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Appell zum Handeln: Christian Kramer von der CIMA.

LEBENDIGE ORTSMITTE

„Wer nicht im Internet ist, wird nicht wahrgenommen“

Taufkirchen – Der heimische Handel soll sich auch im Internet präsentieren. „Wer nicht im Internet ist, wird nicht wahrgenommen“, warnt Christian Kramer von der Beraterfirma CIMA, die in Taufkirchen das Projekt "Lebendige Ortsmitte" betreut.

Das Projekt „Lebendige Ortsmitte“ treibt Bürgermeister Franz Hofstetter schon lange um. Schon vor einigen Monaten ließ der Taufkirchener Gemeinderat ein Einzelhandelsgutachten erstellen. Die Beraterfirma CIMA wurde danach beauftragt, dem Einzelhandel zur Seite zu stehen. Ihre Aufgabe war es, die Leerstände in der Ortsmitte anzugehen, Einzelexposés zu erstellen und Einzelberatungen durchzuführen.

Der durchschlagende Erfolg blieb bis dato aus, bedauerte Hofstetter bei einer Informationsveranstaltung von Gemeinde und Gewerbeverein im Bürgersaal. Mit 150 Geschäftsleuten wurden die „Chancen der Ortsentwicklung Taufkirchens“ erörtert. Hofstetter erklärte, die Leerstände hätten sich zwar ein bisschen gebessert, „aber nicht in dem Maße, wie wir es uns wünschen würden“. Er wisse, dass Taufkirchen kein Einzelfall sei und zu einer lebendigen Ortsmitte auch Veranstaltungen und Gastronomie gehörten. Umso mehr freue er sich auf das Ärztezentrum, das in Verbindung mit dem Sparkassenneubau im Zentrum entstehen werde.

Die Zukunft des stationären Einzelhandels im Zeitalter des Internets sei es nicht einfach, meinte der Bürgermeister. Dennoch versuche man, dass der Ort attraktiv bleibe, insbesondere als Standort für Arbeitsplätze, Kultur, Freizeit und Firmen. „Jedes Unternehmen ist bei uns willkommen“, sagte Hofstetter und erinnerte daran, dass sich aufgrund des Gutachtens vier Handlungsfelder herauskristallisiert hätten: Angebot und Service, Aufenthaltsqualität und Erscheinungsbild, Kommunikation nach innen und außen sowie Erreichbarkeit und Parken.

Welche Strategien und Chancen es für den stationären Handel im digitalen Zeitalter gibt, zeigte CIMA-Mitarbeiter Christian Kramer auf. Er führte aus, wie der Online-Handel es dem Einzelhandel schwer mache und in den vergangenen 15 Jahren immer mehr an Einfluss gewonnen habe. „Man kann nicht sagen, dass Internet ist prinzipiell böse. Die Frage ist, wie es der Mensch einsetzt.“ Kramer empfahl, Internet-Werkzeuge im Laden als Beratungs-, Abwicklungs- und Lieferungswerkzeuge zu integrieren, denn das Einkaufsverhalten der Menschen habe sich gewaltig geändert. Die meisten Kunden würden vorab im Internet recherchieren und kämen mittlerweile bestens informiert in den Landen, wüssten genau, was sie wollten, würden dort aber auch einkaufen, wenn sie überzeugt seien.

Der Einzelhandel sollte von Amazon und Co. lernen. Sie hätten die Kunden „verzogen“: Online einzukaufen habe den Vorteil bequem, stressfrei und 24 Stunden lang dies machen zu können. Nachteile seien, dass man die Produkte nicht anfassen könne. Auch fehle das Einkaufserlebnis und bei Reklamationen gebe es keinen direkten Ansprechpartner. Zudem hätten viele Angst vor Datenmissbrauch, davor ein gläserner Kunde zu werden. Auch der Einzelhandel müsse seine Kundenbindung (in Form von Daten) künftig als Schatz sehen und Zusatznutzen bieten. Auch der stationäre Handel werde sich digitalisieren, so Kramer: „Wer das Internet nicht als Werkzeug der Sichtbarkeit nutzt, findet nicht statt.“ Wer bei der Suchmaschine Google nicht auf der ersten Seite erscheine, werde nicht wahrgenommen. Statt einen fast nicht mehr bezahlbaren Website-Aufwand zu betreiben, gebe es beispielsweise „google my business“, was billiger und super einfach sei. Regale könnten virtuell verlängert werden via Device Smartphone, das dem Kunden anzeige, was es alles im Sortiment gebe. Kramer riet den Anwesenden, ihre Ladengestaltung zum Erlebnis zu machen, um die Kunden in den Laden zu ziehen. „Ihr Unternehmen muss zur Marke werden. Polarisieren, anders machen, inspirieren, emotionalisieren.“ Kramers Credo: „Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen.“

Birgit Lang

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