Schlagerstar tot: Jeder kennt seinen größten Hit

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Was ist das für ein Gemüse? Norbert Lindlbauer (l.) prüft die Schüler beim Fächerwahlprojekt. 

Fächerwahlprojekt an der Mittelschule Taufkirchen

Wenn der Arbeitsplatz in die Schule kommt

Ein Kreuz, das über die Zukunft entscheiden kann: Wirtschaft, Sozial oder Technik? Welchen Zweig soll man wählen? Die Mittelschule Taufkirchen versucht, ihren Schülern bei ihrer Entscheidung unter die Arme zu greifen.

Taufkirchen Zum dritten Mal hat die Mittelschule Taufkirchen das so genannte Fächerwahlprojekt veranstaltet. Da schicken Firmen ihre Vertreter in die Mittelschule, die den Schülern dann an zwei Tagen Ausbildungsberufe vorstellen und somit diesen bei ihrer Entscheidung der Zweigwahl helfen.

„Ab der siebten Klasse muss man sich entscheiden, in welchen Zweig man gehen will. Wir bieten Wirtschaft, Technik und Sozial an“, erzählt Schulleiter Adolf Geier. „Viele unserer Schüler wissen aber gar nicht wirklich, was ihre Stärken sind, deswegen versuchen wir ihnen mit dieser Aktion dabei zu helfen.“ Neben lokalen Betrieben wie Elektro Bauer oder dem Landratsamt schicken auch größere Firmen wie Rewe oder das kbo Klinikum Referenten an die Schule. „Uns ist es wichtig, dass mehr von unseren Schülern nach ihrem Abschluss Ausbildungen absolvieren“, ergänzt der Geier. „Die Vielfalt an Schülern ist genauso groß wie die Vielfalt, die einen im späteren Berufsleben erwartet. Deswegen versuchen wir, Einblicke in möglichst viele Bereiche zu geben.“

Aus jedem der Wahlbereiche stehen den Schülern zwei Betriebe zur Verfügung. Bei den ausgewählten Betrieben wird vom Kollegium sehr viel Wert darauf gelegt, dass sie auch zwischenmenschlich mit den jungen Erwachsenen gut interagieren können. So werden altbekannte Betriebe wie Himolla oder die Gastronomie Abteilung der BOS seit der ersten Stunde des Projekts eingeladen. Initiator Manfred Stanggassinger ist es wichtig, dass der Inhalt der Vorträge mit den Klassen reflektiert wird, jeder Schüler seinen eigenen Weg findet und so früh genug für seine Zukunft sorgt. Die Referenten achten stets darauf, dass sie interaktive Referat halten, um den Schülern einen möglichst unterhaltsamen Vortrag zu zeigen.

In der Gastronomie-Abteilung etwa wird gemeinsam mit den Schülern eine Minestrone gekocht. Dabei wird die Arbeit mit persönlichen Geschichten und einer guten Prise Humor gewürzt. Auch ein kleines Gemüsequiz wird eingebaut, bei dem die Herkunft und die Verwendung erraten wird. „Wir haben schon zwei große Töpfe aufgegessen. Es scheint geschmeckt zu haben“, meint Referent Norbert Lindlbauer schmunzelnd. Beim Vortrag des kbo Klinikums dürfen die Schüler auch schon mit ärztlichen Instrumenten arbeiten. Eifrig hören sie Carlos Martin mit einem Stethoskop ab und überprüfen seinen Puls. Er lebt noch.

Die technischen Vertreter setzen sehr viel auf Eigeninitiative. Die Firma Bauer bastelt mit den Schülern an einem Stromkreis. Dabei wird den Kindern aufmerksam über die Schulter geschaut. Der 15-jährige Kevin de Oliveira Da Silva aus Velden meint, dass ihm diese Arbeit am meisten Spaß gemacht hat, da er es als „spannend empfand“, an so etwas zu arbeiten“. Auch Himolla ließ die Jugendlichen eigenhändig arbeiten. Mit kleinen Hilfestellungen schnitten die Schüler Leder und verarbeiteten es zu Dekorationen in Form von Tieren weiter. „Am Anfang dachte ich erst, dass das gar nichts für mich wäre, aber die Arbeit bei Himolla hat mir unglaublich viel Spaß gemacht“, meint Ilona Zogaj (13) aus Taufkirchen strahlend.

Im Bereich Wirtschaft wurde mehr Wert auf Theorie gesetzt. So erklärte Stephanie Kirchner wie man eine gute Bewerbung schreibt und das soziale Verhalten in einem Praktikum. Gemeinsam starteten sie eine Internetrecherche, um einen kleinen Teil der Arbeit zu simulieren und das zielorientierte Arbeiten zu lernen. Bei der Abteilung Rewe wird das weitgefächerte Spektrum der Arbeit angesprochen und so aufgezeigt, dass Ausbildungen in diesem Bereich aus mehr besteht, als Regale einräumen und kassieren.

„Das Wissen verliert an Prestige. Mir ist es wichtig, dass die Jugendlichen auch Übung in der Praxis bekommen“, meint Initiator Stanggassinger. Die Schüler sind am Ende des ersten Tages begeistert. Phillip Mehner (13) aus Inning freut sich schon auf den zweiten Tag: „Ich bin gespannt was morgen noch für Betriebe da sein werden. Heute hat mir das Kochen auf jeden Fall am meisten Spaß gemacht.“

Der zwölfjährige Samuel Weiher aus Taufkirchen meint zudem, dass die Arbeit beim Landratsamt sehr hilfreich für die Zukunft war, da man dort das Verhalten in einem Betrieb gelernt hat und wie Bewerbungen funktionieren. „Nach heute fällt mir die Entscheidung, in welche Richtung ich gehen will, deutlich leichter. Ich bin auch schon gespannt, was morgen noch kommt. Es war einfach klasse mal die Betriebe kennengelernt zu haben“, sagt Melissa Sap (12) aus Taufkirchen.

Sowohl Schulleiter Geier als auch Stanggassinger sind davon überzeugt, dass dieses Projekt „Made in Tfk“ auch in der Zukunft eine sehr hilfreiche Option sein wird, seinen Zweig richtig zu wählen und die Entscheidung nicht zu bereuen.

Dominik Schien

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