen“, gibt sich Sommermeyer stolz.

Den Grundstein für Himolla legte im Jahre 1948 das Taufkirchener Urgestein Carl Hierl (1911 – 2003). Sein Vater betrieb eine Sattlerei. Daraus machte Hierl mit seiner Frau und seiner Schwester Franziska Keilhacker die Carl Hierl GmbH. Das war der Beginn der industriellen Polstermöbelfertigung in der Vilsgemeinde. Knapp zehn Jahre später beschäftigte das Unternehmen bereits 1000 Mitarbeiter. 1957 erfolgte die Umbenennung in die Himolla Polstermöbelwerk GmbH.

„Was als kleine Werkstatt begann, hat sich zu einem der größten Polstermöbelwerke Europas entwickelt“, sagt dazu Marketing-Leiterin Petra Kobus. Im Jahre 1957 wurde mit dem Bau des heutigen Firmengeländes begonnen und ein Industrieunternehmen am Rande Taufkirchens aufgebaut. Die rasante Expansion in den 60er Jahren erforderte weitere hohe Investitionen in Gebäude und Fertigung. Heute werden auf fast 90 000 Quadratmetern mit dem handwerklichen Know-How der Mitarbeiter und modernsten Technologien Polstermöbel für Kunden aus aller Herren Länder gebaut und dann mit der eigenen Himolla-Spedition ausgeliefert.

Doch immer wieder geriet das Unternehmen auch in Krisen. Erst Mitte der 90er Jahre, als die Welle-Gruppe aus Paderborn das Ruder übernommen hatte, kehrte Ruhe ein. Als Geschäftsführer Sommermeyer seine Tätigkeit aufnahm, war Himolla fast pleite. Heute steht das Unternehmen auf gesunden Beinen.

Tag der offenen Tür

Am morgigen Samstag ist die Produktion bei Himolla live zu sehen. Besucher können miterleben, wie ein Polstermöbel oder ein Relaxsessel entstehen. Ab 10 Uhr sind die Türen für jedermann geöffnet. Am Samstag und Sonntag gibt es zusätzlich die Möglichkeit, den zur jetzt stattfindenden Hausmesse neu gestalteten Showroom mit all seinen Polstermöbeln zu bestaunen. Im ZV-Lager an der Schlossfeldstraße gibt es die Möglichkeit, sich mit Jubiläumsangeboten einzurichten.

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